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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1186 vom 29.10.1999, Kategorie Kolumne

Auftakt zur Staatsliga A 1999/2000 in Melk

Erwartungsgemäß gestaltete sich der Auftakt der Staatsliga A 1999/2000 zu einer One-Team-Show des Abonnement-Meisters. Nach der Melker Monsterrunde, für die seitens des Veranstalters SV NÖ Melk-Wachau-Obmann Josef Hamberger optimale Bedingungen ermöglicht hatte - gespielt wurde in den altehrwürdigen Räumen des Stiftes -, schaffte sich der SK Merkur Versicherungen Graz für die Winterpause einen satten Polster von 7½ Punkten. Der weitere Verlauf der Meisterschaft geht wieder einmal nur noch darum, wer wird Zweiter und wer steigt ab. Beides ist noch völlig offen.

Hier finden Sie alle Ergebnisse im Detail und die Partien im PGN-Format.

Rg. Mannschaft + = - Pkte MP
1 SK Merkur 5 0 0 24 10
2 1. Wr Neustädter SV 3 1 1 16½ 7
3 SK Hietzing/Fischer 3 0 2 16½ 6
4 SK Fürstenfeld 4 0 1 16 8
5 SV NÖ Melk-Wachau 2 2 1 15½ 6
6 SK Hohenems 2 1 2 15½ 5
7 SK Ottakring 2 0 3 13½ 4
8 Raika Zell/Zillertal 0 3 2 13½ 3
9 SK Mozart 1910 0 2 3 13½ 2
10 ESV Austria Graz 2 1 2 13 5
11 Gleisdorf 0 3 2 12 3
12 SK Die Klagenfurter 0 1 4 10½ 1

David gegen Goliath

In der 5. Runden-Begegnung des veranstalteten SV NÖ Melk-Wachau gegen Merkur-Graz kam es auf Brett 2, betrachtet man den Unterschied von über 200 Elopunkten zwischen den beiden Meistern, zu einer Neuauflage des ewigen Duells David gegen Goliath ...

 Weiß: IM O. Lehner (AUT/2401)

Schwarz: GM A. Tschernin (HUN/2606)

Pirc-Verteidigung [B07]

Anm. GM I. Balinov, IM O.Lehner

1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Le3 c6 5. Dd2. Als Alternative zum Textzug kommt 5. f3 in Betracht, z.B.

A) 5. ... Db6 6. Dc1 (6. b3 Lg7 7. Dd2 Da5 8. Sge2 0–0 9. 0–0–0 b5 10. Kb1 mit Ausgleich, Judasin-Gufeld, UdSSR 1985) 6. ... Lg7 7. g4 (7. Sge2 h5 8. Sf4 Dc7 9. Dd2 Sbd7 10. 0–0–0 b5 11. Kb1 Lb7 12. Df2 b4 13. Sce2 c5 14. dxc5 dxc5 15. Dg3 0–0–0, mit unklaren Verwicklungen, Judasin-Swidler, Haifa 1995) 7. ... 0–0 8. Sge2 Sa6 9. h4 Lxg4!? 10. fxg4 Sxg4 11. Lh3 Sxe3 12. Dxe3 Dxb2 13. Tb1 Da3 14. Txb7 c5 15. Tb3 Da5, Adamson-Gufeld, USA 1997, und nun hätte Weiß nach Nunn mit 16. Tb5 Da3 17. Tb3 Remis durch Zugwiederholung anstreben sollen.

B) 5. ... Sbd7 6. g4! und nun:

B1) 6. ... b5 7. h4 (Unklar ist 7. g5 Sh5 8. a4 b4 9. Sce2 e5 10. Dd2 Lg7 11. 0–0–0 0–0 Kr. Georgiew-Smirin, Burgas 1993) 7. ... Lb7 8. h5 Tg8 9. Dd2 Dc7 10. Sh3 a6 11. 0–0–0 e6 (11. ... 0–0–0? Verbietet sich wegen 12. Sg5) 12. hxg6 hxg6 13. Sg5 Le7 14. Kb1 Tf8 15. Sh7 Sxh7 16. Txh7 mit etwas besserem Spiel für Weiß, Topalow-Beljawski, Linares 1995.

B2) 6. ... Db6 7. Dc1! (mit der Option, je nach schwarzer Antwort, mit 8. D5, 8. H4 oder 8. E5!? fortzufahren.) 7. ... Lg7 (Auf 7. ... Dc7 folgt 8. Dd2 nebst g5 und/oder 0–0–0, mit gutem Spiel für Weiß.) 8. Sge2 a6 An dieser Stelle neu. (Nach 8. ... c5 9. Dxc5 dxc5 sieht Judasin Weiß in Vorteil.) 9. h4! c5 10. h5! Tg8 (Nach 10. ... gxh5? 11. G5 muß der Rappe nach g8 zurückweichen.) 11. A3! mit Vorteil für Weiß, Judasin-Tschernin, Pamplona 1991.

5. ... b5 6. Ld3 Sbd7. Nach 6. ... Lg7 7. Lh6 Lxh6 8. Dxh6 e5 9. Dxe5 dxe5 10. Sf3 Sbd7 11. 0–0 a6 12. a4 Tb8 13. axb5 axb5 14. h3 Sg8 15. Dd2 Sgf6 16. Dh6 Sg8 17. Dd2 Sgf6 sah sich der Nachziehende in Arachamja-Grant - Tschernin, Wien 1996, genötigt, mit 18. Dh6 ins Remis durch Zugwiederholung einzulenken.

7. Sf3 e5 8. 0–0. In Betracht kam auch 8. Dxe5!? Dxe5 9. H3 mit etwas besserem Spiel für Weiß. 8. ... a6 9. dxe5 dxe5 10. a4 Tb8. Hier oder in den beiden nächsten Zügen verdiente 10. ... b4!? mit Ausgleich, den Vorzug, während Lehner als Konsequenz von 8. ... a6, 10. ... Lb7 vorschlägt.

11. Tfd1 Le7?! 12. axb5 axb5 13. h3 0–0. Auch nach 13. ... Dc7 14. Ta7 Tb7 15. Ta8 0–0 16. Tda1 b4 17. Se2 hat Weiß das bequemere Spiel.

14. Se2 Dc7 15. Sg3!? Te8?!. Wie sich später zeigt, eine Tempoverlust. Geboten war 15. ... Td8!, oder 15. ... c5!?.

16. Dc3 Ld6?!. Etwas besser, doch ebenfalls vorteilhaft für Weiß war 16. ... b4!? 17. Db3 (Keinen Vorteil verspricht 17. Dd2 Td8 18. Ta7 Lb7) 17. ... Sc5 18. Lxc5 Lxc5 19. Lc4, oder 16. ... c5!?.

17. Le2 Lb7. Abermals verdiente 17. ... c5 den Vorzug.

18. Td2. Gut war auch 18. Ta7 Tec8 (18. ... Ta8? Verbietet sich wegen 19. Txb7) 19. B4 Td8 (Jedoch nicht 19. ... c5? wegen 20. Lxb5 Db6 21. Lxd7 und Weiß gewinnt.) 20. Db3 Sb6 21. Lg5. 18. ... Tbc8?!. Besser, wenn auch ebenfalls vorteilhaft für Weiß war 18. ... b4 19. Db3 Sc5 20. Dc4 Se6 21. Ta7.

19. Tad1!?. Beachtung verdiente auch 19. Ta7!?.

19. ... Lf8 20. b4 Kg7?!.

Mit dem Textzug verschlechtert Schwarz seine Königsstellung bedenklich. Allerdings wäre das weiße Spiel auch nach dem besseren 20. ... Ted8 21. Lg5 Le7 22. Lh6 klar vorzuziehen gewesen.

21. Sh4! Sb8. 21. ... h6? scheiterte an 22. Lg4 Ted8 23. Lxd7 Sxd7 24. Td3 und Weiß gewinnt. 22. Lg5 h6?. Es verliert auch, wie Lehner darauf hinweist, 22. ... Le7 wegen 23. Shf5+! gxf5 24. Sxf5+ Kh8 25. Sxe7 Sxe4 (Oder 25. ... Dxe7 26. Df3 Sbd7 27. Txd7) 26. Df3 Txe7 27. Dxe4 Te6 28. Dh4 Kg7 29. Lg4, aber auch nach 22. ... Te6 ist Schwarz, wie die beiden folgenden Varianten zeigen, verloren:
A) 23. Shf5+ Kh8 24. Sh6 c5 25. Df3 Lxh6 26. Lxh6 cxb4 27. Lxb5 Db6 (27.... De7 28. Lg5 La6 29. La4 Lb7 30. Lb3) 28. Lc4 Tec6 (28. ... Txc4 29.Dxf6+) 29. Lxf7 Dc7.
B) 23. Lh6+ 23. ... Kg8 24. Lxf8 Kxf8 25. Sf3 Sbd7 26. De3 Kg8 27. Dh6
Ta8 28. Sg5 Te7 29. Td6 Lc8 30. Lg4.

Dieser letzte Fehler gestattet den nachfolgenden hübschen Überfall!.

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23. Shf5+!! gxf5. Ebenso verliert 23. ... Kh7 24. Lxf6 gxf5 25. Sxf5.

24. Lxf6+ Kxf6. Auch mit 24. ... Kg6 25. Exf5+ Kh7 (Oder 25. ... Kxf6 26. Sh5+ Kxf5 27. Df3+ Kg6 28. Dg4+ Kh7 29. Sf6+ Kh8 30. Dg8 matt) 26. Db3 war die Niederlage des früheren Jugendweltmeisters nicht mehr abzuwenden.

25. Sh5+ Ke7. 25. ... Kg6 führt nach 26. Dg3+ zu Matt in zwei Zügen.

26. exf5 Sd7 27. Txd7+ Dxd7 28. Dxe5+ und Schwarz strich die Segel.

ÖM Lothar Karrer