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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1020 vom 16.04.1999, Kategorie Kolumne

Staatsliga A - Nachlese 1998/99 Raffi Topakian - Aufsteiger der Saison

topakian.jpg (3455 Byte) Der 28jährige gebürtige Wiener, für Hohenems tätige Neo-Mediziner Dr. Raphael Topakian erzielte heuer mit 8 Punkten aus 11 Partien eine Elo-Leistung von 2540 Punkten. Wie bereits berichtet sicherte ihm dies seine 1. IM-Norm, wozu wir ebenso gratulieren wie zu seiner im Vormonat erfolgten Promovierung!

Weiß: IM G. Schroll (2400)

Schwarz: FM Topakian,R (2335)

[A21] Englisch, Anm. FM Dr. R. Topakian

1. c4 e5 2. Sc3 Lb4 3. g3. Die Theorie hält 3. Sd5 für stärker.

3. ... Lxc3 4. dxc3. Stellungsgerechter war 4. ... bxc3, mit der Absicht, das Läuferpaar zu nutzen und die Bauernmasse im Zentrum beweglich zu halten.

4. ... d6 5. Lg2 Se7. Der f-Bauer wird natürlich nicht verstellt. Eine Alternative ist 5. ... f5 nebst ... Sf6.

6. Sf3 Sbc6 7. e4 0–0 8. 0–0 h6 9. Se1 Le6 10. b3 Dd7 11. Sc2 Lh3 12. Se3. Um nach etwaigem ... f5 kein Damenschach auf d5 zuzulassen. Jetzt würde auf 13. Dd3 Tae8 nebst ... Kh8 und ... f5 folgen. Auf 12. ... Kh8 wäre dagegen 13. Dh5 unangenehm.

12. ... Kh7!? 13. Lxh3 Dxh3 14. Dg4. Die letzten Züge wurden von Weiß, der etwa eine Viertelstunde zu spät zur Partie kam, a tempo gespielt.

14. ... Dxg4 15. Sxg4 f5 16. exf5 Sxf5 17. f3. Sowohl gegen e5-e4 gerichtet als auch etwaiges Sg4-g3-e4 vorbereitend.

DIA9915.GIF (5232 Byte)

17. ... a6!. Nun wird klar, daß Schwarz die Initiative besitzt: Durch den Hebel ... b7-b5 werden weiße Schwächen am Damenflügel sichtbar.

18. Se3. Falls 18. a4, um ... b7-b5 zu unterbinden, folgt 18. ... Sa5!, was nach dem erzwungenen 19. Tb1 zu langanhaltender Schwächung des Damenflügels führt.

18. ... Sxe3 19. Lxe3 b5 20. c5?!. Richtig war 20. cxb5 axb5 21. a4 bxa4 22. Txa4 Txa4 23. bxa4 Ta8 24. Ta1 Kg6 mit nur wenig besserem Endspiel für Schwarz.

20. ... d5 21. f4?. Praktisch der Verlustzug. Der naheliegende Versucht, das schwarze Bauernzentrum zu knacken, wird taktisch widerlegt.

21. ... b4!. Nun wird alles klar: Der d-Bauer wird unter Preisgabe des b-Bauern freigekämpft. Die weißen Figuren sind in der Folge zur Passivität verurteilt.

22. Tad1 Tad8 23. cxb4 d4 24. Lc1 e4 25. Tfe1 Tfe8 26. a3 h5!. Droht Kh7-g6-f5. Um dies zu verhindern, ist Weiß gezwungen, seinen Königsflügel weiter zu schwächen.

27. h3 Kg6 28. g4 hxg4 29. hxg4 e3! 30. Kg2 Te4 31. Kf3. Durch den Angriff auf das schwache Bauernpaar f4, g4 wurde der weiße König vorgelockt; nun entscheidet der Hebel g7-g5

31. ... Tde8 32. Td3 Kf6 33. Lb2 g5 34. f5 Tf4+ 35. Kg3 e2 36. Td2 Te3+ 37. Kg2 Txg4+ 38. Kf2 Tf4+ 39. Kg2 Tg4+ 40. Kf2 Tf4+ 41. Kg2 Kxf5 42. Tdxe2 Tg4+ 43. Kf2 Txb3. Der einstige weiße Mehrbauer wird einkassiert. 44. Lc1 Tbg3! 45. Tf1 Se5 46. Ke1+ Sf3+ 47. Kd1 Tg1 48. Txg1. 48. Tef2 Txf1+ 49. Txf1 Ke4 gewinnt ebenfalls leicht.

48. ... Txg1+ und Weiß gab im 57. Zug auf.


Ungarn siegt beim Mitropa-Cup - Lehrgeld für Österreicher

Die favorisierte ungarische Equipe holte sich mit klarem Vorsprung auf die überraschend stark agierende Schweizer Auswahl und Co-Favorit Kroatien die 19. Auflage des Mitropa-Cups in Baden (Schweiz). Österreichs Auswahl, die sich durchwegs aus Nachwuchsspielern zusammensetzte, hatte gegen die starke Konkurrenz, die u.a. 17 GM's und 15 IM's aufbot, keine Chance.

Rg. Mannschaft + = - Pkte MP
1 Ungarn 6 2 1 24 14
2 Schweiz 6 2 1 22 14
3 Kroatien 5 3 1 22 13
4 Tscheschische Republik 4 4 1 20½ 12
5 Deutschland 4 1 4 18½ 9
6 Slowenien 3 2 4 18 8
7 Frankreich 3 1 5 17 7
8 Slowakei 2 3 4 16 7
9 Italien 2 2 5 14½ 6
10 Österreich 0 0 9 0

3. und finale GM-Norm für Ilia Balinov

2. IM-Norm für Markus Bawart

Unser Partienkommentator Ilia Balinov erfüllte in Budapest vorzeitig (nach 9 von 13 Runden) seine 3. GM-Norm und wird den begehrten Titel beim nächsten FIDE-Kongress zugesprochen erhalten.

Der Hietzinger FM Markus Bawart erzielte am selben Ort seine 2. IM-Norm.

ÖM Lothar Karrer