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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1333 vom 11.02.2000, Kategorie Kolumne

Peter Leko - ein neuer Kronprinz

Wie wir kürzlich an dieser Stelle berichteten, etablierte sich der 20jährige nach seinem klaren 4½-1½-Erfolg über den umstrittenen Weltmeister Alexander Chalifman und seinem geteilten 2. Platz beim Super-GM-Turnier in Wijk-aan-Zee, bei dem er hinter Garri Kasparow die beste Eloperformance erreichte endgültig im Kreise der Kronprinzen. Hier seine Partie gegen den Bosnier Predrag Nikolic ... 

Weiß: GM P. Nikolic (BIH/2659)  

Schwarz: GM P. Leko (HUN/2725)

mit freundlicher Genehmigung von Corus

Grünfeldindisch [D73]

Anm.: GM I. Balinov

1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sf3 Lg7 4. g3 d5 5. Lg2 dxc4 6. Da4+ Sfd7. Versucht wurde auch 6. ... Sbd7 7. Sc3 0–0 8. Dxc4 Sb6 9. Dd3 Le6 10. 0–0 Dc8 11. Sg5 Lc4 12. Dc2 h6 13. Sge4 Sxe4 14. Dxe4 c6 15. b3 Le6 16. La3 Te8, Ljubojevic-Nikolic, Monte Carlo, rapid 1998, und nun hätte Schwarz mit 16. ... Sd5!? das etwas bessere Spiel erlangen können.

7. 0–0 Sc6 8. Dxc4 Sb6 9. Dc2 0–0. Nach 9. ... Sxd4!? 10. Sxd4 Dxd4 11. Dxc7 Dc4 12. Dxc4 Sxc4 verflacht das Spiel rasch, was natürlich nicht im Sinne des Nachziehenden ist.

10. Td1 Lg4. Ein neuer Zug. In der Partie Grabarczyk-Jansa, 2. Deutsche Bundesliga 1996, einigte man sich nach 10. ... Lf5 11. e4 Lg4 12. d5 Lxf3 13. Lxf3 Sd4 14. Dd3 e6 15. Sc3 exd5 16. exd5 Df6 17. Lg2 Tad8 18. Lf4 Se6 auf eine Punkteteilung.

11. e3 e5! 12. dxe5. Günstigt für Schwarz war hingegen 12. d5? Sxd5 13. Sc3 (Auf 13. Dc5 folgt unangenehm 13. ... Df6) 13. ... Sdb4 14. De4 Dc8.

12. ... Dc8 13. Te1 Td8!. Schwarz mobilisiert zuerst alle Kräfte, da der Bauer "e5" ohnedies nicht zu decken ist.

14. Sc3 Sc4!. Leko beabsichtigt, mit dem Springer auf "e5" nehmen, die dieser auf b6 nicht viel leistet.

15. Sd5 Txd5 16. Dxc4 Td8 17. Db3 Le6 18. Dc3 Lg4. So gewinnt man Zeit und klopft beim Gegner an, ob er mit Remis zufrieden wäre, ohne es direkt anzubieten.

19. Db3 Also doch kein Remis!

19. ... Tb8! 20. a3. Auch nach 20. e4 Lxf3 21. Lxf3 Sd4 22. Dd1 Sxf3+ 23. Dxf3 Lxe5 24. Lg5 Td6 25. Te2 Dh3 ist das schwarze Spiel etwas vorzuziehen.

20. ... Dd7! 21. Tb1 Sxe5. Das ehrgeizigere 21. ... Lxf3 22. Lxf3 Sxe5 23. Le2 (Klar vorteilhaft für Schwarz wäre 23. Lg2 c5 24. e4 c4 25. De3 Dd3 26. Ta1 Dxe3 27. Lxe3 Sd3) 23. ... Df5 24. e4 Dxe4 25. Lf4 c6 26. Tbc1 hätte Weiß etwas Gegenspiel eingeräumt.

22. Sxe5 Lxe5 23. e4 Le6 24. Dc2 Db5. Droht Le6-b3.

25. b4 Lc4 26. Lf1 Lxf1 27. Txf1 Dd3!. Von der Abwicklung ins Endspiel verspricht sich der junge Ungar am ehesten, seinen Vorteil realisieren zu können.

28. Dxd3 Txd3 29. b5. Bessere Verteidigungschancen bot die Abwicklung ins Doppelturmendspiel mittels 29. Lb2!? Lxb2 30. Txb2 c6 (Nach 30. ... Txa3 31. Td1 erhielte Weiß Gegenspiel.) 31. a4 Tbd8.

29. ... Te8. Zu beachten war 29. ... Tbd8!?.

30. Tb4 Td4. Spürbar besser für Schwarz war auch 30. ... Ted8 31. Ta4 Tb3 32. Txa7 Txb5.

31. Txd4. Gut für Schwarz war auch 31. Le3 Txb4 32. axb4 Ld6 33. Ta1 Txe4 34. Txa7 b6.

31. ... Lxd4 32. Te1 f5 33. Lf4.

Diagramm (6kb)

33. ... Txe4!. Entscheidend! Der Textzug ist genauer als 33. ... c5 34. bxc6 bxc6 35. e5 Kf7 wonach Weiß gegenüber der Partiefortsetzung zumindest bessere Verteidigungschancen besessen hätte.

34. Txe4 fxe4 35. Lxc7 Kf7. Der schwarze König wendet sich dem geschwächten weißen Damenflügel zu.

36. Kf1 Ke6 37. Ke2 Kd5 38. Lf4. Ebenso verliert 38. a4 Kc4 39. Ld6 Kb3 40. a5 Ka4.

38. ... Lc5 39. a4 Kc4 40. Le3 b6!. Einfacher als 40. ... Lxe3 41. Kxe3 Kb4 42. Kxe4 Kxa4 43. f4 Kxb5 44. Kd5 (Oder 44. g4 Kc6 45. Ke5 Kd7 46. Kf6 a5 mit leichtem Gewinn) 44. ... a5 45. g4 a4 46. f5 a3 47. f6 a2 48. f7 a1D 49. f8D Da2+ 50. Ke4 Dg2+ 51. Kd3 Dh3+ obwohl der Anziehende auch hier ohne Chance verblieben wäre.

41. Ld2 Kb3 42. a5 bxa5 43. Lxa5 Ka4 44. Ld2 Kxb5 45. f3 exf3+ 46. Kxf3 Lb4 47. Lc1 a5 48. Kg4 a4 49. Kg5 Kc4 50. Kh6 Kd3 und Weiß gab auf, da der a-Bauer nicht zu stoppen ist.

ÖM Lothar Karrer