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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1881 vom 06.07.2001, Kategorie Kolumne

Chess Classic Mainz!

Vom 23. Juni bis 1. Juli fand heuer das Chess Classic Mainz statt. Die Veranstaltung hat aber wenig mit klassischem Schach zu tun.

Das riesige Aktiv-Schach Open (11 Runden, 25 Minuten pro Spieler, 430 Teilnehmer) gewann der als Nummer 1 gesetzte Michael Adams, verlor aber das Match im Fischer Random Chess gegen Peter Leko mit 3½:4½. Die Idee von Ex-Weltmeister Bobby Fischer besteht darin, dass vor jeder Partie die Figuren auf der Grundlinie mit Los aufgestellt werden müssen. Nur die beiden Läufer dürfen nicht gleichfarbig sein.

Der Höhepunkt in Mainz war aber das 10 Partien Match im Aktiv-Schach zwischen den beiden Weltmeistern Kramnik und Anand, wobei der letzte leicht favorisiert wurde. Kramnik ging mit einem Sieg in der dritten Runde in Führung, Anand glich in der fünften Runde aus. Alle anderen Partien endeten Remis. Im anschließenden Blitz-Tie-Break konnte sich Anand 1½:½ durchsetzten. Hier die entscheidende Partie.

Weiß: GM Anand (2794)

Schwarz: GM Kramnik (2772)

Mainz Match Blitz (2), Juli 2001 [B33]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Db6 Der Zug ist neu in Kramniks Repertoire. Er spielt normalerweise die Sveschnikov oder Rauzer Variante.

5.Sb3 Sf6 6.Sc3 e6 7.De2 Anand wählt auch die Nebenvariante. 7.Ld3 ist der Hauptzug.

7...Lb4 Der Textzug ist stärker als 7...d6

8.Ld2 0–0 9.a3 Le7 Interessante Idee. Wurde in der Partie Ivanov-Yermolinsky, USA-ch.2000 gespielt 9...Lxc3 10.Lxc3 e5 11.0–0–0 d6N 12.Txd6 Sd4 13.Lxd4 Dxd6 14.Lc5 Dc7 15.Lxf8 Kxf8 16.f3 Le6 17.Db5 Tc8 18.Ld3 a6 19.Db4+ Kg8 20.Kb1 b6 Remis.

10.0–0–0 10.e5 bringt nicht viel wie es die Partie Ivanov-Gufeld, Continental op.2000 zeigt. 10...Sd5 (10...Se8 ist auch gut mit der Idee d7-d6.) 11.Sxd5 exd5 12.0–0–0 d6 13.exd6 Lxd6 14.Lc3 Le6 15.g3 Tac8 16.Lg2 d4 17.Sxd4 Sxd4 18.Lxd4 Db3 19.Le4 Tfd8 20.Dd3 Da2 21.Lxh7+ Kh8 22.Le4 Lc5 23.Dc3 Da1+ 24.Kd2 Txd4+ 25.Ke2 Txe4+ 26.Kf3 Lg4+ 27.Kxe4 Lxd1 0–1.; 10.g4 ist auch verfrüht. 10...d5 11.g5 Sxe4 12.Sxe4 dxe4 13.Dxe4 e5! 14.Le3 Dc7 15.Ld3 g6 16.0–0–0 Lf5 mit Ausgleich, Balinov-Golod Wien 1998.

10...d6 10...d5 11.e5 Sd7 12.Le3 Dc7 13.f4 f6 14.exf6 Sxf6 15.g3 die bessere Bauernstruktur bestimmt den weißen Vorteil.

11.g4 In solchen Stellungen ein typischer Bauernvorstoß

11...a6 Ohne diesen Zug ist es schwer b7-b5 mit Gegenspiel durchzusetzen.

12.g5 Sd7 13.h4 Dc7 14.f4 b5 15.Kb1 Auch ein wichtiger prophylaktischer Zug.

15...b4 16.axb4 Sxb4 17.f5 Tb8 Weiß erhält starken Angriff nach 17...exf5 18.exf5 Se5 19.f6 gxf6 20.gxf6 Lxf6 21.Lh6 Td8 22.Tg1+ Kh8 23.Dg2 Lg4 24.Td4; Beachtung verdient aber 17...Te8 18.g6 (18.f6 Lf8) 18...fxg6 19.fxg6 (19.fxe6 Sf8) 19...h6

18.Lf4 18.f6 gxf6 19.gxf6 Lxf6 20.Lh6 Kh8 21.Lxf8 Sxf8 mit Kompensation für die Qualität.

18...exf5 19.exf5 Se5 20.Lh3 Te8 21.g6 hxg6 ergibt sich als entscheidende Ungenauigkeit. Richtig war 21...fxg6 22.Lxe5 dxe5 23.fxg6 h6 24.Lxc8 Tbxc8 mit kompliziertem Spiel.

22.Lxe5 dxe5 23.fxg6 fxg6 24.h5! Der weiße Angriff geht von selbst.

24...Lf5 Kramnik Übersieht die weiße Antwort, aber die Stellung ist kaum zu halten. 24...Lxh3 verliert nach 25.hxg6 sofort; 24...g5 macht die Sache auch nicht leichter 25.h6 Lxh3 26.Txh3 Lf8 27.Se4 und die Lage ist kritisch für Schwarz.

Diagramm (6kb)

25.hxg6! Lxh3 25...Lxc2+ 26.Dxc2 Sxc2 27.Le6+ Kf8 28.Th8#

26.Txh3 Lg5 27.Se4 Lf4 27...Lh6 28.Txh6 gxh6 29.Sf6+ Kg7 (29...Kh8 30.Td7) 30.Td7+ Dxd7 31.Sxd7 mit Gewinn. 28.Sbc5 1–0

 GM Ilia Balinov / Heinz Herzog