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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1796 vom 19.01.2001, Kategorie Kolumne

Die Crème de la Crème in Wijk aan Zee:

Veranstalter "Corus" ist es gelungen, beim Nachfolgeturnier des traditionellen "Hoogovens"-Schaaktornoi die weltbesten Schachgroßmeister, unter Ihnen der Weltranglistenerste GM Garri Kasparow, FIDE-Weltmeister Visnawathan Anand und BG-Weltmeister Wladimir Kramnik sowie dessen Finalgegner GM Alexei Schirow an den Start zu bringen.

GM Kasparow (8kb) GM Anand (8kb) GM Kramnik (8kb)

GM Kasparow

GM Anand

GM Kramnik

Nach 4 Runden liegen Kasparow, Kramnik (beide RUS) und Schirow (ESP) mit 3 Punkten, gefolgt von Adams (ENG), Timman (NED), Anand (IND) und Morosewitsch (RUS) mit je 2½ Punkten an der Spitze.

Die Rundentabelle und alle bisherigen Partien finden Sie in unserer Rubrik"Welt"

Morozewitsch im Stile Tals

Bild: Alexander Morosewitsch

Es folgt eine Partie des aufstrebenden 23jährigen russischen GM Alexander Morosewitsch, dessen Stil ganz an den jungen Tal erinnert

Weiß: GM L. Van Wely (NED/2700)

Schwarz: GM A. Morosewitsch (RUS(2745)

Damengambit [D16]

Anm.:GM I. Balinov

1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 dxc4 5. a4 c5!?. Statt der Standardfortsetzung 5. ... Lf5 zaubert Morosewitsch eine alte, bislang vergessene Fortsetzung aus der Mottenkiste. Der junge Moskwiter ist eben stets für eine Überraschungen gut.

6. d5. Diese Stellung, allerdings mit dem weißen Bauern auf "a2", ist uns aus dem "Angenommenen Damengambit" bestens bekannt. Die Gretchenfrage lautet: Ist der Zug a2-a4 hier von Vorteil oder nicht?.

Bekannt sind zwei Partien mit der Fortsetzung 6. e4 cxd4 7. Dxd4 Dxd4 8. Sxd4 e6 9. Sdb5 Sa6 und nun :

A) 10. Le3 Ld7 11. Lxc4 Tc8 12. Le2 Sb4 13. Tc1 a6 14. Sa3 Lc5, Flohr-Smyslov, Moskau 1945, sowie:

B) 10. Lxc4 Lc5 11. Lf4 Ke7 12. 0–0 Ld7 13. e5 Sh5 14. Le3, Boleslawski-Smyslow, Budapest (ct) 1950.

6. ... Lf5. Aktiver als 6. ... e6 7. e4 exd5 8. e5 Sfd7 9. Lg5 Le7 10. Lxe7 Dxe7 11. Sxd5 Dd8 12. Lxc4 Sc6 13. 0–0 0–0 14. Te1.

7. e3. Weniger wirkungsvoll wäre hier 7. Se5 da dem Anziehenden hier im Gegensatz zum "Angenommenen Damengambit" das Schach auf a4 nicht zur Verfügung steht.

7. ... e6 8. Lxc4 exd5 9. Sxd5 Sc6. Eher günstig für Weiß wäre 9. ... Le4 10. Sc3 Dxd1+ 11. Kxd1.

10. Db3 Dd7. Keinen vollen Ausgleich bietet 10. ... Sxd5 11. Lxd5 De7 12. Db5 (Nach dem schwächeren 12. 0–0?! ergreift Schwarz mit 12. ... Sb4 13. Lc4 0–0–0 die Initiative.) 12. ... Tc8 13. 0–0.

11. Sxf6+ gxf6 12. Ld2. Letal wäre 12. 0–0? wegen 12. ... Sa5 13. Dc3 Sxc4 14. Dxc4 Ld3 und Schwarz gewinnt..

12. ... Tg8 13. Lc3 0–0–0. Klar vorteilhaft für Weiß wäre 13. ... Txg2 14. Sh4 Tg5 15. Lxf6.

14. Lxf7. Nach 14. Lxf6 erhält Schwarz mit 14. ... Le7!. Vorteilhaft für Weiß wäre sowohl

A) 14. ... Sb4 15. Lxd8 Sc2+ 16. Ke2 Sxa1 17. Txa1 Dxd8 18. Kf1, als auch

B) 14. ... Sa5 15. Dc3 Sxc4 16. Lxd8.

15. Lxe7 Dxd7 ausreichende Initiative für den geopferten Bauern.

14. ... Txg2 15. Sh4. Auf 15. Lxf6?? folgt 15. ... Sb4! 16. Lxd8 Sd3+, worauf die weiße Stellung wie ein Kartenhaus zusammen bricht.

Diagramm (6kb) 

15. ... Se5! 16. Sxf5. Auch andere Züge sind nicht besser, z.B.:

I) 16. Lc4 Tg4 17. Sxf5 und nun:

A) 17. ... Sxc4 18. Dc2. Rasch verliert 18. f3 Dxf5 19. fxg4 De4 20. 0–0 Dxg4+ 21. Kh1 De4+ 22. Kg1 Lh6.

A1) 18. ... Se5 19. Lxe5 fxe5 20. Sg3 Dd3 21. Dxd3 Txd3 22. Ke2 Tb3 23. Ta2 Tgb4 24. Tb1 e4.

Vorteilhaft für Schwarz ist auch

B) 17. Lxe5 Txh4. Nur gleiches Spiel versprich

B1) 17. ... Dd2+ 18. Kf1 Txh4 19. Le6+ Lxe6 20. Dxe6+ Td7 21. De8+ Td8 22. De6+.

18. Lc3. 18. Lxf6?? verbietet sich wegen 18. ... Dd2+ 19. Kf1 Lh3+ 20. Kg1 Tg4 matt.

18. ... Dc6 19. Tf1 Txh2.

II) 16. Lxe5 Dd2+ 17. Kf1 Dxf2 matt

III) 16. Sxg2 Sf3+ 17. Ke2 Ld3+ und nun führt:

A) 18. Kd1 Lc4+ 19. Kc1 Lxb3 20. Lxb3 Dc6 zu entscheidendem Vorteil für Schwarz, während Weiß nach

B) 18. Kxf3 Dh3+ 19. Kf4 Lh6 matt gesetzt wird

16. ... Sd3+. Zu beachten war auch 16. ... Sxf7.

17. Kf1. Mit 17. Ke2 Txf2+ 18. Kd1 Kb8! 19. Le6 Dc6 käme der Anziehende vom Regen in die Traufe..

17. ... Txf2+ 18. Kg1 Kb8! 19. De6?. Härteren Widerstand leistete

I) 19. e4 c4 20. Lxc4. Ebenso verliert 20. Dxc4 Lc5 21. Ld4 Lxd4 22. Dxd4 Dxd4 23. Sxd4 Txd4

20. ... Lc5.

II) 19. Sg3!? Lh6 20. Te1 mit raschem Gewinn nach

A) 20. ...Tf3 21. Kg2 Sxe1+ 22. Txe1 Txe3 23. Txe3 Lxe3. Jedoch nicht

B) 20. ... Dh3 21. Ld5 Td7 22. Le4 Tg7 23. Le5+ Sxe5 (Eine Spur besser ist, jedoch ebenfalls zum Verlust führt 23. ... fxe5 24. Dxd3 Tf8 25. Dd6+) 24. Kxf2 und Weiß gewinnt.

III) 19. Le6 Dc6 20. Sh4 De4 und Schwarz gewinnt rasch.

19. ... Txf5 20. h4. Zu 20. Dxd7 hat Weiß wegen 20. ... Txd7 21. Le6 Tg7 matt keine Zeit.

20. ... Ld6!. Noch um eine Spur stärker als 20. ... Se5 21. Dxd7 Txd7 22. Lxe5+ Txe5 23. Lc4 Lh6.

21. Tf1. Was sonst? Ebenso verliert 21. De4 Tf2.

21. ... Tg8+! und Weiß streckte wegen 22. Lxg8 Dg7 matt, die Waffen.

ÖM Lothar Karrer