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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 184 vom 07.02.1997, Kategorie Kolumne

Beljawski verstärkt Merkur Graz (7. Februar 1997)

Staatsliga A - Partiennachlese:

In der am 25./26. Jänner in Traun ausgetragenen Doppelrunde setzte Titelverteidiger Merkur Versicherungen Graz erstmals den in Österreich nicht zuletzt wegen seiner bei heimischen Turnieren errungenen Siege, u.a. in Baden bei Wien 1981 und beim Wiener IBM-Turnier 1986, populären früheren ukrainischen Weltklasse-GM Alexander Beljawski ein, der in Finish zur erfolgreichen Titelverteidigung beitragen soll.

Weiß: IM R. Rabiega

Schwarz: GM A. Beljawski

Skaninavisch (B01)

Anm. I. Balinov

1. e4 e5 2. exd5 Dxd5 3. Sc3 Da5 4. d4 Sf6 5. Sf3 c6. Zur Zeit wieder hoch in Mode.

6. Se5 Le6. Schlecht ist bekanntlich 6. ... Lf5? Wegen 7. Lf4 e6 8. g4 Lg6 9. h4.

7. Sc4 Lxc4 8. Lxc4 e6 9. 0-0 Le7 10. Dd3. Weiß steht etwas freier.

9. ... Sbd7 11. Se4 Td8 12. Lf4 0-0 13. c3 Sh5!?. Nicht 13. ...c5 wegen 14. Sd6, aber auch 13. ... e5 14. Lg3 exd4 15. Dxd4 gibt Weiß das etwas freiere Spiel.

14. Ld6. Auf 14. Le3 folgt stark 14. ... c5!.

14. ... Lxd6 15. Sxd6 Dg5!?. Bequemen Ausgleich versprach 15. ... Dc7 16. Se4 Shf6.

16. Df3. Fatal wäre 16. Sxb7? wegen Se5 und Schwarz gewinnt.

16. ... Sb6 17. Se4 Df5 18. Le2 Sf4 19. Tfe1 Sxe2+ 20. Dxe2. Schwarz hat ohne Mühe Ausgleich erlangt.

20. ... Sd6 21. Tad1 Tfe8 22. Sg3 Dg6 23. h3 Te7 24. Sh5 Dh6 25. Df3 Ted7 26. Te5 Se7 27. Sf4 Df6. Ein Versuch, die Lage zu komplizieren. Einfacher geschah 27. ... Sg6.

28. De4 Sf5 29. Sh5 Dg6 30. Sf4 Df6 31. Td3 Sd6 32. Df3 Sc4 33. Te2 g6 34. Dg4 Kh8 35. Tf3 Dg7 36. Sd3 Td5 37. Sf4 Tf5?!. Genauer war 37. ... T5d7!?.

38. Sd3 Sd6 39. Se5 Kg8 40. Tfe3 Se8 41. Dh4 g5 42. Dg3 h5 43. h4 Sf6 44. hxg5 Txg5 45. Dh3 Sg4.

DIA05A.GIF (26932 Byte)

46. f4! Sxe3 47. Txe3 Tg4 48. Sxg4 hxg4 49. Dh4. Weiß ist weiterhin etwas lästig.

49. ... Td5 50. Kh2 Dg6 51. Kg3 c5!? 52. dxc5 Td2!. Stärker als 52. ... Td3?! 53. Txd3 Dxd3+ 54. Kh2 und Schwarz muß nach 54. ... Df5 55. Dg5 die Segel streichen, aber auch nach 54. .. f5 55. Df2 nebst Dd4 ist seine Lage keineswegs beneidenswert.

53. Kh2. Interessant war 53. Te5!? Dd3+! (unzureichend ist sowohl 53. ... Td3+ 54. Kh2 g3+ 55. Kh3 f5 56. Dg5 Dxg5 57. fxg5 Kf7 58. a4, als auch 53. ... Kf8 54. f5 exf5 55. Dh8+ Dg8 56. Te8+) 54. Kh2 Dh3+! 55. Dxh3 gxh3 56. Tg5+ Kf8 57. b4 Txa2 58. Kxh3 Tf2! 59. c6 (oder 59. Kg3 Tc2) 59. ... bxc6 60. Kg3 Ta2 61. Tc5 Ta6 62. Kh4 (Nur gleiches Spiel ergibt 63. Kf3 f5) 62. ... Ke7 63. g4, mit minimal besserem Spiel für Weiß.

53. ... Txb2 54. Tg3 Dh7! 55. Txg4+ Kh8 56. Dxh7+ Kxh7. Remis

Weiß: GM A. Beljawski

Schwarz: GM P. Lukacs

Damengambit (D 39)

Anm. I. Balinov

1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sf3 d5 4. Sc3 dxc4 5. e4 Lb4 6. Lg5 c5. Möglich ist auch 6. ...b5 7. e5 h6 8. Lh4 g5 9. Sxg5 hxg5 10. Lxg5, mit ähnlichen Verwicklungen wie im Botwinnik-System.

7. Lxc4. Unklar ist 7. e5 cxd4 8. Da4+ Sc6 9. 0-0-0.

7. ... cxd4 8. Sxd4 Lxc3+ 9. bxc3 Da5 10. Lb5+. Karpow experimentierte in seinem WM-Kampf gegen Timman, Hol-land 1993, dreimal mit 10. Sb5, worauf Timman mit 10. ... Ld7 (üblich war bis dahin 10. ... Sbd7) und 10. ... Sxe4 rea-gierte.

11. Lxf6 gxf6. Erzwungen, denn auf 11. ... Dxc3+ folgt 12. Kf1 gxf6 13. Tc1 und Weiß gewinnt.

12. Db3 a6 13. Le2 Sc6 14. 0-0 Dc7 15. Tad1. Weiß steht bereits auf Gewinn.

15. ... Tc8. Auf 15. ... 0-0 folgt 16. Td3 mit guten Angriffsaussichten für Weiß.

16. Da3! Sa5 17. Td3 Dc5 18. Dc1! Tg8 19. Dh6 Ke7 20. Tfd1. Weiß hat über-wältigenden Vorteil.

20. ... Tc7. Zu 20. ... La4 hat Schwarz wegen 21. Sxe6!! Kxe6 (ebensowenig hilft 21. ... fxe6? 22. Dxh7+ Kf8 23. Td7 Lxd7 24. Txd7) 22. Td6+ Dxd6 23. Txd6+ Kxd6 24. Dxf6 Kc7 25. De5+ Kb6 26. Dd4+ und Weiß gewinnt, keine Zeit.

21. Dxh7 Tgc8 22. e5! fxe5. Oder 22. ... Dxe5 23. Te3 und Weiß gewinn.

23. Dh4+ Ke8.

DIA05B.GIF (20330 Byte)

24. Sxe6!.

Ein entzückender Schlußpunkt. Schwarz gab auf, denn auf 24. ... Lxe6 folgt 25. Td8+ 24. ... fxe6 25. Lh5+ ist der schwarze Monarch ebenfalls einer lustigen Treibjagd ausgesetzt.

 

Belohnter Wagemut

Die nachstehende Partie entstammt der Staatsliga B-Ost und wurde uns von unserem Leser ÖM Horst Niedermayr zur Verfügung gestellt.

Weiß: ÖM H. Niedermayr

Schwarz: A. Chulis

Schottisches Gambit [C44]

Anm. ÖM H. Niedermayr

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4 4. c3. Dieses Gambit ist eine alte Liebe von mir, das ich gelegentlich, aber eigentlich mit erstaunlich viel Erfolg anwende.

4. ... dxc3 5. Sxc3 Lb4 6. Lc4 Lxc3+ 7. bxc3 d6 8. 0-0 Sf6 9. e5. Nur so geht es weiter.

9. ... Sxe5 10. Sxe5 dxe5 11. Db3 De7 12. La3 c5 13. Lb5+ Ld7. Beachtenswert ist 13. ... Kf8!?.

14. Lxd7+ Dxd7 15. Lxc5 Se4. Dieser Zug sieht ausgesprochen gemeinge-fährlich aus, neben 16. ... Sxc5 droht auch Qualitätsgewinn.

16. La3 0-0-0?!. Besser ist vorerst 16. ... Sd2 und erst dann . ... 0-0-0, nicht aber 17. Db4 Sxf1?? 18. Td1 Dc7 19. Db5+ und Weiß strich in Ribli-Imre 1968 die Segel.

17. Dc4+ Dc6 18. Dxf7 Sd2 19. Tfd1 Kb8 20. Df5 Sc4 21. Le7. Der Läufer erwacht aus seiner Lethargie und wird zur spielentscheidenden Figur.

21. ... Txd1+ 22. Txd1 Da4 23. Dd3! Dxa2?. Zuviel des Guten, nach 23. ... a5 24. Dd5 ist der Kampf noch nicht entschieden.

24. Ld6+ Ka8 25. Lf8. Ein Paukenschlag, die Grundlinienschwäche wird optimal ausgenützt.

25. ... b6. Alle erzwungen Luftlöcher helfen nichts mehr, das Beste war noch 25. ... a5.

26. Dd5+ Kb8 27. Ld6+ Kc8 28. Dc6+ und Schwarz gab angesichts des undeckbaren Matts auf.


Wijk aan Zee

Das traditionelle "Hochofenturnier" endete mit einem etwas glücklichen Sieg des Russen Waleri Salow (8½ Punkte), der in der Schlußrunde den Holländer Jeroen Piket, der gegen den Amerikaner Yermolinsky überzog und verlor, noch auf den geteilten 2. Platz verweisen konnte.

1. W. Salow (RUS) 8½; 2. bis 4. Oni-schuk (UKR), Piket (Ned) & I. Sokolov (BIH) je 8; 5. Yermolinksy (USA) 7; 6./7. Granda Zuniga (PER), Timman (NED) je 6½; 8. bis 11. Kortschnoi (SUI), Lautier (FRAU), Short (ENG) & Van Wely (NED) je 6: 12. Illescas (ESP) 5½; 13. Nikolic (BIH) 5; 14. Glek (RUS) 4 Punkte.