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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 1972 vom 12.10.2001, Kategorie Kolumne

Wiener Stadtmeisterschaft

Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass in Wien viel Schach gespielt wird, genauer gesagt Vereinsschach im Rahmen der Vereins- und Betriebsmeisterschaften. Ganz anders ist die Situation, wenn es ums Turnierschach geht. Während die im Sommer in den Ferien stattfindenden Turniere gut besetzt sind, ist die Beteiligung während des restlichen Jahres oft bescheiden. Ein Beispiel dafür ist die vom 21. bis 29. September stattgefundene Wiener Stadtmeisterschaft: nur 63 Teilnehmer (27 im A, 12 im B und 24 im C-Turnier). Warum herrscht so wenig Interesse ? Es liegt sicher nicht an den Spielbedingungen, die das Haus der Begegnung Rudolfsheim im 15 Bezirk bietet (ein großes Lob für den Saal!). Die Probleme liegen woanders. Eines davon ist, dass 9 Runden für Amateurspieler, die tagsüber arbeiten, zu lang sind. Ein Verkürzung auf 7 Runden ist sicherlich denkbar. Zu überlegen sind auch Doppelrunden am Wochenende. Was die erwünschte Teilnahme der Spitzenspieler im A-Turnier betrifft, muss der Spieltermin auch mit anderen Turnieren besser koordiniert werden. Zur gleichen Zeit spielten zB IM Stanec beim Europacup, IM Weinzettl und ich beim Seefeld Open. Die Preise sind auch nicht unbedingt verlockend daher spielen wenig Titelträger mit (heuer nur IM Lendwai). Der Reiz und die Möglichkeit auf Titelnormen zu spielen geht dadurch auch verloren.

Aber jetzt zurück zum Turnier. Das A-Turnier gewann IM Lendwai nach der 2. Zusatzwertung mit 6,5 Punkten. Zweiter punktegleich, mit Glück in der 9 Runde gegen Alvir, wurde der einzige ausländische Gast, der Deutsche Brustkern. Den Titel Wiener Meister bekam aber FM Christoph Fusi, da Reinhard Lendwai und Zoran Trkulja nur Gastspieler in Wien sind.

Das ist der Endstand:

Endtabelle (6kb)

In unserer Rubrik Österreich finden Sie die kompletten Tabellen

 Am Schluss eine unglaubliche Stellung, die leider "hinter der Kulissen blieb".

Diagramm (6kb)

Diese außergewöhnliche Stellung konnte in der Partie Helmut Waller gegen Aco Alvir erreicht werden. FM Alvir schätzte die Stellung als maximal Remis für Schwarz ein. Das Computerprogramm Fritz 6 ist aber anderer Meinung. 

1...g5!! Für einen Computer ist das ein Kinderspiel, für den Menschen, diese Idee ein Paar Züge früher zu sehen, einfach genial! 1...Dc2 verliert wegen 2.De5+ Kh7 3.Dh8+ Kxh8 4.d8D+ Kh7 5.Dg8+ Kh6 6.Dh8#; und 1...Tf1+ 2.Kg3 Tg1+ 3.Kh3 Th1+ 4.Kg3 Tg1+ mit Dauerschach.

2.Td3 In allen Varianten das gleiche Endergebnis: Matt! 2.hxg5 Tf1+ 3.Kg3 Tg1+ 4.Kf3 (4.Kh3 Th1+ 5.Kg3 h4+ 6.Kf3 Tf1#) 4...h4 5.Te2 (5.Td3 Tg3#; 5.Dxc6 Tg3#) 5...Dc3+ 6.Kf2 Dg3#; 2.Dxc6 g4+ 3.Kg3 Tg1+ 4.Dg2 Tgxg2#; 2.fxg5 Tf1+ 3.Kg3 f4+ 4.Kh3 Th1+ 5.Dxh1 Dxh1#

2...Tf1+ 3.Ke3 Dc1+ 4.Kd4 4.Td2 Dc3+ 5.Dd3 (5.Ke2 Txd2+ 6.Dxd2 Df3#; 5.Td3 gxf4#) 5...gxf4+ 6.Ke2 Txd2+ 7.Dxd2 Df3#

4...Txf4+ 5.Ke5 Dc7+ 6.Dd6 Te2+ 7.Kd5 Dc4# Matt 0:1

Partienachlese Europacup

Weiß: GM Smirin (2702)

Schwarz: GM Grischuk (2669)

Europa-Cup , Sep. 2001 [C89]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0–0 8.c3 d5 Sogar Kasparov vermeidet den Marshall Angriff mit 8.a4 (Anti-Marshall) und nicht zu Unrecht. 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sxe5 11.Txe5 c6 12.d4 Ld6 13.Te1 Dh4 14.g3 Dh3 15.Te4 g5 16.De2?! 16.Df3 Lf5 17.Lc2 ist die übliche Fortsetzung.

Diagramm (6kb)

16...f5N 16...Sf6 17.Sd2 Lf5 18.f3 Sxe4 Remis, Polgar-Onischuk, Batumi 1999 EM.

17.Te6? Lxe6 18.Dxe6+ Kh8 19.Dxd6 Tae8 20.Ld2 20.Le3 f4 20...f4 21.Lxd5 cxd5 22.f3 g4 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog