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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 206 vom 21.03.1997, Kategorie Kolumne

Staatsliga A - Partiennachlese: (21. März 1997)

In der für den dritten Platz wichtigen Begegnung Klagenfurt-Wr. Neustadt traf der Kommentator der nachfolgenden Partie auf den ungarischen GM Josef Horvath, gegen den er heuer bereits in der Betriebsliga verloren hatte. Nach wechselhaftem Spielverlauf konnte der Neustädter schließlich das bessere Ende für sich verbuchen . ...

Weiß: GM J. Horvath

Schwarz: GM G. Schroll

Holländisch [A81]

Bild von Schroll

Bild: Schroll

Anm. IM G. Schroll

1. d4 f5 2. g3 Sf6 3. Lg2 g6 4. Sh3 Lg7 5. c4 Sc6. Ein neuer Zug. Üblich ist 0-0 6. Sc3 d6 7. d5 etc. mit weißem Systemvorteil.

6. Sc3 d6 7. d5 Se5. Eher zu erwarten war 8. Sf4.

8. f4. Unklar ist 8. Sf4 c6 9. b3.

8. ... Sf7. Fatal wäre 8. ... Sxc4?? wegen 9. Da4+, aber auch 8. ... Sed7 9. Sg5 wäre wegen der Schwäche "e6" nicht ratsam.

9. Sf2 0-0 10. 0-0 Ld7 11. Db3 Dc8. Wenn überhaupt, steht Weiß nur minimal besser, dennoch lehnte der ungarische GM das Remisgebot ab.

12. Ld2 c5 13. Tfe1 Tb8 14. a4 b6 15.h3. Schwächer ist 15. a5?!, da Schwarz nach 15. ... bxa5 16. Dc2 Dc7 17. b3 erlaubt notfalls das Gegenopfer a4 in petto hat.

15. ... Te8 16. Kh2 a6. Hier meinte Horvath, daß er seinen Vorteil vergrößert hätte. In der Tat hat der Rappe auf f7 weniger Perspektiven als sein weißer Widerpart auf f2.

17. Dc2 Dc7. Nach 17. ... b5 18. axb5 axb5 19. cxb5 Lxb5 20. Sxb5 Txb5 21. Lc3 müßte der Nachziehende ohne seinen wichtigen weißfeldrigen Läufer auskommen.

18.Lf3. Droht g4-g5.

18. ... e5. Der richtige Zeitpunkt für den thematischen Befreiungsstoß.

19. dxe6 Lxe6. Ein leider nötiger Tempoverlust.

20. b3.

Diagramm vor Dd7

20. ... Dd7?.

Ein Mißgriff! Der Befreiungshebel war wie folgt anzusetzen: 20. ... Tbd8! 21. a5!? (deswegen wurde der logische Zug Tbd8 verworfen) und nun nicht

A) 21. ... bxa5? 22. Sd5 Lxd5 (22. ... Sxd5 23. cxd5; 22. ... Dc8 23. Lxa5) 23. Lxa5 mit Qualitätsgewinn

B) 21. ... d5? 22. axb6 Dxb6 23. Sa4 Dc7 24. cxd5 Sxd5 25. Tac1+ mit Gewinn, sondern

C) 21. ... b5! 22. cxb5 axb5 23. Sxb5 Db8 24. Sc3 Lxb3 mit kräftigem schwarzen Gegenspiel. Diese Stellung wurde in der Partie falsch eingeschätzt. Nach d5 und ev. c4, um den Lb3 zu decken, wird der lahme Zosse auf f7 über d6 aktiviert; 20. ... Te7!? nebst Tbe8 oder Td7 war ev. auch noch spielbar. Auf a5 muß b5 möglich sein.

21. Tad1. Nun ist zwar die "Drohung" a5 nicht mehr existent, doch auf der Diagonalen a1-h8 taucht eine viel größere Gefahr auf.

21. ... Tbd8 22. Lc1 Dc8 23. Lb2 Ld7. Schwarz muß gleichfalls die Diagonale zu neutralisieren versuchen.

24. Sd5 Sxd5 25. Lxd5 Lc6. Trotz mangelnder Überdeckung von Te1 durch die Dame war die Alternative 25. ... Lxb2 26. Dxb2 Lc6 27. e4 Lxd5 28. Txd5 Te7 29. g4 Tde8? 30. gxf5+ auch unerfreulich.

26. Lxg7 Kxg7 27. g4?!. Die knappe Bedenkzeit macht sich bemerkbar. Brauchbar war z.B: 27. Dc3+ Kf8 28 .e4 Lxd5 29. Txd5 De6 30. g4, und es ist sehr unwahrscheinlich, daß sich Schwarz halten kann.: 27. e4 Lxd5 28. Txd5 De6 29. g4 usw.

27. ... Lxd5 28. Txd5 Sh6. Ein Notzug, allerdings mit Ideen.

29. Tg1?. Geboten war 29.g5 und nun:

A) 29. ... Sg8? 30. Dc3+ Kf7 (Auf 30. ... Kf8 folgt 31. e4 und Weiß ist aufgrund der eklatanten Schwäche "d6" entscheidend in Vorteil) 31.Dh8

B) Richtig war daher 29. ... Sf7.

29. ... fxg4 30. hxg4 Te3 31. g5 Sf5 32. Sg4 Tde8. Diese Keule hatte der Ungar in Zeitknappheit vermutlich unterschätzt.

33.Db2+. Besser war 33. Sxe3, denn hierauf verbietet sich 33. ... Sxe3? (Nur Remis ergibt 33. ... Txe3 34. Tg2! Sd4 35. Dd2 Dh3+ 36. Kg1 Txe2 37. Txe2 Sf3+ 38. Kf2 Sxd2 39. Tdxd2 wegen der langfristigen Gefährdung des schwarzen Monarchen. Schwarz seinerseits ist bestrebt, Dauerschach zu erlangen) wegen 34. Db2+.

33. ... Sd4!! 34. Sxe3. Oder 34. Txd4 Txe2+ bzw. 34. Tg2 Txe2.

34. ... Txe3. Droht Dh3 matt.

35. Tg2. Erzwungen.

35. ... Dh3+ 36. Kg1 Txb3 37. Dd2. Weiß hat im Vergleich zur oben angeführten Remisvariante einen Bauern und ein Tempo weniger.

37. ... Dh4!. Nur gleiches Spiel ergibt 37. ... Tb1+ 38. Kf2 Dh4+ 39. Tg3 Dh2+ (oder 39. ... Th1 40. Txd4 Dh2+ 41. Tg2 Dh4+ 42. Kf3 Th3+ 43. Ke4) 40. Tg2.

38. Txd4. Der einzige Zug, z.B. 38. Th2 Dg3+ 39. Tg2 Tb1+ oder 38. Tf2 Tb1+ 39. Kg2 (39. Tf1 Dg3+ 40. Kh1 Txf1 matt) 39. ... Dh1+ 40. Kg3 Tg1+ 41. Tg2 Txg2 matt.

38. ... Tb1+ 39. Dd1 Txd1+ 40. Txd1 Dxf4 41. Tb1. Weiß hat die Zeitnot überstanden, sieht sich aber nun mit einem äußerst schwierigen Endspiel konfrontiert.

41. ... Dxc4 42. Txb6 Dd4+ 43. Tf2 Dd5!. Der Bg5 muß unbedingt beseitigt werden, um die Remisschaukel auf der 7. und 8. Reihe zu vermeiden. Allerdings schafft sich Weiß nun einen gefährlichen Freibauern auf der a-Linie, Die Bauern g6 und h7 dienen vorerst nur der Deckung des Monarchen.

44. Txa6 Dxg5+ 45. Kf1 De7!!. Nicht nur der Turm, auch die Dame gehört bisweilen hinter den Freibauern. Durch diesen Mehrzweckzug wird nicht nur die 7. Reihe gedeckt, sondern auch der c-Bauer wird mobilisiert, und der Turm in seinem Käfig c6-b6-a5-a8 beäugt.

46. a5??. Ein schrecklicher Bock. Unbedingt erforderlich war 46. Tf3, woraurf ich mit 46. ... Dc7 fortsetzen wollte.

46. ... Db7. Nun droht Matt und Turmverlust gleichzeitig! Nach 46. Tf3 wäre die Lage nicht so klar gewesen. Eine ausführliche Analyse würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen. Weiß gab daher auf.


Chinesischer Doppelsieg in Lienz

Nach klarer chinesischer Dominanz ging der Sieg bei der vom 8. bis 15. Feburar durchgeführten 9. Auflage des "Internationalen Volksbank Lienz-Open" an GM Xiaomin Peng (CHN), der mit 7½ Punkten aufgrund der besseren Feinwer-tung seinen punktegleichen Landsmann GM Jinchuan auf Platz 2 verwies. Der dritte Platz ging an den Außenseiter FM Igor Piven (UKR) mit 7 Punkten.

Platz 5 bis 9, mit je 6½ Punkten, teilten GM V. Beim (ISR), GM Z. Wang (CHN), ÖM B. Tabernig (AUT), FM B. Kamber (SUI), Herwig Pilaj & G. Hechl (beide AUT).

David gg. Goliath

In der nachfolgenden Partie stolperte der hohe Turnierfavorit über den Kärntner Chrostoph Witzany ...

Weiß: C. Witzany

Schwarz: GM Z. Wang (CHN)

Sizilianisch [B57]

Anm. FM I. Piven

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 Sc6 6. Lc4 Db6 7. Le3!?. Eine interessante Fortsetzung. Üblich ist 7. Sb3 oder 7. Sdb5.

7. ...Sg4?. Zu forsch. Besser war 7. ... Dxb2 8. Sdb5 Db4 9. De2 Da5 10. Ld2 Dd8 11. Sd5 mit Kompensation für den geopferten Bauern.

8. Sd5 Da5+ 9. b4! Sxe3 10. fxe3 Dd8 11. Sb5. Entscheidend. Weiß gewinnt nun bei fortgesetztem Angriff Material, z.B.: 11. Sb5 Tb8 12. Sdc7+ Kd7 13. Dg4+ e6 14. Lxe6+ Ke7 15. Sd5+ Ke8 16. Sbc7+.

11. ... e6 12. Sdc7+ Kd7 13. 0-0! Se5 14. Txf7+ Sxf7 15. Lxe6+ Ke7 16. Sd5+ Ke8. Nach 16...Kxe6 folgt 17. Dg4+ Ke5 18. Df4+ Ke6 19. Df5 matt.

17. Sbc7+ Dxc7 18. Sxc7+ Kd8 19. Lxf7 Kxc7 20. Dd4 h5 21. e5 Th6 22. Dc4+! Kd8 23. e6 Le7 24. Td1. Schwarz ist völlig gelähmt.

24. ... Tb8 25. b5. Verhindert eine eventuelle Befreiung mit ... b5 und ... Tb6. 25. ... h4 26. e4. Schwarz gibt auf: Gegen die Drohung 27.e5 und 28.exd6 ist kein Kraut gewachsen.