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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1322 vom 14.01.2000, Kategorie Kolumne

Waterloo für Chalifman und Iljumschinow

Nachdem sich Weltmeister Alexander Khalifman bereits beim Europacup für Vereinsmannschaften in Belgrad nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte, gestaltete sich seine erste Bewährungsprobe im Match gegen den ungarischen Top-GM Peter Leko sowohl für ihn als auch für den für den lächerlichen WM-Austragungsmodus verantwortlichen FIDE-Präsidenten Kirsan N. Iljumschinow zu einem Waterloo.

Mit der verheerrenden 1½-4½ Niederlage des Weltmeisters gegen den jungen aufstrebenden ungarischen GM Peter Leko machte dieser deutlich, daß es sich mit dem WM-Sieg des russischen GM Alexander Chalifman um ein Zufallsergebnis handelte.

Sieg mit leichter Hand

Obwohl das Ergebnis etwas zu hoch ausfiel, zeigt die nachstehende Partie mit welcher Leichtigkeit der junge Ungar, der bereits mit 11 Jahren in der heimischen Staatsliga A für den ATSV Ranshofen am Werke gewesen war, seine Weißsiege einfuhr, währende er mit Schwarz ausnahmslos remisierte.

Weiß: GM P. Leko (HUN/2701)

Schwarz: GM A. Chalifman (RUS/2628)

Französisch [C11]

4. Matchpartie

Anm. GM I. Balinov

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 dxe4 5. Sxe4 Le7 6. Lxf6 Lxf6 7. Sf3
0–0 8. Lc4.
Möglich ist auch 8. Dd2, z.B.: 8. ... Sd7 9. 0–0–0 b6 10. Lc4 c6 11. De3 Dc7 12. Sxf6+ Sxf6 13. Se5 a5 14. c3 a4 15. a3 Ta5 16. La2 c5 17. The1 Lb7 18. f4, und nun hätte Schwarz in der Partie Kindermann-Drejew, Nußloch 1996, nach Meinung des Anziehenden mit 18. ... Ld5 und etwas besserem Spiel für Weiß fortfahren sollen, oder 8. c3.

8. ... Sc6. Eine brauchbare Alternative zum Textzug ist 8. ... b6.

9. c3. Nur Ausgleich ergibt 9. Sxf6+ Dxf6 10. 0–0 e5 11. dxe5 Sxe5 12. Sxe5 Dxe5.

9. ... e5 10. d5 Sb8 11. De2!?. Versucht wurde auch 11. 0–0 Lg4 12. h3 Lxf3 13. Dxf3 Le7 14. Lb5 a6 15. La4 Sd7 16. Tad1 Ld6 17. b4 Sf6 18. Sxf6+ Dxf6 19. Dxf6 gxf6, mit, wenn überhaupt, nur geringfügig besserem Spiel für Weiß, Iwantschuk-Ehlwest, Reggio Emilia 1990.

11. ... Lf5 12. 0–0–0. Keinen Vorteil verspricht 12. Sxf6+ Dxf6 13. Dxe5 (Völlig gleiches Spiel ergibt auch 13. Sxe5 Te8 14. f4 Sd7 15. 0–0 Sxe5 16. fxe5 Txe5 17. Df2 Db6) 13. ... Dxe5+ 14. Sxe5 Te8 15. f4 Sd7 16. 0–0–0 Sxe5 17. fxe5 Txe5 18. The1 Txe1 19. Txe1 Kf8.

12. ... Sd7 13. Sg3 Lg6.

2000_02.GIF (5413 Byte)

14. Ld3!. Mit der Absicht, durch mehrfachen Tausch von Leichtfiguren ein Endspiel "Guter Springer gegen schlechten Läufer" (Der Aktionsradius des schwarzfeldrigen Läufers wird durch den Be5 eingeschränkt!) herbeizuführen.

14. ... Lxd3 15. Dxd3 Sc5 16. De3 b6 17. h4 Te8 18. Se4. Weiß blockiert konsequenter Weise den Bauer "e5".

18. ... Sxe4 19. Dxe4 g6 20. g4 Lg7 21. h5. Mit seiner Attacke am Königsflügel beginnt Weiß seinen Vorteil zu verdichten.

21. ... Df6 22. hxg6 hxg6. Auf 22. ... Dxg6 fährt Weiß mit 23. The1 b5 24. Kc2 nebst Sf3-h4 und etwas besseren Chancen fort.

23. Sd2. Zu beachten war auch 23. g5!?.

23. ... c6. 23. ... Dxf2?? verbietet sich wegen 24. Tdf1 Dc5 25. Df3 De7 26. Se4 Tad8 27. g5 Txd5 28. Sf6+ Lxf6 29. gxf6 und Weiß gewinnt.

24. dxc6 Tac8 25. f3 Txc6 26. De2 De6 27. Kb1 e4?!. Angesichts der Dominanz des weißen Springers über den schwarzen Läufer entschließt sich der Weltmeister zwecks Aktivierung seines Läufers einen Bauern zu investieren.

28. Dxe4 Dc8 29. Dd3 Td8. Etwas bessere, wenn auch auf Dauer ebenfalls unzureichende Verteidigungschancen bot 29. ... b5!?.

30. De2 Te6 31. Se4 Txd1+ 32. Dxd1 Dc6. 32. ... b5 wäre nun wegen 33. Dd5 De8 34. Td1 a5 35. Dg5 und Weiß gewinnt, ein Stoß ins Leere gewesen.

33. Dd3. Nachdem Weiß die kurzatmige schwarze Initiative zum Erliegen gebracht hat, besitzt er klaren Vorteil.

33. ... a5 34. Td1 Le5 35. De3 Dc7 36. Td5 Lg7 37. Dd3 Te8 38. Td7 De5 39. a4!. Fixiert den Damenflügel.

39. ... Tf8 40. Dd5 Df4. Kaum besser war auch 40. ... Dxd5 41. Txd5 f5 42. gxf5 gxf5 43. Sd6 f4 44. Se4.

41. Sd6. Entscheidend!

41. ... Le5 42. Sc4!. Natürlich. Nach 42. Sxf7 Txf7 43. Txf7 Dxf7 44. Dxe5 Dxf3 45. De6+ Kg7 hätte Weiß noch einige technische Schwierigkeiten zu bewältigen.

42. ... Lc7 43. Dc6 Ld8 44. Tb7 Kg7 45. Sxb6 Lxb6 46. Txb6 Td8 47. Ta6 Dd2 48. De4 Td5. Oder 48. ... Tb8 49. Dc2 (Mit 49. De5+?? Kh7 50. Dxb8 Dd1+ 51. Ka2 Dxa4+ 52. Kb1 Dd1+ und Schwarz entschlüpft ins Remis, ließe sich Weiß noch die Butter vom Brot nehmen.) 49. ... De1+ 50. Ka2 Df1 51. Txa5 Dxf3 52. Dh2 Te8 53. g5 und Weiß gewinnt.

49. Ta7 g5 50. Ka2 Tc5 51. Dd4+ Dxd4 52. cxd4 Td5 53. Kb3. Und Schwarz streckte wegen 53. ... Txd4 54. Txa5 Td3+ 55. Kc4 Txf3 56. Txg5+ Kf8 57. Td5 und Weiß gewinnt mühelos, die Waffen.

ÖM Lothar Karrer