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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1320 vom 07.01.2000, Kategorie Kolumne

Aschach: Tschechischer Doppelsieg - Herwig Pilaj bester Österreicher

Weder der topgesetzte Staatsmeister Niki Stanec, der wenigstens Rang 4 belegte, noch der einzige teilnehmende GM Ilia Balinov (Rang 22) konnten bei der 8. Auflage des Raiffeisen Donau Open Aschach, 26.12-30.12.99, den Sieg an sich reißen. Die beiden ersten Plätze gingen an die beiden tschechischenen IM's Radek Kalod und Robert Cvek. Bestplacierter Österreicher wurde der Kärnter Herwig Pilaj, der die nachfolgende Partie beisteuerte. 

Rg Tit Name ELO FED Pkte Wtg.
1 IM R.Kalod 2440 CZE 6 26,0
2 IM R.Cvek 2444 CZE 21,0
3 MK H.Pilaj 2243 AUT 5 23,0
4 IM N.Stanec 2495 AUT 5 22,5
5 IM I.Almasi 2435 HUN 5 22,0
6 IM A.Kiss 2312 HUN 5 22,0
7 IM J.Jurek 2332 CZE 5 21,0
8 IM S.Gross 2371 CZE 5 21,0
9 MK C.Karner 2221 AUT 5 20,5
10 IM S.Videki 2443 AUT 5 19,0

66 Teilnehmer

Alle Ergebnisse finden Sie unter http://www.schach.at/news/aschach99/00swz1_donau99.htm
und Partien zum Nachspielen online: http://www.schach.at/news/aschach99/partie.htm

Eine Partie des bestplacierten Österreichers

Weiß: H. Pilaj (2243)

Schwarz: I. Balinov (2456)

Holländisch [A87]

Anm. H. Pilaj

1. Sf3 f5 2. g3 Sf6 3. Lg2 d6 4. d4 g6 5. b3 Lg7 6. Lb2 0–0 7. c4 De8 8. Dc2 Sc6. 8. ... h6 9. 0–0 g5 10. e3 geschah in Hölzl-Danner, Mösern 1997.

9. d5 Sb4!?. Versucht wurde auch 9. ... Sd8 10. 0–0 e5 11. dxe6 Sxe6 mit gleichem Spiel, Hausrath-Van Beers, Belgien 1997.

10. Dc3! Hier steht die Dame zwar unsicher, anderseit aber auch aktiv. Die Alternative 10. Dc1 e5 11. dxe6 Dxe6 hätte Schwarz das etwas bessere Spiel überlassen.

10. ... c5. 10. ... Sa6!? mit dem Plan, den Springer über c5 nach e4 zu überführen, war auch eine vernünftige Idee, z.B. 11. b4 c6 12. dxc6 bxc6 mit unklaren Verwicklungen. Weniger gut war 10. ... Sh5?! 11. Dd2, da der Tausch der schwarzfeldrigen Läufer gut für Weiß gewesen wäre.

11. 0–0 h6 Schwarz greift am Königsflügel an. Eine Attacke auf der Damenseite kann Weiß leicht abwehren: 11. ... b5 12. a3 Sa6 13. Sbd2 bxc4 14. bxc4 Tb8 15. Tab1, mit etwas besserem Spiel für Weiß.

12. a3 Sa6 13. Sbd2 g5. Sofort 13. ... Tf7 ist genauer.

14. e4 Tf7!?. Nun ist der Läufer g7 gedeckt, aber der Turm steht ungünstig auf f7. Nach der Partie wurde von Balinov 14. ... Dg6!? 15. Tfe1! f4 mit Gegenspiel vorgeschlagen.

15. e5!?. Ein sehr scharfer Zug, der zu großen Verwicklungen führt.

15. ... Sd7!. 15. ... Sg4?! 16. Tae1 Sxe5 17. Sxe5 Lxe5 18. Txe5! dxe5 19. Dxe5 überließe Weiß hervorragende Kompensation für die Qualität.

16. De3 f4?!. Kritisch war 16. ... g4! 17. e6! gxf3! (17. ... Lxb2?! 18. exf7+ Dxf7 19. Sh4 Lxa1 20. Txa1 überließe Weiß die etwas besseren Chancen.)

und nun

A) 18. exf7+! 18. ... Dxf7 19. Lxg7 fxg2 20. Tfe1! mit nur geringfügig besserem Spiel für Weiß. Günstig für Schwarz war hingegen:

B) Genauer als 18. Lxf3?! Lxb2 19. Lh5 Se5 20. Ta2 (Jedoch nicht 20. f4? Df8 21. fxe5 Tg7! und Schwarz hat entscheidenden Vorteil.) 20. ... Ld4 21. exf7+ Sxf7 22. Lxf7+ Dxf7 23. Dxh6 mit etwas besserem Spiel für Schwarz.

17. gxf4 gxf4 18. De4. Zu beachten war 18. De2!?.

18. ... Sxe5 19. Sxe5 dxe5 20. Lxe5 Lf5.

 Diagramm (6352 Byte)

21. Dxf4?!. Opfert unnötigerweise die Qualität. Nach dem einfachen 21. De2 steht Weiß besser.

21. ... Dd7?. Schwarz revanchiert sich. Geboten war 21. ... Ld3 22. Dg3 Lxf1 23. Sxf1 Kh8 24. f4 mit ausreichender Kompensation für die geopferte Qualität.

22. Lxg7 Txg7 23. Kh1 Tf8 24. Dxh6. Entscheidend! Weiß hat zwei Mehrbauern, und sein König steht sicherer als sein Gegenüber.

24. ... Th7 25. De3 Tf6 26. Tg1 Kf8 27. Le4 Tfh6 28. Tg2 Dd6 29. Dg3 erzwingt den Damentausch.

29. ... Dxg3 30. fxg3 Tf7 31. Lxf5 Txf5 32. Tf1 Txf1+ 33. Sxf1 Sc7 34. Tf2+ Kg7 35. Se3 Tb6 36. Sf5+ Kf6 37. Tf3 Ke5 38. Sxe7 Ke4 39. Kg2 Se8 40. Kf2 Sd6 41. Te3+ Kd4 42. Kf3 und Schwarz gab auf. Er hat keinen sinnvollen Zug mehr, da auf Springerzüge Sf5 matt folgt.


Match Chalifman-Leko in Budapest

Nach einem Remis in der 1. Partie entschied der Budapester Jungmeister die folgende 2. Partie gegen den FIDE-Weltmeister zu seinen Gunsten. Das vom 3. bis 9. Jänner gespielte Match ist auf 6 Partien angesetzt.

P. Leko, (2701) - A. Chalifman (2628) [B42]

Budapest, 2. Matchpartie

1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 a6 5. Ld3 Sc6 6. Sxc6 dxc6 7. Sd2 e5 8. Sc4 Sf6 9. 0–0 Dc7 10. Ld2 Lg4 11. De1 b5 12. Se3 Lc5 13. Sxg4 Sxg4 14. De2 Sf6 15. b4 Lb6 16. c4 Ld4 17. Tac1 Dd6 18. Lc2 0–0 19. Lb3 Tfd8 20. Tc2 Td7 21. Tfc1 Tc7 22. g3 h6 23. Kg2 Tac8 24. a4 De6 25. axb5 axb5 26. Dd3 bxc4 27. Txc4 Dd7 28. Le3 Lxe3 29. Dxe3 De7 30. La4 Tb8 31. Dc3 Tcb7 32. Tb1 c5 33. Txc5 Sxe4 34. Tc8+ Kh7 35. Lc2 f5 36. Df3 Txc8 37. Dxf5+ g6 38. Dxc8 Sf6 39. Dc3 Tb6 40. Dc5 Dxc5 41. bxc5 Txb1 42. Lxb1 Kg7 43. Kf3 Kf7 44. c6 Se8 45. Ke3 Sf6 46. Le4 Se8 47. Kd3 Sc7 48. Kc4 g5 49. Lf5 h5 50. Kc5 Ke7 51. f3 h4 52. Ld7 1–0

ÖM Lothar Karrer