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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1328 vom 28.01.2000, Kategorie Kolumne

Interessantes theoretisches Duell

In dem folgenden theoretisch interessanten Duell gingen dem Tiroler Markus Wach in einer relativ bekannten Stellung frühzeitig die Theoriekenntnisse aus, worauf der Wiener Neustädter, auch wenn er nicht immer die stärkste Fortsetzung erwischte, die Partie relativ trocken nach Hause spielte.

Weiß: IM G. Schroll (2435)

Schwarz: IM M. Wach (2397)

Slawisch [D45]

Anm.: GM I. Balinov

1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 e6 5. e3 Sbd7 6. Dc2 Ld6 7. b3 0–0 8. Le2 e5 9. cxd5 cxd5 10. Sb5 Lb4+ 11. Ld2 Lxd2+ 12. Sxd2. Ehrgeiziger als 12. Dxd2 Se4 13. Db2 a6 14. Sa3 exd4 15. exd4 Da5+ 16. b4 Db6 17. 0–0 Sdf6 und Weiß mußte sich in Olafsson-Stefansson, Politiken-Cup 1998, mit völlig gleichem Spiel zufrieden geben.

12. ... a6. Versucht wurde auch 12. ... e4 13. 0–0 a6 14. Sc3 Sb6 15. a4 Le6 16. a5 Sc8 17. b4 Se7 18. Sb3 Sf5, Lputjan-Anastasjan, Protvino 1993, und nun hätte Weiß nach Ljputjan mit 19. b5 (In der Partie geschah 19. Tfb1 Sh4 20. Sc5 Sd7 21. Dd1 Dg5 22. g3 Sf6 mit unklaren Verwicklungen) 19. ... Sh4 20. bxa6 bxa6 21. Sc5 Dc8 22. Tfc1, mit etwas besserem Spiel für Weß fortfahren sollen.

13. dxe5. Eine bekannte Stellung.

13. ... axb5?. Schwarz verabsäumt es hier, bekannten Mustern zu folgen. So mußte sich z.B. Weiß in der Partie Ehlwest-Wojtkiewicz, New York (op) 1994, nach 13. ... Sxe5 14. Sd4 Lg4 15. Lxg4 Sfxg4 16. 0–0 Te8 17. Df5 g6 18. Df4 Tc8 19. Tad1 Sf6 20. h3 Kg7 mit geringem Vorteil begnügen.

14. exf6 Dxf6. Zu erwägen war auch 14. ... Sxf6!?.

15. 0–0 b4 16. Sf3 Ta5 17. Sd4 Db6.

Diagramm (7,5 kb)

18. Db2. Stärker war 18. Tac1! Da7 (18. ... Tc5 19. Dd2) 19. Sf5.

18. ... Sf6?!. Nach 18. ... Se5 19. Tac1 Ld7 wäre Weiß nur geringfügig besser gestanden.

19. a3. Ernsthaft in Betracht kam 19. Tfc1!?.

19. ... bxa3 20. Txa3 Ld7?!. Hier sollte Schwarz mit 20. ... Txa3 21. Dxa3 Lg4 22. Ld3 Tc8 und etwas besseren Verteidigungschancen als in der Partie fortfahren.

21. Txa5 Dxa5 22. Ta1 Db6 23. Da3 Tc8 24. Tc1 Txc1+ 25. Dxc1 Db4 26. f3 h5. Zu erwägen war 26. ... b6!?.

27. Kf2 Da5. Nun hätte 27. ... b6?! 28. Dc7 Le8 29. Dd8 zu deutlichem weißen Übergewicht geführt.

28. Dc2 g6 29. Ld3 Kh7 30. Se2 Db4 31. Sf4 Le8 32. Db2 Db6?. Auch nach dem besseren 32. ... Dd6 33. Dd4 ist das weiße Spiel klar vorzuziehen.

33. De5. Weiß steht nun deutlich besser. 33. ...

Kg8 34. Sxd5 Sxd5 35. Dxe8+ Kg7 36. Lc4. Stark war auch 36. De5+ Sf6 37. Lc4.

36. ... Dd6 37. De4 Sc3?. Das geringere Übel, wenn auch ebenfalls gewinnträchtig für Weiß, war 37. ... Sb6 38. Dd4+ Df6 39. h4.

38. Dd4+. Statt in ein vorteilhaftes Leichtfigurenendspiel abzuwickeln, konnte Weiß mit 38. Dxb7 Dd2+ 39. Kg3 De1+ 40. Kh3 Dxe3 41. Dxf7+ Kh6 42. Df8+ Kg5 43. g3 die Partie rasch zu seinen Gunsten entscheiden.

38. ... Dxd4 39. exd4 b5 40. Ld3 Kf6 41. Ke3 h4. Eine Spur besser, jedoch ebenfalls klar vorteilhaft für Weiß war. 41. ... g5.

42. Le4 Ke6 43. Lc6 g5. Auch andere Fortsetzungen ändern nichts am Partieausgang, z.B. 43. ... b4 44. Kd3 (44. f4!?) 44. ... Kd6 45. La8 g5 46. Kc4 Se2 47. Lb7 f6 48. Lc8 Kc6 49. Lf5 Kd6 50. Le4 Ke6 51. Kc5 f5 52. Lc6 Sf4 53. g3 hxg3 54. hxg3 Se2 55. g4 f4 56. d5+ Ke5 57. d6 Ke6 58. Ld5+ Kd7 59. Le4 und Weiß gewinnt.

44. Kd3 b4 45. Kc4 Kd6. Nicht besser ist 45. ... Sa2 46. Kc5.

46. Le8 Ke7 47. Lb5 Kd6 48. Le8. Weniger genau ist 48. Kxb4 Sd5+.

48. ... f5. Klar vorteilhaft für Weiß war auch 48. ... Ke7 49. Lb5 Kd6 50. Kxb4.

49. Kxb4. Einfacher geschah 49. Lf7 Se2 50. Lg6 Ke6 51. Lh7 Sf4 52. g3 hxg3 53. hxg3 Se2 54. g4 fxg4 55. fxg4.

49. ... Sd5+ 50. Ka5 Se3 51. b4!. Klar besser als 51. g3 Sf1 52. gxh4 gxh4 und es ist fraglich, ob Weiß seinen nur noch geringen Vorteil verwerten kann.

51. ... Sxg2 52. b5. Entscheidend! 52. ... Se3. Besser, jedoch ebenfalls aussichtslos war 52. ... Kc7 53. b6+ Kb8 54. Kb5 Se1 55. Lc6 g4 56. fxg4 fxg4 57. d5.

53. Ka6. Ein böser Reinfall wäre hingegen 53. b6?? Sc4+ 54. Ka6 Sxb6 55. Kxb6 Kd5 und Weiß kann angesichts des falschen Eckbauern nicht gewinnen.

53. ... Sd5. Etwas hartnäckiger, doch ebenfalls aussichtlos war 53. ... Kc7 54. Ka7 Sd5 55. Lf7 Sb6 56. Le6.

54. Ka7 g4 55. fxg4 fxg4 56. Lh5 Sc7. Oder 56. ... g3 57. hxg3 hxg3 58. Lf3 und Weiß gewinnt mühelos..

57. b6 Sb5+ 58. Ka8 Sxd4 59. b7 Sc6 60. Le8 Sb8 61. Kxb8 g3 62. Kc8 und Schwarz gab auf.


Wijk aan Zee: Kasparow for Kramnik

Nach 9 von 13 zu spielenden Runden liegt bei der Nachfolge des Hochofenturniers erwartungsgemäß Garri Kasparow vor Kramnik in Führung.

Rg.  

Name

Elo FED Pkte SB
1 GM

G.Kasparow

2851 RUS 26.00
2 GM

W.Kramnik

2758 RUS 6 27.25
3 GM

P.Leko

2725 HUN 24.25
4 GM

V.Anand

2769 IND 23.75
5 GM

J.Piket

2633 NED 5 22.75
6 GM

M.Adams

2715 ENG 5 20.50
7 GM

A.Morosewitsch

2748 RUS 5 19.75
8 GM

P.Nikolic

2659 BIH 18.25
9 GM

J.Timman

2655 NED 4 17.25
10 GM

N.Short

2683 ENG 4 16.50
11 GM

S.Lputian

2605 ARM 12.75
12 GM

J.Polgar

2658 HUN 3 13.50
13 GM

V.Kortschnoi

2659 SUI 3 11.50
14 GM

L.Van Wely Loek

2646 NED 10.50

ÖM Lothar Karrer