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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 195 vom 28.02.1997, Kategorie Kolumne

Kasparow durchbrach Schallmauer (28. Februar 1997)

Partiennachlese aus Linares

PCA-Weltmeister Garri Kasparow durchbrach in der inoffiziellen Februar-Weltrangliste mit 2805 erstmals die Grenze von 2800 Elopunkten. Sein glänzender Turniersieg von Linares brachte ihm 9 weitere Elopunkte.

Nachdem es Kasparow erst in der Vorschlußrunde gelungen war, mit Wladimir Kramnik gleichzuziehen, krönte er sich trotz der Abwesenheit des FIDE-Champions Anatoli Karpow zum Weltmeister der Weltmeister.

Weiß: GM G. Kasparow

Schwarz: GM W. Kramnik

Nimzoindisch [E59]

1.d4 Sf6 2.c4 e6. Eine Überraschung, bedient sich doch Kramnik sonst regelmäßig der slawischen Verteidigung im Damengambit. Aber in Las Palmas, wie auch in Linares, entscheidet er sich für ihn untypische Erröfnungen. In Las Palmas erreichte er mit dem Königsinder gegen den PCA-Weltmeister relativ problemlos Ausgleich, hier entscheidet er sich für den Nimzoinder. Da Kasparow zuletzt fast ausschließlich zu e2-e4 greift, gegen ihn mit dem d-Bauern eröffnet, fürchtete Kramnik offenbar eine starke Neuehrung in seiner Lieblingsverteidigung.

3.Sc3 Lb4 4.e3 0-0 5.Ld3 c5 6.Sf3 d5 7.0-0 Sc6 8.a3 Lxc3 9.bxc3 dxc4 10.Lxc4 Dc7 11.La2. Die altbekannte klassische Variante im Nimzoindier mit vielen Möglichkeiten für Weiß: 11.a4, 11.Lb2, 11.De2 und 11.h3. Der Textzug ist nützlich , da der Läufer häufig auf c4 hängt.

11. ... b6 12.Te1 e5. Ein typischer und stellungsgerechter Gegenstoß.

13.e4. Sonst Schwarz spielt e5-e4.

13. ... Lg4.


14.dxc5!. Natürlich nicht 14.d5 wegen 14. ... Sa5 nebst 15. ... Sb7-d6 bzw. 15. ... Sf6-e8-d6 mit Blockade im Sinne Nimzowitschs.

14. ... bxc5. Zu erwägen war 14. ... Sa5.

15.h3 Tad8 16.De2 Lxf3. Auf 16. ... Lh5 folgt sehr stark 17.g4! Lg6 nebst 18.Sd2 und Vorteil für Weiß.

17.Dxf3 Td6. Im Bestreben, Gegenspiel in der d-Linie zu erlangen.

18.Lg5! h6 19.Lh4 Tfd8 20.Tab1. Der Weltmeister überläßt die d-Linie dem Gegner, bemächtigt sich aber im Gegenzug der b-linie , die nicht weniger wichtig ist als die d-Linie.

20. ... Se7. Nach 20. ... Td3 21.Te3 Txe3 22.Dxe3 hätte Weiß deutliches Übergewicht.

21.Lc4 Sc8 22.Lg3 Sb6 23.Lb5 Te6 24.a4!. Weiß unterminiert die Stützpunkte der feindlichen Kavallerie.

24. ... c4 25.De2! Td3 26.a5 Sc8 27.Tb4 Txc3 28.Txc4 Txc4 29.Dxc4 Db8. Nur mit den Damen am Brett kann Kramnik noch auf Gegenspiel hoffen, da im Endspiel der weiße Läufer dem schwarzen Springer klar überlegen wäre. 30.Dc5. Weiß hat Raumvorteil plus Läuferpaar und belagert überdies die Schwäche "a7".

30. ... Sd6 31.Ld3 Sd7 32.Da3 Sf8 33.Tb1 Dc7 34.Tc1 Dd8 35.a6. Bevor die Schlange das Kaninchen frißt, muß sie es erst fixieren.

35. ... Sg6 36.Dc5 Te7 37.f3. Vorbereitung für Lg3-f2 nebst Verstärkung des Drucks auf der Diagonale f2-a7.

37. ... Se8 38.Lf1 Tc7 39.De3 Td7 40.Kh2. Bischen Prophilaxe stört nicht.

40. ... Te7 41.Tc6 Kh7 42.Dc1 Sc7 43.Dc3 Dd7 44.Tc5 Dd6 45.Lf2 Se6 46.Td5 Db8 47.Tb5 Dd6 48.Tb7 Sd4 49.Db4! Df6 50.Dc5 Sc6 51.Le3 Te6 52.Lc4 Te7. Schwarz gibt auf, da er nach 53.Ld5 den Verlust des a-Bauern nicht vermeiden kann. Eine wirklich bemerkenswerte Partie ganz im Stile Karpows, der mit diesem Sieg seine Position als weltbester Spieler eindeutig untermauert hat.

Kramnik erster Kronprinz

Wladimir Kramnik, der sich - wie eingangs bereits erwähnt - sich dem Champion erst in der Schlußrunde ge-schlagen geben mußte, machte mit seiner feinenLeistung darauf aufmerksam, daß in zukünftigen WM-Kämpfen mit ihm zu rechnen sein wird ...

Weiß: GM W. Iwantschuk

Schwarz: GM W. Kramnik

Sizilianisch [B65]

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 e6 7.Dd2 Le7 8.0-0-0 Sxd4. Der Textzug führt mit Zugumstellung zur Variante 8. ... 0-0 9.f4 Sxd4 10.Dxd4 Da5, nimmt Weiß aber die Möglichkeit, nach 8. ... 0-0 mit 9.Sb3 fortzufahren.

9.Dxd4 0-0 10.f4 Da5 11.Lb5. Die Hauptfortsetzung ist 11.Lc4 Ld7 12.e5 dxe5 13.fxe5 Lc6 14.Ld2 Sd7 15.Sd5 Dd8 16.Sxe7+ Dxe7 17.The1.

11. ... Td8 12.e5 dxe5 13.Dxe5 h6 14.Lh4 Sg4! 15.Dh5 Sf6 16.De5 Sg4 17.Txd8+. Verständlich, daß Iwantschuk angesichts seines Turnierstandes auf Gewinn spielt.

17. ... Dxd8 18.Lxe7 Dxe7 19.De2 Sf6 20.Td1. In Frage kam auch 20.g4 Ld7 21.g5 hxg5 22.fxg5 Lxb5 23.Dxb5 (Schlecht wäre 23.gxf6? wegen Lxe2 24.fxe7 Lh5! 25.Sb5 Te8 26.Sxa7 Txe7 und Schwarz hat Vorteil.) 23. ... Sd5! 24.Se4 (24.Sxd5 verliert sofort wegen 24. ... Dxg5+) 24. ... Tc8 mit unklaren Verwicklungen, oder 20.Te1 a6! (20. ... Ld7 21.f5! gäbe Weiß das etwas bessere Spiel) 21.Ld Db4 22.g3 Ld7 mit völlig gleichem Spiel.

20. ... a6 21.Ld3 b5 22.g4!? Lb7 23.g5 hxg5 24.fxg5 Sd7! 25.Dh5 Sf8.

Die kritische Stellung.


26.h4?. Ein unmotivierter Angriffsversuch. Gut war indessen 26.Dg4!.

26. ... Db4! 27.Tf1 g6 28.Dh6 Dg4 29.Le2 Dh3 30.h5 Lg2!. Mit einer Reihe feiner Züge zerstört Kramnik die Koordination der weißen Figuren.

31.Td1 b4 32.Td3 Df5 33.Sd1 Le4! 34.Td2 Df4! 35.hxg6 Sxg6. Schwarz steht klar überlegen.

36.Dh3 Dxg5 37.De3 Dxe3 38.Sxe3 a5 39.Td4 f5 40.Sg4 Sf4 41.Lc4 Kg7 42.Sf2 Kf6. Weiß gibt auf, denn auf 43.Sxe4+ folgt 43. ... Ke5 nebst 44. ... Kex4 mit leicht gewonnenem Endspiel.