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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 483 vom 16.11.1997, Kategorie Welt

XVII MITROPA CUP – MONTECATINI TERME 1997 (8. bis 16 November)

Slowenien gewinnt 17. Mitropacup

Österreichs Team Neunter in Montecatini

Der in der Toskana bei Florenz gelegene Thermenort Montecatini war vom 7. bis 16.11. 1997 Austragungsort des traditionellen Mitropacups. Den höchsten Eloschnitt aller Mannschaften wies Ungarn mit 2491 auf, die aber letztlich nur auf Rang 3 (punktegleich mit den Deutschen) kam und den ebenfalls sehr stark angetretenen Teams aus Slowenien (2465) und Kroatien (2476) den Vortritt lassen mußte.

Bei Großteil der Mannschaften kamen durchwegs jüngere Spieler, geschart um einen Routenier zum Einsatz, wie auch bei Österreich diesmal der leider durch einige Ausfälle geschwächte U26-Kader zum Zuge kam.

Unser vorletzer Platz, der der Papierform entsprach, sieht schlechter aus, als sich unser Team tatsächlich schlug (Christian Weiß verpaßte die IM-Norm nur um einen halben Punkt!), denn eine bessere Placierung war, wie die knappen Abstände zu den Nächsthöherplacierten zeigen, durchaus möglich.

Siegfried Baumegger, Graz

Endtabelle

Rg. Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 S. R. N. Pkt. MPkt.
1 SLOWENIEN * 3 2 3 2 3 3 3 7 2 0 24 16
2 KROATIEN 1 * 2 2 3 6 2 1 22½ 14
3 UNGARN 2 2 * 3 2 2 2 2 3 6 0 20 12
4 DEUTSCHLAND 2 1 * 3 2 3 5 2 2 20 12
5 SCHWEIZ 1 2 1 * 3 4 4 1 4 19 9
6 ITALIEN 2 2 2 1 * 3 3 3 3 18 9
7 FRANKREICH 2 1 * 2 1 2 2 5 15½ 6
8 TSCHECHISCHE REPUBLIK 1 ½ 2 2 * 1 2 6 15 4
9 ÖSTERREICH 1 ½ 1 3 ½ * 3 3 0 6 14½ 6
10 SLOWAKEI 1 1 0 1 * 1 0 8 11½ 2

siehe auch Schach-Kolumne (vom 28.November)
Mannschaftsaufstellungen
Ergebnisse aller Runden
Partien im PGN-Format
Spielerhitliste
Mitropacup - Legende


Weiß: J. Le Roux (FRA/2265)

Schwarz: M. Brod (AUT/2270)

Englisch (A37)

Anm. Manfred Brod

1. Sf3 c5 2. c4 Sc6 3. Sc3 g6 4. g3 Lg7 5. Lg2 e6. Schwarz durchbricht die Symmetrie und bereitet 6. ... Sge7 vor, um die Wirkung seines Fianchettoläufers nicht einzuschränken.

6. 0-0 Sge7 7. Tb1 0-0 8. d3 d5. Weiß stehen hier mehrere Pläne zur Verfügung:

1) Spiel am Damenflügel mit 9. a3, 10. Ld2 und evtl. 11. b4.

2) Abtausch des schwarzen Fianchettoläufers mit 9. Ld2, 10. Dc1 und 11. Lh6.

3) Anstreben einer Isolani-Stellung mit 9. Lg5 h6 10. cxd5 exd5 11. Lxe7 Sxe7 12. d4.

4) Ausnützung der schwachen Felder d6 und c7 – siehe Partie.

9. cxd5 exd5. Nach 9. ... Sxd5 könnte Weiß durch 10. Sxd5, 11. a3 und 12. Ld2 das äußerst erstrebenswerte 13. b4 vorbereiten.

10. Lf4 h6. Dieser Zug hat mehrere Funktionen: er verhindert den Abtausch meines Fianchettoläufers (11. Dd2 Kh7), nimmt dem Sf3 das Feld g5 und bereitet so 11. ... Le6 vor, und ermöglicht, falls Weiß mit z.B. Sb5 Drohungen am Damenflügel aufstellen sollte, die Vertreibung des Lf4 mit g5.

11. h4. Weiß möchte seinen Läufer längerfristig auf f4 behalten.

11. ... Le6 12. Sb5. Positionell risikoloser wäre es, Schwarz zuerst zu a5 zu zwingen, und erst danach Sb5 zu ziehen, z.B. 12. Dd2 Kh7 13. a3 a5?! und jetzt 14. Sb5, doch durchkreuzt 13. ... d4 diese Pläne.

12. ... Tc8. Der Läufer auf e6 muß natürlich vor dem Abtausch bewahrt werden, da z.B. 12. ... Dd7?! 13. Sc7 Tac8 14. Sxe6 fxe6 15. Lh3 oder 14. ... Dxe6 15.Kh2 und 16. Lh3 für Schwarz unangenehm ist.

13. d4. Der Versuch mit 13. Dc1? auf Bauernfang zu gehen scheitert an 13. ... a6 14. Sd6 (14. Sa3 Kh7 15. Dxc5? Sd4) Tc7 da 15. Dxc5? mit Sd4 beantwortet wird, und der Sd6 keine Felder mehr hat.

13. ... c4 14. b3 cxb3 15. Dxb3 Sf5. Schwarz nimmt den Kampf um das wichtige Feld d6 auf.

16. Da3. Nach 16. e3 a6 17. Sc3 Sa5 oder 17. Sa3 b5 steht Schwarz bereits deutlich besser.

16. ... Dd7. Stärker als 16. ... a6?! 17. Sd6 Scxd4 18.Sxd4 Sxd4 19.Sxc8 Sxe2+ 20.Kh2 Dxc8 21. Ld2 wonach mir eher die weiße Stellung besser gefällt.

Mit dem Textzug verfolge ich weiter meinen Plan der Eroberung des Feldes d6 und Ergreifung der Initiative am Damenflügel mit a6, Lf8, b5, und Sa5-c4.

17. e3 Tfd8 18. g4 Lf8 19. gxf5!. Der stärkste Zug, da 19. Db2 Sg7 20. Lxh6 Lxg4, sowohl nach 21. Lg5 Te8, als auch nach 21. Se5 Sxe5 22. dxe5 Lh3, zu schwarzem Vorteil führt.

19. ... Lxa3 20. fxe6 Dxe6. 20. ... De7?! gefiel mir wegen 21. exf7+ Kh7 (21. ... Kxf7 22. Lxh6! mit der Idee 23. Lg5) 22. Sxa3 Dxa3 23. Txb7 nicht.

21. Sxa3 De7 22. Sc2 Kh7 23. Lh3 f5 24. Sce1. Weiß möchte den Springer via d3 nach e5 überführen und durch Druck in der halboffenen g – Linie den Nachziehenden einschnüren.

24. ... b6 25. Kh2 De4 26. Sd2 De7. 26. ... De6 mit der Idee, 27. ... Df6, kam ebenfalls in Frage.

27. h5 Tg8 28. Sef3. Nach 28. hxg6+ Txg6 29. Lxf5 Dh4+ 30. Lh3 Tcg8 gelingt es Schwarz, die Fesseln etwas zu lockern, obwohl der Anziehende nach wie vor ausreichende Kompensation für die Dame hat.

28. ... Tcf8 29. hxg6+ Txg6 30. Tg1. Weiß droht nun, nach Abtausch des Sc6, den Läufer auf e5 zu stellen und über die g-Linie dem eingeklemmten schwarzen König zu Leibe zu rücken.

30. ... Df6 31. Se5 Sxe5 32. Lxe5 Dh4. Ein passiver Zug wie 32. ... De6 würde nach 33. Txg6 Kxg6 34. Tg1+ Kf7 35. Tg7+ Ke8 36. Txa7 unangenehme Folgen nach sich ziehen.

33. Txg6 Kxg6 34. Tg1+ Kf7 35. Tg7+ Ke6 36. Lg3 Dh5 37. Txa7 De2. Diese Stellung hatte ich nach meinem 30. Zug im Kopf. Mir war zwar nicht klar wie sie exakt zu beurteilen ist, doch da mein König im Zentrum relativ sicher steht, meine Dame aktiviert wurde und Weiß keine sinnvollen Felder für seinen Springer hat, glaubte ich an gute Überlebenschancen.

38. Sb3 h5. Schwarz droht mit 39. ... h4 und 40. ... Th8 eine direkte Attacke gegen den weißen Monarchen zu starten.

39. Tc7?. Weder 39. Kg2? Tg8, noch 39. Th7? Dxa2 40. Sc1 Dc4 sind spielbar, doch 39. Lh4! (einziger Zug) gibt Weiß nach 39... Tg8 40. Th7 Tg6 41. e4! dxe4 42.Te7+ Kd5 43.Lxf5 Vorteil.

39. ... h4! 40. Lxh4 Th8. Schwarz hat entscheidenden Vorteil.

41. Sc1. Ebenso ungenügend ist 41. Lg3 Df1, 41. Kg3 Dh5 oder 41. Tc6+ Kd7 42. Txb6 Txh4.

41 ... Dd1. Stärker als 41... Dh5?, da Weiß seinen Springer mit 42. Sd3 Dxh4 43. Sf4+ aktivieren kann.

42. Lg5 Df3. Damit gewinnt Schwarz, im Gegensatz zu 42. ... Dh5, nicht nur eine Figur, sondern zusätzlich noch den Bauern auf f2.

43. Tc6+ Kd7 44. Th6 Dxf2+ 45. Kh1. 45.Lg2 scheitert an 45. ... Txh6+ 46. Lxh6 Dh4+ nebst 47. ... Dxh6.

45. ... Txh6 46. Lxh6 Dh4 47. Kg2 Dxh6 48. Lxf5+ Kd6 und da sich der Bauer auf e3, weder mit 49. Kf2 Df6, noch mit 49. Kf3 Dh1+ decken läßt, gab Weiß auf.