Wiener Zeitungs Schachergebnisserver - Kolumne
Schach Homepage Swiss-Manager Homepage Österreichischer Schachbund Homepage Wiener Zeitung Homepage CMS-Version 10.06.2017 12:15, Logged on: Gast Suche Impressum Sitemap Login Logoff Kontakt
 Home   Österreich   Welt   Kolumne   Meisterschaft   Turnier-DB   Archiv   Turnierkalender   Links   Datenpflege 

Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1806 vom 02.02.2001, Kategorie Kolumne

Kasparow in gewohnter Stärke

Garri Kasparow heisst der neue "alte" Sieger bei dem Super-Turnier in Wijk aan Zee. Nachdem er in der neunten Runde Alexei Schirow einholte und in der elften Jan Timman bezwang, genügte ihm in der letzten Runde mit den weißen Steinen ein Remis gegen den Briten Michael Adams für den ersten Platz. Hauptkonkurrent Alexei Schirow verlor noch gegen Wassili Iwantschuk und Wladimir Kramnik und verspielte damit seine Chancen auf eine Spitzenplatzierung.

Den Kampf um den zweiten Platz entschied der neue Weltmeister der FIDE, Visnawathan Anand, mit einem Sieg über Loek Van Wely für sich (siehe untenstehende Partie). BG-Weltmeister, Wladimir Kramnik, remisierte gegen Jeroen Piket und teilte sich den dritten Platz mit Wassili Iwantschuk. Weit entfernt von seiner früheren Form ist der frisch verheiratete Peter Leko.

Eine angenehme Überraschung war der Debütant aus Weißrussland, Alexei Fedorow, der mit der internationalen Elite gut mithalten konnte. Am meisten sind dagegen trotz "Heimvorteils" die holländische Schachfans enttäuscht worden: Ihre vier Vertreter (Sergei Tiwiakow ist schon eingebürgert) belegten nur die letzten vier Plätze.

Der Endstand nach 13 Runden lautet: 1. G. Kasparow 9 Punkte, 2. V. Anand 8,5 Punkte, 3-4. W. Iwantschuk, W. Kramnik je 8 Punkte, 5-7. A. Schirow, M. Adams, A. Morosewitsch je 7,5, 8. P. Leko 6,5, 9. W. Topalow 5,5, 10-11. A. Fedorow, L. Van Wely 5, 12-13. J. Piket, S. Tiviakov 4,5, 14. J. Timman 4 Punkte.

Die Rundentabelle und alle Partien finden Sie in unserer Rubrik"Welt"

Weiß: Visnawathan Anand (2769)

Schwarz: Loek Van Wely (2641)

[B90]

Anm.: I. Balinov

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6 6. Le3 e5.

In der elften Runde versuchte Schirow gegen Iwantschuk 6. ... Sg4 zu rehabilitieren, aber ohne Erfolg: 7. Lg5 h6 8. Lh4 g5 9. Lg3 Lg7 10. h3 Sf6 11. Lc4 Db6 12. 0-0 Sxe4 13. Sxe4 Dxd4 14. Sxd6+ exd6 15. De2+ Le6 16. Lxe6 0-0 mit großem Vorteil für Weiß.

7. Sb3 Le6 8. Dd2 Le7 9. f3 0-0 10. 0-0-0 Dc7. Die Alternative lautet 10. ... b5 11. g4 (11. Kb1!? Sbd7 12. g4 Sb6 13. g5 Sfd7 14. h4 Dc7 15. h5 b4 16. Sd5 mit kompliziertem Spiel, Grischuk-Vaulin Tschigorin mem. 1999.) 11. ... b4 12. Sd5 (12. Sa4 d5 13. Lc5 d4 14. Dxb4 Sc6 15. Lxe7 De8 16. Da3 Sxe7 17. Sbc5 und Schwarz hat keine ausreichende Kompensation für den Bauer. Kasparow-Ricardi, Buenos Aires simultant 1997.) 12. ... Lxd5 13. exd5 a5 14. Sc5 Sbd7 15. Sa4 Se8 16. h4 Tb8 17. g5 g6 18. h5 Sg7 19. Ld3 Sxh5 20. Tdg1 f5 21. gxf6 Sdxf6 22. Lg5 mit Angriff, Kobalija-Bruzon Capablanca mem. 2000.

11. g4 Tc8 12. Kb1 Sbd7 13. Df2!? Die Idee des Zuges ist, Sd7-b6 zu vermeiden. Zum Beispiel: 13. g5 Sh5 14. Tg1 Sb6 15. Df2 Ld8 16. h4 g6 17. Td2 Dc6 18. f4 exf4 19. Lxf4 Sxf4 20. Dxf4 De8 mit dynamischem Gleichgewicht, Topalow-Kasparow, Leon "man plus Comp." 1998.

13. ... b5 14. g5 Sh5 15. h4 b4 15. ... Tab8?! 16. Lh3 Sf4 (16. ... Sb6? 17. Lxb6 Txb6 18. Sd5 Lxd5 19. Lxc8 Lxb3 20. cxb3 Weiß hat die Qualität mehr.) 17. Lxf4 exf4 18. Sd5 Lxd5 19. Txd5. Weiß steht klar besser. 15. ... Sf4!? verdient Aufmerksamkeit.

16. Sd5 Lxd5 17. Txd5 a5 18. Lh3! a4 19. Sc1 Tcb8 Schwarz befreit den Springer von der Fesselung.

20. Lg4 Sf4 21. Lxf4 exf4 22. Lxd7! Richtige Entscheidung. Der Springer hat enormes Potenzial auf e5 oder c5. 22. ... Dxd7 23. Dd2 Tb5 23. ... b3 24. cxb3 axb3 25. Sxb3 Da4 (25. ... Txa2 26. Kxa2 Da4+ 27. Kb1 Dxb3 28. Td3 Db6 29. Tc1+-; 25. ... Txb3 26. axb3 Da7 27. Tc1 Da2+ 28. Kc2 Tc8+ 29. Kd3 Txc1 30. Dxc1 Dxb3+ 31. Ke2+-) 26. Ta5 Txa5 27. Dxa5+

24. Se2 24. Dxf4!? Und wenn 24. ... b3 25. cxb3 axb3 26. Sxb3 Txb3 27. axb3 Da7 28. Tc1 Da2+ 29. Kc2 Tc8+ 30. Kd1 Dxb3+ 31. Ke1 Txc1+ (31. ... Ta8 32. Td2+-) 32. Dxc1 Dxf3 33. Dc8+ Lf8 34. De8+-] 24. ... Tc8 [24. ... b3 25. cxb3 axb3 26. a3 Tc8 27. Sc3 und Weiß steht klar besser.

25. Sxf4 b3 26. cxb3 axb3 27. a3 Tc2 28. Dd3 Tb8 29. Td4 Lf8 30. Sd5 Anand steht schon positionell auf Gewinn.

30. ... Tf2 Der Turm sollte auf die zweite Reihe stark sein, aber isoliert von den anderen schwarzen Figuren wirkt er eher "verlassen".

31. De3 Tg2 32. Td2 Tg3

32. ... Txd2 33. Dxd2 Tc8 34. Db4 und b-Bauer geht verloren.

33. Df2 Th3 34. Thd1

Diagramm (6kb)

Die schwarze Stellung ist völlig hoffnungslos. Es droht e4-e5, manchmal Td2-d3 und Sd5-b4, nachdem Weiß den b-Bauer gewinnt. Offensichtlich wollte sich Van Wely den Beweis ersparen und gab deshalb vielleicht bisschen verfrüht auf. 1-0.

ÖM Lothar Karrer