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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1527 vom 29.09.2000, Kategorie Kolumne

Karl Robatsch – Eine österreichische Schachlegende ist tot!

GM Karl Robatsch

Professor Karl Robatsch, geb. am 14. Oktober 1929, nach dem frühzeitigen Rückzug Josef Klingers aus der Schachszene Österreichs einziger Großmeister, verstarb am 19. September 2000 nach längerem schweren Leiden. Der gebürtige Kärntner kam 17-jährig als Student nach Graz. Schon bald zog es ihn ins Café Berghaus, die Heimat der Grazer Schachspieler. Nicht zuletzt aufgrund seines bereits damals erkennbaren Talents fand er bald einen Schachklub, den SK Gemeinde, wo er rasch Meisterstärke erlangte. Seinen schachlichen Höhepunkt hatte Robatsch Ende der 50er und Anfang der 60er-Jahre. So erzielte er bei der Schacholympiade Leipzig 1960 die Goldmedaille für die beste Leistung am Spitzenbrett, was ihm den GM-Titel einbrachte. Unter anderem knöpfte er dem damaligen Weltmeister Michael Tal in einer hart umkämpfen Partie ein Plusremis ab (siehe nachstehende Partie). Im selben Jahr wurde Robatsch in Prein a.d. Rax mit großem Vorsprung österreichischer Staatsmeister. Aber auch als Theoretiker machte sich der Kärntner, der an der Entwicklung der Pirc-Ufimzew- und Modernen Verteidigung regen Anteil nahm, einen Namen.

Neben Schach gehörte seine Liebe der Botanik, hier vor allem der Orchideenforschung. Für seine herausragende Forschungsarbeit auf diesem Gebiet wurde er vom Bundespräsidenten mit dem Titel "Professor" ausgezeichnet. Er wird in unserer Erinnerung fortleben!

Gertrude Wagner, Graz

Weiß: GM K. Robatsch

Schwarz: GM M. Tal

Sizilianisch [B86]

Leipzig (ol) 1960

Anm.: ÖM Lothar Karrer

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Lc4 e6 7. a3. Eine heute nur noch selten gespielte Fortsetzung.

7. ... Le7. 7. ... Sxe4!? 8. Sxe4 d5 9. Ld3 dxe4 10. Lxe4 Sd7 führt nach Beljawski und Michaltschischin zu völlig gleichem Spiel.

8. La2. Spielbar ist auch 8. 0–0 0–0 9. f4 d5. Keinen vollen Ausgleich bietet hingegen.

A) 9. ... Sxe4?! 10. Sxe4 d5 11. f5! exf5 (Ganz schlecht 11. ... dxc4 ? 12. f6 Lxf6 13. Sxf6+ gxf6 14. Lh6 und Weiß gewinnt; aber auch nach 11. ... dxe4 12. fxe6 ist der weiße Vorteil unübersehbar) 12. Lxd5 Dxd5 13. Sc3 Da5 (Besser war sofort 13. ... Dd8 ) 14. b4 Dd8 (14. ... Lxb4 verbot sich wegen 15. axb4 Dxa1 16. Df3 mit klarem Vorteil für Weiß) 15. Lb2 g6 16. Sd5! Dxd5 (Etwas günstiger für Weiß ist 16. ... Sc6 17. Sxc6 bxc6 18. Dd4 f6 19. Sxe7+ Dxe7 20. Tae1) 17. Sxf5 Dxf5 (17. ... Lc5+ verbietet sich wegen 18. Kh1 Td8 19. Sh6+ Kf8 20. Txf7+ Ke8 21. De2+ Le6 22. bxc5 mit entscheidendem Vorteil für Weiß.) 18. Txf5 gxf5? (Nach dem kaltblütigen 18. ... Lxf5! 19. Dd4 f6 20. g4 Lc8 21. Dc4+ Kh8 22. Te1 Ld8 hätte der Nachziehende den weißen Angriff siegreich abwehren können.), Westerinen-Tatai, Malaga 1967, worauf der Anziehende mit 19. De1! und entscheidendem Vorteil hätte fortfahren sollen. In der Partie geschah jedoch schwächer 19. g4?, doch Weiß gewann mit Unterstützung seines Gegners dennoch.

Im Ausgleichssinne in Betracht kam jedoch:

B) 9. ... b5 10. La2 Lb7 11. De2 Sbd7 12. e5 Se8 (Den Vorzug verdiente 12. ... dxe5!? ) 13. Kh1 (Zu beachten war 13. Td1!? ) 13. ... Dc7 und nun nicht:

B1) 14. exd6?! Lxd6 15. Se4 Lxe4 16. Dxe4 Sef6, Ciric-Bertok, YUG-ch, Laibach 1960, mit späterem Remisschluss, doch ist diese Partie, wegen der zahlreichen Ungenauigkeiten keineswegs aussagekräftig, sondern wesentlich stärker:

B2) 14. f5 Sxe5 (Keineswegs besser war 14. ... d5 15. Lf4 Db6 16. Tad1 Kh8 17. Le3 Dc7 18. fxe6) 15. fxe6 f6 16. Sd5 Lxd5 17. Lxd5 mit erdrückendem Vorteil für Weiß.

10. exd5 exd5 11. La2 Sc6 mit, nach Polugajewski, völlig gleichem Spiel.

8. ... 0–0 9. 0–0 b5 10. f4 Sbd7 11. Tf3 Lb7 12. Th3 Tc8. 12. ... Sxe4? verbot sich 13. Sxe6 fxe6 14. Lxe6+ Tf7 (Auf 14. ... Kh8 folgt 15. Txh7+ nebst 16. Dxh5 matt.) 15. Dh5 und Weiß gewinnt, doch kam als mögliche Verbesserung 12. ... Te8!? in Betracht.

13. Le3 Dc7. Erneut verbot sich 13. ... Sxe4 wegen 14. Sxe6 fxe6 15. Lxe6+ Tf7 (15. ... Kh8 16. Txh7+ Kxh7 17. Dh5 matt) 16. Dh5 und Weiß gewinnt. Eine gute Alternative bestand jedoch in 13. ... Txc3! 14. bxc3 Lxe4.

14. Sxe6 Weiß muss sofort losschlagen, will er den Angriff festhalten, denn zu Vorbereitungszügen, wie etwa 14. Df3 oder 14. Tg3 bleibt keine Zeit, da Schwarz hierauf mit ... Sc5 den Punkt "e6" überdeckt und zugleich "e4" angreift.

14. ... fxe6 15. Lxe6+ Kh8 16. Ld4 Ld8. Eine kritische Stellung.

Diagramm (6kb)

17. De2. Sofort 17. Lf5? verbietet sich wegen 17. ... Dc4 (Unergiebig war hingegen 17. ... h6 18. g4!? Sg8 19. g5 Txf5! 20. exf5 Dc6 21. Df1) 18. e5 dxe5 19. fxe5 Lb6 20. Lxb6 Dc6 21. De2 Dxb6+ 22. Kh1 Tfe8 23. Txh7+ Sxh7 24. Lxd7 Txc3 25. Lxe8 Te3 und Schwarz gewinnt. Stark war jedoch die Einschaltung von 17. g4! Sc5 und dann 18. Lf5, z.B.: 18. ... Lxe4 19. Sxe4 Scxe4 20. g5! und Weiß hat entscheidenden Angriff !

17. ... Dc6 18. Kh1 Lb6. Schwarz entschließt sich Material zurückzugeben, um den gefährlichen Angriff abzuwehren. Besser geschah jedoch wahrscheinlich 18. ... Tc7!?.

19. Lxd7! Dxd7. Natürlich nicht 19. ... Sxd7?? wegen 20. Dh5! und Weiß gewinnt.

20. Lxb6 Tc4. Klar vorteilhaft für Weiß war 20. ... Tce8 21. Te3 Sg4 22. Td3 Txf4 23. Tad1. Erneut eine kritische Stellung. 

Diagramm (6kb)

21. b3?!. Nicht das beste. Wie es scheint, konnte der Anziehende mit 21. Te3 Dc6 22. La5 Sxe4 23. Tf1 Te8 24. Dd3 den nachfolgenden Gegenangriff mit Vorteil hintanstellen.

21. ... Dxh3! 22. gxh3 Txc3 23. Kg1 Lxe4. Für die Dame hat der Rigaer Zauberer nun einiges Gegenspiel.

24. Tc1. 24. Ld4 verbot sich selbstredend wegen 24. ... Txc2.

24. ... Txh3. In Betracht kam auch 24. ... Tfc8!?.

25. Lf2. Keineswegs besser war 25. Ld4 d5 26. Le5 Th6.

25. ... d5 26. Lg3. Zu gleichem Spiel führte auch 26. c4 Txb3 27. cxd5 Lxd5 28. Dd2.

26. ... Sh5 27. De3 g5!?. Erfolgsversprechend für Schwarz war 27. ... Sxg3 28. hxg3 (Unergiebig war hingegen 28. ... Th1+ 29. Kf2 d4! 30. Dxe4 Txc1 31. Ke2 Td8 – nicht besser ist 31. ... h6 32. a4 - 32. Kd2 Tg1 33. Df3) 28. ... h5! 29. Kf1 (Oder 29. Kf2 h4 30. Db6 hxg3+ 31. Ke2 g2 32. Dc5 Kg8 33. Tg1 Th1 34. De3 g5 35. Db6 Txg1 36. Dxg1 gxf4) 29. ... Te8 30. f5 h4 31. Ke1 Txg3 32. Df4 Lxf5+ und Schwarz gewinnt.

28. Dd4+ Kg8 29. Te1 Sxg3. Vorteilhaft für Weiß war 29. ... Sxf4?!, nicht aber

A) 30. Lxf4?! gxf4 (30. ... Txf4?? verliert wegen 31. Txe4!) 31. Db6 Tf7 32. Db8+ Kg7 33. c4 Kh6 mit klar besserem Spiel für Schwarz, sondern

B) 30. Db6 30. ... Th5 31. Lxf4. Schlecht wäre

B1) 31. ... Txf4? wegen 32. h3! Tf3 33. Te3 Txe3 (Günstig für Weiß wäre 33. ... Thxh3 34. Txf3 Txf3 35. Dxa6) 34. Dxe3 Th6 35. c4 Kf7 36. Da7+ Ke8 37. Db8+ und Weiß gewinnt, sondern:

B2) 31. ... gxf4 32. Dxa6.

30. Txe4 dxe4?!. Geboten war 30. ... Sxe4 31. Dxd5+ Tf7 32. Dxe4 Th4 33. Da8+ Kg7 34. Dxa6 Tg4+ 35. Kf1 Tgxf4+ 36. Ke1 Tf1+ 37. Ke2 T1f2+ und Schwarz hat mühelosen Ausgleich.

31. Dd5+ Tf7 32. Dd8+ . Nach dem stärkeren 32. Dxg5+ Kf8 33. Kg2 Th5 34. Dd8+ Kg7 35. hxg3 hat Weiß gute Gewinnchancen.

32. ... Kg7 33. Dxg5+ Kh8 34. Dd8+?. Dies verdirbt noch nichts, doch verdiente 34. Kg2 Th5 35. Dd8+ Kg7 36. hxg3 mit erdrückendem Vorteil für Weiß, den Vorzug.

34. ... Kg7 35. Kg2?. Und hier bot sich nochmals die Gelegenheit, eine Gewinnstellung, wie im Kommentar zum 32. Zug angeführt, herbeizuführen!

35. ... Th6 36. hxg3 Te6 37. Dg5+ Kf8 38. f5 Te8 39. f6. Im Bestreben, gegen den Weltmeister den halben Punkt einzusacken, lässt sich der Anziehende mit 39. Dh6+ Kg8 40. Dc6 Tef8 41. g4 Tg7 42. De6+ Tff7 (42. ... Kh8 führt wegen 43. Kh3 zum Verlust.) 43. De8+ Tf8 44. De6+ Tff7 45. Kh3 h5 46. gxh5 Tg5 47. Dxe4 Tfxf5 48. De8+ Kg7 49. Kh4 mehr zu erreichen, entgehen.

39. ... e3 40. Dc5+ Kg8 41. Dc6 Tef8 42. De6 Kh8 43. Dxe3 Txf6 44. Dd4 h6 45. a4 bxa4 46. Dxa4. Etwas ehrgeiziger war 46. bxa4.

46. ... Tg6 47. Dd4+ Tff6. Remis


Personalia

Am 2. bzw. 3. Oktober feiern der frühere Präsident und Ehrenpräsident des Wiener Schachverbandes und Vorsitzende des Wiener Landtages a.D., Prof. Leopold Wiesinger bzw. FM Franz Stoppel, 5-facher Wiener Stadtmeister, runde Geburtstage, sie werden 80 bzw. 70. Wir gratulieren herzlichst!