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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 166 vom 10.01.1997, Kategorie Kolumne

Kasparow, der wahre Champion (10. Jänner 1997)

Las Palmas: FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow geteilter Letzter

PCA-Weltmeister Garri Kasparow entschied in Las Palmas, das über eine lange Schachtradition verfügt, im bislang stärkstbesetzten Schachturnier aller Zeiten die Frage, wer nun der wahre Champion wäre, diese klar zu seinen Gunsten. Während der PCA-Weltmeister das Turnier mit einem ganzen Punkt Vorsprung auf den nunmehr Zweiten der FIDE-Wertungsliste, den Inder Viswanathan Anand, für sich entscheiden konnte, konnte sein großer Gegenspieler, FIDE-Weltmeister Anatoli Karpow keine einzige Partie gewinnen und mußte sich schlußendlich mit dem für ihn blamablen geteilten letzten Platz zufriedengeben

In Anbetracht des bevorstehenden WM-Turniers, über das FIDE-Präsident Kirschan Iljumschinow während einer Pressekonferenz in Las Palmas berichtete - weitere Details sollen bis spätestens 10 Jänner folgen - gilt der PCA-Weltmeister für dieses Ereignis, an dem 100 Spieler teilnehmen und die beiden großen K's, die ein Freilos für das Semifinale erhalten sollen als großer Favorit.

Las Palmas (ESP), XII 1996 FIDE-Kat. XXI (2757)
Rgvb Name Titel NAT ELO 1 2 3 4 5 6 Total EP
1 G.Kasparow GM RUS 2785 ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ 1 2877
2 V.Anand GM IND 2735 ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 ½ ½ 1 2801
3 W.Kramnik GM RUS 2765 ½ ½ ½ 1 ½ 0 0 1 ½ ½ 5 2752
4 W.Topalow GM BUL 2750 0 ½ ½½ ½ 1 0 1 ½ ½ 5 2718
5 W.Iwantschuk GM UKR 2730 ½ 0 0 ½ 1 0 1 0 ½ ½ 4 2720
6 A.Karpow GM RUS 2775 ½ 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 4 2671

EP = Elo-Performance (Elo-Leistung)

Das Weltmeisterstück

Der Kampf um die WM-Krone stellt sowohl für die beiden Beteiligten als auch die zahlreichen Fans auf beiden Seiten eine unendliche Geschichte dar, obwohl das letzte Aufeinandertreffen zwischen den beiden Weltmeistern, das anläßlich des Super-GM-Turniers in Li-nares 1994 erfolgte, schon fast drei Jahre zurückliegt. Zuvor hatte Kasparow - ebenfalls in Linares - als Nachziehender in einer Glanzpartie ein weiteres Mal seinen großen Rivalen besiegt.

Weiß: GM G. Kasparow

Schwarz: GM A. Karpow

Damenindisch [E32]

1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. Dc2 0-0 5. a3 Lxc3+ 6. Dxc3 b6 7. Lg5 Lb7 8. e3 d6 9. f3 Sbd7 10. Sh3 c5 11. dxc5 bxc5 12. Le2 Db6 13. 0-0 d5 14. Tad1 Lc6 15. Sf2 h6 16. Lh4 La4 17. Td2 Lb3 18. Sg4 Sxg4 19. fxg4 Tab8 20. g5 hxg5 21. Lxg5 Tb7 22. Le7 Te8 23. Lh4 Sf8 24. Lg3 Td8 25. Lh4 Tdd7 26. cxd5 Txd5 27. e4 Txd2 28. Dxd2 La4 29. Lh5 Le8 30. Lf2 Db5 31. Dd8 Lc6 32. Lg3 Td7 33. De8 Dxf1+ 34. Kxf1 Td1+ 35. Lxd1 Lxe8 36. Lf2 Lb5+ 37. Le2 Lxe2+ 38. Kxe2 Sd7 39. Kd3 a6 40. Lg1 f5 41. exf5 exf5 42. Kc4 Se5+ 43. Kxc5 Sd3+ 44. Kb6.


Schwarz gibt auf.

Verrückt oder genial?

So ähnlich drückte sich der geniale Inder im Interview anschließend an die Post-mortem-Analyse über das nachstehende Qualitätsopfer im 14. Zug aus - der Zug wird jedenfalls Eingang in die Eröffnungstheorie finden!

Weiß: GM V. Anand

Schwarz: GM W. Iwantschuk

Spanisch [C78]

3. Runde

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Lc5 6. Sxe5 Sxe5 7. d4 Sxe4 8. Te1. Möglich ist auch 8. De2.

8. ... Le7 9. Txe4 Sg6 10. c4 0-0 11. Sc3 d6 12. Sd5. Versucht wurde auch 12. Dh5 c6 13. Lc2 f5 14. Te1 Lf6 15. Se2 Sh4 16. Sf4 Lxd4 17. g3 Sg6 18. Sxg6 hxg6 19. Dxg6 Df6 20. Dxf6 Lxf6 21. Lf4 Lxb2 22. Tad1 Lc3 23. Te3 Lb4 24. Lxd6 Lxd6 25. Txd6 f4 26. Te5 fxg3 27. hxg3 Lg4 28. Tg5 Le2 29. Lb3 Tad8 30. c5+ Kh7 31. Lc2+ Kg8 32. Lb3+ Kh7 33. Te5 Txd6 34. cxd6 Lg4 35. Lc2+ Kh6 36. Te7 Td8 37. Txb7 Txd6 38. Le4 Le6 39. a3 Ld5 remis, Ulibin-Fernandez Garcia, Saragossa (op/7) 1994.

12. ... Lh4. Diese Stellung stand in Las Palmas bereits 3 Jahre zuvor in der Partie Smirin-Izeta am Brett. Es folgte dort weiter: 13. g3 c6 14. Sf4 Sxf4 15. Lxf4 Lf6 16. Te1 Lg5 17. Dd2 Lxf4 18. Dxf4 Le6 19. Lb3 Dd7 20. Te3 Tae8 21. Tae1 f6 22. h4 h6 23. Kh2 Kh8 24. Lc2 Lf7 25. Lf5 Dd8 26. Le6 Lxe6 27. Txe6 Txe6 28. Txe6 d5 29. b3 Te8 30. cxd5 cxd5 31. De3 Txe6 32. Dxe6 Kh7 33. Kg2 a5 34. a4 b6 35. h5 Kh8 36. Kf3 Kh7 37. Kg4 Kh8 38. Kf5 Kh7 39. g4 Da8 40. Dd7 Da6 41. Dxd5 De2 42. De4 Dxf2+ 43. Ke6+ Kg8 44. Da8+ 1-0.

13. Dh5! c6.


14. Txh4!!. In der Post-mortem-Analyse meinte Anand, daß er zum Zeitpunkt des Qualitätsopfers nicht gewußt hätte, ob es brillant oder aber ein Blunder wäre. Jedenfalls hätte er, wie er meinte, ohne zu opfern, auf keinen Vorteil hoffen dürfen.

14. ... Dxh4. Auf 14. ... Sxh4 beab-sichtigte Anand mit 15. Lg5 fortzufahren: Jetzt wäre

A) 15. ... Da5 schlecht wegen 16. Lc2 (16. Se7+ Kh8 17. Dxh4 Dxa4 18. Lf6!) 16. ... Sg6 17. b4 Da3 18. Lc1! und die schwarze Dame sitzt in der Falle. Schwarz muß daher mit

B) 15. ... f6 16. Lxh4 cxd5 17. Dxd5+ Kh8 18. Lg3 und etwas besserem Spiel für Weiß fortfahren.

15. Dxh4 Sxh4 16. Sb6! Tb8?!. Ebensowenig zu gefallen vermag 16. ... Ta7, z.B. 17. Lf4 Sf5 18. d5 f6 19. c5 cxd5 20. cxd6 (drohend d6-d7) 20. ... Sd4 21. Le3 und Weiß hat Vorteil. Das geringere Übel bestand vermutlich in der augenblicklichen Rückgabe der Qualität mittels 16. ... Le6 17. D5 cxd5 18. cxd5 Lf5 oder auch sofort 16. ... Lf5.

17. Lf4 Sf5. Jedoch nicht 17. ... Td8? wegen 18. Lg5.

18. d5 Te8?!. Einleitung zu einem verfehlen Plan. Geboten war indessen 18. ... cxd5 oder 18. ... Td8.

19. Kf1. Prophylaxe gegen ein späteres ...Se2+ und nicht 19. g4 wegen Te4.

19. ... h6? 20. h3. Schafft dem Läufer ein Rückzugsfeld auf h2 und bereitet gleichzeitig g2-g4 vor.

20. ... Te4 21. Lh2 cxd5 22. g4! Dies ist klar besser als 22. Sxc8 b5! (22. ... Txc8 23. Ld7) 23. Lc2 Txc8 24. Lxe4 dxe4. 22. ... Txc4 Sc4 23. dxc4 24. Te1!. Nicht aber 24. gxf5 Lxf5 25. Lxd6 Td8 nebst ... Lxh3+.

24. ... Le6. Auch nach der Rückgabe der Qualität mittels 24. ... Sd4 25. Lxd6 Ta8 26. Te8+ Kh7 27. Ld7 ist das weiße Spiel klar vorzuziehen.

25. gxf5 Lxf5 26. Lxd6 Lxh3+ 27. Kg1. Weiß besitzt eine Figur gegen 3 Bauern, besitzt das Läuferpaar und schickt sich an zwecks Realisierung seines Vorteils, die Türme zu tauschen.

27. ... Td8 28. Te8+ Txe8 29. Lxe8 Le6 30. a4 g5 31. a5 Kg7 32. La4 Kg6 33. Ld1 Ld5. Vereitelt 34. Lf3.

34. Lc2+ Kf6?. Besser war 34. ... f5 nebst ... h5.

35. Lc7 Ke6 36. Lh7 Lf3 37. Kh2 Kd5 38. Lc2 Le4 39. Ld1 Kd4 40. Le2 Ld3 41. Lb6+ Kd5 42. Ld1 f5 Ein untauglicher Versuch, das Eindringen des weißen Königs zu verhindern.

43. Kg3 Ke5?! 44. Lc5! Kf6 45. Lh5! f4+ 46. Kh2 und Schwarz gab auf.


Groningen: Timman zieht davon

In einem FIDE-Kat. 16 Turnier erwischte der hollänidsche Vorkämpfer mit vier Punkten aus vier Partien einen blendenden Start ...

Weiß: GM J. Timman

Schwarz: GM V. Akopjan [C42]

Spanisch

1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4 5. d4 d5 6. Ld3 Ld6 7. 0-0 0-0 8. Te1 Lf5 9. c4 c6 10. Sc3 Sxc3 11. bxc3 Lxd3 12. Dxd3 dxc4 13. Dxc4 Sd7 14. Db3 Dc7 15. c4 Tfe8 16. Lb2 h6 17. g3 Db6 18. Dc2 Da5 19. Lc3 Dh5 20. Sh4 b5 21. Df5 Dxf5 22. Sxf5 Lf8 23. d5 bxc4 24. dxc6 Sb6 25. Txe8 Txe8 26. Td1 Tc8 27. Lxg7 Lxg7 28. Se7+ Kh7 29. Sxc8 Sxc8 30. Kf1 Le5 31. f4 Ld6 32. Td4 c3 33. Tc4 Kg6 34. Txc3 Kf6 35. Ke2 Ke6 36. Te3+ Kd5 37. Te8 Sb6 38. c7 Lxc7 39. Te7 Ld6 40. Txf7 a6 41. Th7. Schwarz gibt auf.