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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 2033 vom 21.12.2001, Kategorie Kolumne

WM Finale: Ivanchuk - Ponomariov

Wer hätte sich das gedacht: ein rein ukrainisches Finale bei der WM in Moskau! Ivanchuk bezwang den regierenden Weltmeister Anand mit Schwarz in der vierten und letzten Partie (unsere heutige Analyse) und Ponomariov setzte sich gegen Svidler durch: Ivanchuk-Anand (½, ½, ½, 1-0), Ponomariov-Svidler (½, ½, 1-0, ½,). Die beiden Ukrainer (übrigens war Ukraine heuer auch Teamweltmeister) werden in einem Wettkampf über acht Partien vom 16. bis 26. Jänner 2002 in Moskau um den WM-Titel kämpfen. Bei einem Unentschieden wird es ein Tie-Break geben. Wer hat die besseren Chancen? Ivanchuk (32 Jahre) mit seiner Genialität und originellem Stil, jedoch fallweise gehandicapt durch Nervenschwäche? Oder der junge Ponomariov mit seinem Pragmatismus (erstaunlich für seine 18 Jahre) und seiner Ausgeglichenheit? Das Match verspricht auf jeden Fall sehr interessant zu werden, zu vergleichen mit Tennis McEnroe gegen Muster: Der erste sorgt für geniale Spielzüge, der andere bringt jeden Ball von der Grundlinie zurück. Gary Kasparov favorisiert Ivanchuk knapp mit 55-45.

Der Damen-WM-Titel bleibt in China. In einem spannenden Duell gewann die 25-jährige Chinesin Zhu Chen gegen die 17 Jahre junge Alexandra Kosteniuk erst im Tie-Break (2-2, 3-1).

Weiß: GM Anand (2770)

Schwarz: GM Ivanchuk (2731)

Fide WM Moskau, Dez. 2001 [B30]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 So versucht Weiß in letzter Zeit der Sveschnikow Variante zu entwischen.

3...e5 Zwei Tage vorher geschah: 3...Sf6 4.Lb5 Dc7 5.0–0 Sd4 6.d3 a6 7.Lc4 e6 8.Sxd4 cxd4 9.Se2 Sxe4 10.dxe4 Dxc4 11.Sxd4 e5 12.Sf5 Dxe4 13.Sd6+ Lxd6 14.Dxd6 f6 15.f4 b5 16.Ld2 Lb7 17.Tf2 Dc6 18.Dxc6 Remis, Anand-Ivanchuk 2.Partie Semifinale.

4.Lc4 d6 5.d3 Le7 6.Sd2 Mit der Idee Sd2-f1–e3.

6...Sf6 7.Sf1 Sd7 Eine neue Idee: Ivanchuk will den passiven schwarzfeldrigen Läufer durch Le7-g5 tauschen und d5 mit dem Springer von b6 kontrollieren.

8.Sd5 Sb6 9.Sxb6 axb6 10.c3 0–0 11.Se3 Lg5 12.0–0 Kh8 13.Ld2 13.Sd5 führt nur zum Ausgleich: 13...Lxc1 14.Txc1 Se7

13...Lxe3 14.fxe3 De7 15.Ld5 Le6 16.Db3 Sa5 17.Dc2 17.Dxb6 wäre ein grober Fehler: 17...Ta6 18.Db5 Ld7 und die Dame ist weg.

17...Dc7 18.h3 Ein Zeichen, dass Anand mit seinen Gedanken schon mehr im Tie-Break ist. Besser ist 18.c4 gefolgt von Tf1–f3 und Ta1–f1.; Gleich auf der f-Linie verdoppeln wäre wegen 18.Tf3 c4 19.d4 Lxd5 20.exd5 Sb3 nicht gut.

18...h6 19.c4 Sc6 20.Dd1 Lxd5 21.exd5 Se7 22.a4 f5 23.Lc3 Der Weltmeister verliert den Faden. Der Läufer ist auf c3 schlecht platziert. Mit 23.Dh5 gefolgt von der Verdopplung auf der f-Linie (wenn notwendig a4 mit b2-b3 decken) hätte Weiß immer noch einen kleinen Vorteil.

23...Tf7 24.Db3 Der Inder spürt keine Gefahr und der Preis dafür ist hoch. Die Dame ist fern vom Zentrum des Geschehens. Die Alternative wäre: 24.b3 Taf8 25.Ta2 und Ta2-f2.

24...Sg6 25.Tf2 Taf8 26.Taf1 f4! Ivanchuk übernimmt die Initiative.

27.Ld2

Diagramm (6kb)

27...f3! Noch ein starker Zug!

28.Txf3 28.gxf3 Dd7 29.Kh2 Tf5 mit Angriff.

28...Txf3 29.gxf3 Auch nach 29.Txf3 Txf3 30.gxf3 Df7 31.Kf2 Sh4 32.Dd1 Df5 33.e4 Dxh3 34.b3 g5 hat Schwarz entscheidenden Vorteil.

29...Dc8 30.Kh2 Tf5 31.f4 Th5 32.f5 32.Tf3 verliert nach 32...Dg4 33.Tg3 De2+ 34.Tg2 Df3 35.Tg3 Df2+ 36.Tg2 Txh3+ 37.Kxh3 Dh4# sofort.

32...Txf5 33.Dd1 Df8 34.Txf5 Mehr Widerstand leistet 34.Kg1 Sh4 35.e4 Tf3 36.Lc1, obwohl nach 36...Tg3+ 37.Kh2 Tg2+ 38.Kh1 Dc8 39.Tf3 De8 die Probleme für Weiß immer größer werden. Z.B. 40.Df1 Dxa4 41.Tf6 und jetzt 41...gxf6 42.Dxf6+ Tg7 43.Dxh6+ Kg8 44.De6+ Tf7 45.Dg4+ Tg7 46.De6+ mit ewigem Schach; 41...Dd7 42.Txh6+ gxh6 43.Df8+ Kh7 (43...Tg8 44.Dxh6+ Dh7 45.Df6+ Tg7 46.Dd8+ Dg8 47.Dxh4+ Th7 48.Df6+ Dg7 49.Dd8+ Remis) 44.Dxh6+ Kg8 45.Dxh4 und Weiß kann noch kämpfen.; 41...Kh7!

34...Dxf5 35.De2 e4 36.Dg4 Das Endspiel ist völlig hoffnungslos, aber andere Züge würden die Partie auch nicht retten: 36.d4 Sh4; 36.dxe4 De5+ 37.Kg2 Dxb2

36...Dxg4 37.hxg4 Se5 38.Kg3 exd3 39.b3 g6 40.e4 h5 41.gxh5 gxh5 42.Kf2 h4 42...h4 43.Lc3 Kg8 44.Kg2 Kf7 45.a5 bxa5 46.Lxa5 h3+ 47.Kxh3 Sf3 48.Kg3 d2 49.Lxd2 Sxd2 und Schwarz gewinnt.

0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog