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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1920 vom 24.08.2001, Kategorie Kolumne

Baumegger neuer Staatsmeister!

Vor der letzten Runde schien bereits fast sicher, dass es der 6-fache Staatsmeister und Turnierfavorit Niki Stanec zum 7. Mal in Folge (!) schaffen würde. Er führte mit einem ½ Punkt Vorsprung auf seinen Verfolger, den gebürtigen Steirer Sigfried Baumegger, und hatte in der letzten Runde Weiß gegen Sommerbauer. Baumegger hingegen mußte mit Schwarz gegen Christian Weiß (der somit auch mit den weißen Steinen spielte) antreten und seinerseits nur einen halben Punkt zurück lag. Während Stanec auf Nummer sicher ging und nach 11 Zügen Remis gab, spielte Baumegger auf volles Risiko und gewann. Der Steirer konnte dadurch mit Stanec gleichziehen und hatte bei der Feinwertung knapp die Nase vorn.

Bei der Staatsmeisterschaft 1998 war es übrigens genau umgekehrt. Hier führte Baumegger vor der letzten Runde mit einem ½ Punkt auf Stanec und gab in der letzten Runde gegen Hölzl nach 9 Zügen Remis, Stanec gewann jedoch gegen Kummer und hatte im Endklassement dann das Glück auf seiner Seite.

Endstand nach 15 Runden:

Endtabelle Herren (7kb)

In unserer Rubrik Österreich finden Sie die komplette Tabelle und alle Partien im PGN-Format

Endstand Damen nach 11 Runden:

Endtabelle Herren (4kb)

Und so spielte der neue Staatsmeister:

Weiß: IM Baumegger (2357)

Schwarz: Lendwai (2380)

ÖSM (5.Runde), Aug. 2001 [B42]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.Ld3 Sf6 6.0–0 Dc7 7.De2 d6 8.c4 Sbd7 In der Praxis hat die Variante mit 8...g6 den klassischen Igel mit Läufer auf e7 fast gänzlich ersetzt.

9.Sc3 Wenn man den Läufer auf b2 entwickeln will, ist es besser, mit 9.b3, 10.Lb2 zu beginnen. Dann hat Weiß zusätzlich die Möglichkeit, den Springer auf d2 zu entwickeln. Und außerdem ... 9...Le7 10.b3 0–0 ... könnte hier Schwarz mit 10....b7-b5 kontern.

11.Lb2 b6 12.Tad1 Der junge Grischuk wählte einen anderen Plan: 12.f4 Te8 13.Sf3 Lb7 14.Tae1 Sc5 15.Lb1 d5 16.cxd5 exd5 17.e5 Sfe4 18.Sxe4 dxe4 19.Sd2 Sd3 20.Lxd3 exd3 21.Dxd3 Ted8 22.De2 Dc2 23.Sc4 Dxe2 24.Txe2 b5 25.Se3 Td3 und das schwarze Läuferpaar kompensiert den Minusbauern, Grischuk-Gazarian, Kasparov-Cup op. 1996.

12...Lb7 13.Lb1 Tfe8 14.f4 Tad8 oder 14...Tac8 ?

15.Sf3 Es droht unangenehm e4-e5, gefolgt von Sc3-e4 mit starkem Angriff. Die Alternative wäre zuerst 15.Kh1, um dann die Dame mit der Drohung e4-e5 auf h3 zu bringen.

15...Dc5+ Gut wäre 15...e5 16.f5 und 16...b5! 17.cxb5 Db6+ 18.Df2 axb5 19.Dxb6 Sxb6 mit ausgezeichneter Stellung für Schwarz.

16.Kh1 Dh5 16...b5 geht nicht wegen 17.cxb5 axb5 18.Sxb5 Sxe4 und 19.La3 Dc6 20.Lxe4 Dxe4 21.Dxe4 Lxe4 22.Lxd6; aber 16...e5 17.f5 b5 war immer noch möglich, zB. 18.cxb5 axb5 19.Tc1 Db6 20.Sxb5 Sc5 21.Sd2 d5

17.De1 b5 18.cxb5 axb5 19.Se2 Dc5 Zu kompliziertem Spiel führt 19...d5 20.Sg3 Dh6 21.e5 Sh5 (21...Sg4 22.f5 Lg5 23.Ld4 Lf4 24.h3) 22.Se2

20.Sg3 Lf8 21.Tc1 Db6 22.Ld4 Da6 23.e5 Sd5 24.Sg5 g6 Bereits der Verlustzug ? Schwächt jedenfalls entscheidend die schwarzen Felder. Besser war 24...h6! 25.Lh7+ (25.Sh3 dxe5 26.fxe5 La3; 25.Sf3 Sxf4; 25.S5e4 Sxf4 26.exd6 Lxd6) 25...Kh8 26.Sxf7+ Kxh7 27.De4+ (27.exd6 S7f6 28.Sxd8 Txd8 29.Dxe6 Dxd6) 27...g6 28.Sxd8 Txd8 29.exd6 Dxd6

25.S3e4 h6 Hier ist guter Rat teuer.

Diagramm (6kb)

26.Sxf7! Los geht’s! Zum Gewinn führt auch 26.Dh4 hxg5 27.Sxg5 Lg7 28.Dh7+ Kf8 29.Sxf7 Kxf7 30.Dxg6+ Kg8 (30...Kf8 31.f5) 31.exd6 S5f6 32.Lxf6 Sxf6 33.Tc7

26...Kxf7 27.Dg3 Lg7. 27...Tc8 wird von 28.Sxd6+ Lxd6 29.Lxg6+ Kf8 und 30.Dh4 gefolgt. 28.Sxd6+ Kg8 29.Dxg6 Sf8 30.Df7+ Kh8 31.Sxe8 Schwarz könnte schon beruhigt aufgeben.

31...Td7 32.Dh5 Da8 33.Sf6. Auch 33.Sxg7 Txg7 34.Dxh6+ Kg8 35.Tf3 Se7 36.Tg3 Lxg2+ 37.Kg1 ist ohne Gegenspiel für Schwarz.

33...Se7 34.Sxd7 Lxg2+ 35.Kg1 Lxf1 36.Txf1 Sxd7 37.Df3 De8 38.Dg4 Sf5 39.Lxf5 exf5 40.Dg2 Df7 41.Kh1 Sf8 42.Le3 1-0

 GM Ilia Balinov / Heinz Herzog