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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 198 vom 07.03.1997, Kategorie Kolumne

Merkur Graz souveräner Meister (7. März 1997)

Friedberg/Pinggau und Inter Salzburg steigen ab

Nachdem es vor der letztes Wochendende im Hotel Artis-Tower in Wien-Oberlaa ausgetragenen 9. bis 11. Runde so ausgesehen hatte, als würde die Entscheidung um den Titel erst in der Schlußrunde fallen, so schien die Abstiegsfrage bereits vorab mit Friedberg/Pinggau und Austria Graz geklärt zu sein. In der Titelfrage machten Tschernin, Stanec & Co dann aber bereits in der 9. Runde mit einem Kantersieg in der Höhe von 5:1 über den etwigen Rivalen SCM Winterthur, das in den Schlußrunden allerdings ohne GM am Spitzenhbrett das Ausangen finden mußte, allen Spekulationen ein Ende und distanzierten letztlich die Konkurrenz deutlich, so reduzierte sich das Interesse der zahlreich erschienenen Zuseher bald nur noch auf die Frage, wer würde Friedberg/Pinggau in die Staatsliga B begleiten. Während die Grazer Austrianer bis zur letzten Partie fighteten, machten sich bei den Salzburgern, die in dieser Saison keinen Sponsor auftreiben konnten und in der 9. Runde zu allem Überfluß wieder einmal einen Spieler vorgeben mußten, bald Lethargie breit und so hatten die Grazer - nicht unverdient - das bessere Ende für sich. Der dritte Platz ging schlußendlich - etwas glücklich - an SG Klagenfurt.

9. Runde: 28.2.1997

Fürstenfeld-Inter Salzburg 3½:2½.

GM Pinter-IM Donev 1K, IM Wach-FM Herndl 0, FM Freitag-FM Kraschl 1, MK Baumegger-Waggerl 1, FM Postl-FM Fischer ½.

Ottakring-Hohenems 3:3.

GM Ribli-IM Atlas 1, MK Plank-FM Gärtner 0, Staudner-FM Topakian ½, Hadjieff-Feistenauer 0, Krpelan-Thoma ½, Schneider-Zinner - Grabher 1.

Austria Graz-SG Hietzing/Fischer 2:4.

IM Grosar-IM Fauland 0, ÖM Löbler-FM Miniböck 0, IM Stajcic-MK Bawart 1, ÖM Spindelböck-ÖM Penz 0, MK Ebner-FM Blatny ½, FM Fahrner-FM Janetschek ½.

Wr. Neustadt- SG Klagenfurt 4:2.

GM Lukacs-IM Hölzl ½, IM Schroll-GM J. Horvath 1, FM Neulinger-FM Petschar 1, FM Volkmann-ÖM Schumi 1, MK Wiedner-MK Steflitsch 0, FM Stoppel-FM Titz ½.

SCM Winterthur-Merkur Graz 1:5.

IM Brestian-GM Tschernin, IM Mahdy-IM Stanec, FM Herzog-FM Felsberger, IM Lendwai-FM Watzka alle 0, FM Schweda-IM Pils, FM Sommerbauer-IM Wittmann beide ½.

Traun 67-Friedberg/Pinggau 4½:1½.

GM Van der Wiel-GM Ftacnik 1, GM Klinger-FM Beck 1, FM Moser-MK Insam ½, FM Roth-MK Brod ½, MK Weiß-Steiner 1, FM Kranzl-A. Schieder ½.

10. Runde: 1.3.97

Inter Salzburg - Friedberg/Pinggau 2:4.

IM Donev-IM Zsinka ½, FM Herndl-FM Beck 0, FM Kraschl-MK Insam 1, Waggerl-MK Brod 0, FM Fischer-Steiner ½, FM Hager-A. Schieder 0.

Merkur Graz-Traun 67 3:3.

M Stanec-GM Van der Wiel, GM J. Horvath-IM Casagrande, FM Watzka-FM Moser, IM Pils-FM Roth, IM Wittmann-MK Weiß und Detter-Tscholowitsch, alle ½.

SG Klagenfurt-SCM Winterthur 2½:3½.

IM Hölzl-IM Brestian ½, GM J. Horvath-IM Mahdy ½, FM Petschar-FM Herzog 0, ÖM Schumi-IM Lendwai ½, MK Steflitsch-FM Schweda 1, FM Titz-FM Sommerbauer 0.

SG Hietzing/Fischer-Wr. Neustadt 2:4.

IM Fauland-GM Lukacs 0, FM Miniböck-IM Schroll 0, MK Bawart-FM Neulinger 0, ÖM Penz-FM Volkmann ½, Grabher-MK Ebner 0, Pierecker-FM Fahrner 0.

Fürstenfeld-Ottakring 4:2.

GM Pinter-GM Ribli ½, IM Wach-MK Plank ½, FM Freitag-Staudner 1, MK Baumegger-Hadjieff 1, FM Postl-Krpelan 1, FM Pöcksteiner-H. Schneider-Zinner 0.

11. Runde: 2.3.1997

Ottakring -Inter Salzburg 3:3.

GM Ribli-IM Donev ½, MK Plank-FM Herndl 0, Staudner-FM Kraschl ½, Hadjieff-Waggerl 1, Krpelan-FM Fischer 1, H. Schneider-Zinner - FM Hager 1.

Austria Graz-Fürstenfeld 3½:2½.

IM Grosar-GM Pinter 1K, ÖM Löbler-IM Wach 0, IM Stajcic-FM Freitag ½, ÖM Spindelböck-MK Baumegger ½, MK Ebner-FM Postl ½, FM Fahrner-Gelbmann 1.

Wr. Neustadt - Hohenems 3½:½.

GM Lukacs-IM Atlas ½, IM Schroll-FM Gärtner ½, FM Neulinger-FM Topakian 1, FM Volkmann-MK Feistenauer ½, MK Wiedner-FM Thoma ½, MK Posch-Pierecker ½.

SCM Winterthur-SG Hietzing/Fischer 4:2.

IM Brestian-IM Fauland 0, IM Mahdy-FM Miniböck ½, FM Herzog-MK Bawart 1, IM Lendwai-ÖM Penz 1, FM Schweda-FM Blatny 1, FM Sommerbauer-FM Janetschek ½.

Traun 67-SG Klagenfurt 2:4.

GM Van der Wiel-IM Hölzl ½, IM Casagrande-GM J. Horvath 0, FM Moser-FM Petschar ½, FM Roth-ÖM Schumi ½, MK Weiß-MK Steflitsch 0, FM Kranzl-FM Titz ½.

Friedberg/Pinggau - Merkur Graz ½:5½.

FM Beck-GM Tschernin 0, MK Insam-IM Stancec 0K, MK Brod-FM Felsberger ½, Steiner-FM Watzka 0, A. Schieder-IM Pils 0, Korn-IM Wittmann 0K.

Endstand nach der 11. Runde

RG VEREIN   S U N PKTE MP
1. MERKUR GRAZ 11 9 2 0 45 20
2. SCM WINTERTHUR 11 8 1 2 39 17
3. SG KLAGENFURT 11 6 1 4 37½ 13
4. WR. NEUSTADT 11 7 1 3 37 15
5. SG HIETZING/FISCHER 11 5 1 5 35 11
6. FÜRSTENFELD 11 4 2 5 34 10
7. WIEN-OTTAKRING 11 5 3 3 33½ 13
8. TRAUN 67 11 5 1 5 33½ 11
9. HOHENEMS 11 3 1 7 29 7
10. ESV-AUSTRIA GRAZ 11 3 0 8 28 6
11. INTER SALZBURG 11 3 1 7 26½ 7
12. FRIEDBERG-PINGGAU 11 1 0 10 18 2

Topleistungen

Überragender Spieler am Spitzenbrett war der nunmehr in Ungarn lebende und für Merkur Graz tätige frühere russische GM Alexander Tschernin, der es in 8 Partien auf 7 Punkte brachte. Ihm am nächsten kam der ungarische GM Zoltan Ribli, der 7½ Punkte aus 11 Partien scorte.

Ebenfalls maßgeblichen Anteil am über-legenen Sieg Merkurs hatte IM Niki Stanec, der, zumeist auf Brett 2 und 3 spielend, 8½ Punkte aus 11 Partien erzielte.

Weitere Top-Leistungen erzielten IM G. Schroll (Wr. Neustadt) 8/11 (2), FM A. Herzog (SCM Winterthur), FM F. Volkmann (Wr. Neustadt) beide 8/11 (4) und FM N. Sommerbauer (SCM Winterthur 6/8 auf Brett 6.

Sizilianisches Duell

Im Wettkampf Traun gegen Friedberg/Pinggau kam es am Spitzenbrett zu einem spannenden Duell zweiter Eröffnungsspezialisten, in dem der als Taktiker bekannte Holländer zeigte, daß er auch in positionellen Belangen ein Meister seines Faches ist ...

Weiß: GM J. Van der Wiel

Schwarz: GM L. Ftacnik

Sizilianisch [B85]

Anm. GM J. Van der Wiel

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.a4 Sc6 7.Le2 e6 8.0-0 Le7 9.Le3 0-0 10.f4 Dc7 11.Kh1 Te8 12.Lf3 Sxd4. Überraschenderweise spielt Ftacnik nicht "seine" Hauptvariante mit 12...Tb8. Er hatte wohl nicht mit mir als Gegner gerechnet und ich gelte ebenfalls als Kenner dieses Abspiels. In Wijk aan Zee hatte ich kürzlich mit einer Neuerung in der Variante mit 13. g4 einen schönen Erfolg gegen den Viatmesen Dao Thien Hau erzielt und das war Lubomir wohl bekannt.

13.Dxd4 e5 14.Dd2 exf4 15.Lxf4 Le6 16.Tfd1 Ted8. Häufiger geschieht 16...Tad8 17.a5 Dc8! mit nur minimal besserem Spiel für Weiß.

17.a5 Tac8 18.h3. Ich wollte eigentlich 18.Ta4 spielen, war mit dann aber im unklaren, wie ich auf 18...b5! reagieren sollte (unklar war auch 18...Sd7!), z.B. 19.axb6 Dxb6 und Schwarz übt sowohl Druck in der b- als auch in der c-Linie aus.

18...h6. Eine recht interessante Alternative war 18...Sd7 (mit der Idee 19...Se5) 19.Lxd6 Lxd6 20.Dxd6 Dxd6 21.Txd6 Se5, mit äußrst aktivem Spiel für den Bauern. Ich bin der Meinung, daß Schwarz entweder dies oder im nächsten Zug etwas anderes hätte spielen sollen.

19.Df2 Se8!?. Mit der Idee Lf6-e5, doch ist dieser Plan zu passiv. Zu erwägen war ein Wartezug wie etwa 19...Kh8.

20.Le3. Das Feld "b6" lockt. Auf 20.Dg3 hätte Schwarz mit 20...Lf6!? 21.Lxh6 Lxc3 fortfahren können.

20...Td7 21.Sa4!. Mit Qualitätsgewinn nach 21...Dxc2 22.Td2 (besser als 22.Sb6 Dxf2 23.Lxf2 Tc2) nebst 23.Sb6.

21...Lf6!. Noch die beste Chance.

 

22.c4!. Der schwierigste Zug der Partie.


Weniger überzeugend sind:

A) 22.c3 Lb3 23.Sb6 Lxd1 24.Lxd1 Tdd8! und Schwarz steht kaum schlechter, oder

B) 22.Sb6 Lxb2 23.Tab1 Lc3 und Schwarz hat Kompensation. Jetzt ist der weiße Bauer wegen der Fesselung in der c-Linie kaum zu nehmen. Darüber hinaus ist der b-Bauer nun gedeckt.

22...Te7 23.Sb6 Tb8 24.Tac1. Zu erwägen war auch 24.c5, doch auch nach dem ruhigen Textzug hat Weiß großes positionelles Übergewicht.

24...Lg5. Dieser durchaus logische Zug führt zu einer weiteren Schwächung des Königsflügels. Andernfalls hätte der Nachziehende weiterhin in Passivität verharren müssen. 25.Lxg5 hxg5 26.b4. Verhindert Dc7-c5.

26...f6.

Am genauesten. Erst nach 27...Lf7 will Weiß mit 28.Sd5 fortfahren und die Türme in der C-Linie verdoppeln.

27.Tc2 Td8 28.Sd5 Lxd5 29.cxd5 Dd7. Nach 29...Db8?! 30.Tdc1 nebst Lg4 hat Schwarz nichts mehr zu hoffen. Mit dem Textzug, der 30...f5! nebst 31...Sf6 vorbereiten soll, hofft Ftacnik sein Spiel befreien zu können.

30.Lg4 Da4 31.Le6+!. Ein wichtiger Zwischenzug. Nach 31.Td4 folgt 31...Tc7 und eventuell einem lästigen Damenschach auf a1. Auf 31.Tc4 folgt nicht ...Tc7, sondern wesentlich stärker 31...Tdd7, mit der Absicht, die c-Linie zu neutralisieren.

31...Kh7. Auf f8 sind die Mattgefahren für Schwarz nicht geringer.

32.Tdc1. Bringt für's erste die c-Linie unter Kontrolle. Zu erwägen war auch 32.h4 doch war ich mir über die Konsequenzen von 32...Tc7 nicht völlig im Klaren.

32...Dxb4 33.h4. Einleitung zum Königsangriff. Ftacnik hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa 6 Minuten bis zur Zeitkontrolle (ich noch 12 Minuten).

33...g4. Noch am hartnäckigsten. Auf 33...Txe6 folgt erst 34.Df5+ nebst Dxf5.

34.h5. Gegen g7-g6 gerichtet. Schwarz muß auf den weißen Feldern zugrundegehen.

34...Dxa5. Das Henkersmahl, doch war auch alles andere hoffnungslos.

35.Df5+ Kh8 36.Dg6. Noch stärker als 36.Dxg4.

36...Da3. Etwas hartnäckiger war 36...Txe6 37.dxe6, in der Hoffnung auf Schachgebote nach 38.Tc8 Txc8 39.Txc8, doch Weiß schaltet einfach 38.Dxg4 ein, worauf Schwarz gegen die Drohung 38.Dxg4 ohne Parade verbleibt, z.B. 38...Kg8 De5+ 43.Kh3 Kf8 44.h6! gxh6 45.Txe8+ Kxe8 46.Dg8+ nebst Matt. 37.Lf5. Zieht das Mattnetz zu.

37...Kg8 38.Dh7+ Kf8 39.Dh8+ und Schwarz gab auf., demm 39.... Kf7 40.Lg6 matt, wollte er sich der slowakische GM nicht mehr zeigen lassen.