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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1502 vom 08.09.2000, Kategorie Kolumne

Partiennachlese Schwarzach – Sarakauskas der Hecht im Karpfenteich

Der 23jähirge hierorts völlig unbekannte und noch titellose Litauer legte in Schwarzach, wo er lediglich in Runde 2 dem starken Israeli Dan Zoler unterlag, eine beachtliche Talentprobe ab ...

Weiß: IM G. Sarakauskas (2381)

Schwarz: GM H. Hecht (2434)

Französisch [C07]

Anm.GM I. Balinov & GM H. Hecht

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 c5 4. exd5 Dxd5 5. Sgf3 cxd4 6. Lc4 Dd6 7. 0–0 Sf6 8. Sb3 Sc6 9. Sbxd4 Sxd4 10. Sxd4 a6 11. c3. Eine häufig gespielte Alternative ist 11. Te1 Dc7 12. Lb3 Ld7 13. Df3 Ld6 (13. ... 0–0–0?! überlässt Weiß nach 14. Lf4 Ld6 15. Lxd6 Dxd6 16. Tad1 Dc7 einige Initiative.) und nun ist zwar

A) 14. Lxe6 fxe6 15. Sxe6 Lxe6 16. Txe6+ spektakulär, worauf sich 16. ... Le7? wegen 17. Lf4 Dc4 18. Txe7+! Kxe7 19. Dxb7+ Ke6 20. Te1+ Kf5 21. Te5+! Kxf4 22. Ta5!, und Weiß hat klaren Vorteil, verbietet, doch nach dem viel stärkeren 16. ... Kf7 17. Db3 Lxh2+ 18. Kh1 Kg6 19. Dd3+ Kf7 20. Db3 muss sich der Anziehende letzten Endes mit gleichem Spiel begnügen.

B) 14. h3 0–0–0 15. a4!? Kb8 16. Lg5 Thg8 17. Kh1!? (Vorteilhaft für Schwarz wäre 17. Lxf6?! wegen 17. ... gxf6 18. Dxf6 e5 19. Sf5 Tg6 20. Dxf7 Tf8) 17. ... h6 (Zu beachten war 17. ... e5!? 18. Sf5 e4 19. Txe4 Lc6 20. Lxf6 gxf6 21. Tae1, worauf es fraglich erscheint, ob Weiß für die Minusqualität ausreichende Kompensation erlangt.) 18. Lxf6 gxf6 19. Dxf6 Tg6 20. Dxf7 Tdg8 mit unklaren Verwicklungen. Interessant erscheint 11. a4!?.

11. ... Dc7 12. Lb3. In Adams-Rogers, Wijk aan Zee 1989, geschah statt dessen 12. Ld3 Ld7 13. Lg5 Ld6 14. h3 h6 15. Lh4! Sd5 16. Df3 (droht Sf5) f5 Sf4 17. Le4, mit etwas besserem Spiel für Weiß.

12. ... Ld7. Unklar ist 12. ... Ld6 13. h3 0–0, worauf sowohl:

A) 14. Te1 14. ... b5 15. Lg5 Lb7 16. Lc2 Sd5 17. Dh5 g6 18. Dh4 Adams-Gulko, Groningen 1993, als auch

B) 14. Lg5 Lf4 15. Lxf6 gxf6 16. Dg4+ Kh8 Nunn-Speelman, London 1984, zu unklaren Verwicklungen geführt hätte.

13. Lg5. 13. Df3 Ld6 14. h3 0–0–0 15. Lg5 Lh2+ 16. Kh1 Le5 17. Tfe1 h6 18. Lh4 Lf4 19. Lxf6 gxf6 20. Te4 Le5 21. Tae1 Kb8 22. Dh5 Lxd4 23. Txd4 Lc6 24. Txd8+ Dxd8 25. Dxf7 Dd2 26. Dxe6 Te8 27. Dxe8+ Lxe8 28. Txe8+ Ka7 29. Te7, und nun einigte man sich, obwohl hier eher Schwarz etwas besser steht, in Agnos-Akopjan, Ubeda (op) 1996 auf Remis.

13. ... Se4. Keinen vollen Ausgleich versprach sowohl:

A) 13. ... 0–0–0 14. Lxf6 gxf6 15. Dh5 Le8 16. Tad1 oder:

B) 13. ... Ld6, mit der Idee, 14. Lxf6 mit 14. ... gxf6 15. Dh5 Dc5! 16. Df3 De5 17. g3 0–0–0 18. Tfe1 Dg5 19. Lc4.

14. Lh4!. Nach 14. Le3 Sf6! steht Weiß nur wenig besser.

14. ... Df4. Auf 14. ... g5 ist 15. Dc2! stark!.

15. Sf3. Noch stärker war nach Glek 15. g3! Dh6 16. De2 (Weniger klar war 16. Te1 Sxf2! 17. Kxf2 g5) 16. ... Sd6, Iwantschuk-Glek, Frunze 1988, 17. De5!, denn nun hätte 17. ... f6? wegen 18. Sxe6 fxe5 19. Sc7 matt, geradewegs in den Orkus geführt.

Diagramm (6kb)

 

15. ... Lc6?!. Hier verpasst der in Diensten von Schwarzach stehende renommierte deutsche GM 15. ... Lc5!? mit Ausgleich.

16. Dd4 Tg8 17. La4 g5. Etwas besser war 17. ... Lxa4 18. Dxa4+ b5.

18. Lxc6+ bxc6 19. Tad1. Weiß steht nun deutlich besser.

19. ... Ld6 20. Tfe1 gxh4 21. Dxe4 Dxe4 22. Txe4 0–0–0 23. Kf1. Nachhaltiger war 23. Ted4 Lc7 24. Sxh4. 23. ... h3 24. g3. Kaltblütiger und stärker war 24. gxh3!?.

24. ... Le7 25. Txd8+ Txd8 26. Ke2. Subtil war 26. Se5 Td2 27. b4 a5 28. Sxc6 Lf6 29. a4.

26. ... Td5 27. Tg4. Abermals kam 27. Se5 in Betracht.

27. ... Tb5 28. b3 Ta5 29. a4 Tc5 30. c4 Tf5 31. Sd4 Te5+ 32. Kd3 Te1 33. Sxc6 Lc5 34. b4 Lxf2. Auch nach 34. ... Kc7 35. Sb8 Kxb8 36. bxc5 ist das weiße Spiel fraglos vorzuziehen.

35. Th4 Kc7 36. b5 Ta1 37. Txh3+- Txa4. Keineswegs besser war 37. ... Txa4 38. Txh7.

38. Txh7 Kb6 39. Txf7!. Der Rest ist Sache der Technik!

39. ... Lg1 40. Sd8 Ta3+ 41. Ke4 axb5 42. Tb7+ Kc5 43. cxb5 Te3+ 44. Kf4 e5+ 45. Kf5 Lxh2 46. Se6+ Kb4 47. g4 Te1 48. b6 e4 49. Te7 e3 50. b7 Tf1+ 51. Kg6.

Diagramm (6kb)

51. … e2??. Der Litauer konnte zuvor mehrfach aus eigener Kraft leicht gewinnen. Doch nun half auch ich kräftig mit (Hecht). 51...Kc4!, was sowohl Tb1 wie auch Kd3 ermöglicht, hätte die Partie und den zweiten Turnierplatz anstandslos gerettet. Den Zug hat Juro Ljubic sofort nach der Partie angegeben. Man sehe:

  1. 52.Sf4?! Lxf4 (52...Txf4 53.Tc7+ Kd3 54.b8D Txg4+ 55.Kh5 Lxc7 56.Db3++-) 53.Te4+ Kd3 54.Txf4 Tb1 55.Tf7 e2 56.Td7+ Ke3 57.Te7+ Kf3 58.Txe2 (58.Tf7+?? Kxg4 59.Te7 Tb6+ 60.Kf7 Txb7! 61.Txb7 e1D und Schwarz gewinnt noch) 58...Kxe2 59.g5 Kf3 60.Kf5 Tb5+ 61.Kf6 Kf4 62.g6 Tb6+ 63.Kf7 Txb7+ 64.Kf8 Kf5 65.g7 Kf6 66.g8S+! remis;
  2. 52.Sd8 Kd3 53.Th7 e2 54.Th3+ Kc4 55.Txh2 e1D 56.b8D De8+ 57.Kg5 De7+ 58.Kh5 Dh7+ 59.Kg5 De7+ remis;
  3. 52.Sc7 Tb1 53.Sa6 (53.Txe3 Lxc7 54.Te7 Txb7 55.Kh7 Kd5 56.g5 Kc6 57.g6 Le5 remis) 53...Tb6+ 54.Kf7 Txa6 55.Txe3 Tb6 56.Te7 Ld6 57.Td7 Kd5 58.g5 Kc6 59.g6 Le5 (59...Kxd7 60.g7 Tb1 61.g8D Tf1+ geht auch) 60.Te7 Txb7 remis

52. Sc7! Tf8 53. Sa6+ Kb5 54. Txe2 und der Absturz auf Platz 9 war perfekt.

ÖM Lothar Karrer