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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 2155 vom 22.03.2002, Kategorie Kolumne

Staatsliga A: Merkur Graz wieder Meister

Die Staatsliga A ist bereits seit vielen Jahren fest in Grazer Hand. Mit einem für österreichische Verhältnisse hohen Budget, gesponsert von der Merkur Versicherung, räumt der „Miniklub“ (nur 11 aktive Mitglieder und im Internet nicht vertreten) Jahr für Jahr den Meistertitel ab. Diesmal mit „nur“ 3½ Punkten Vorsprung auf den Aufsteiger -„Die Klagenfurter“. In der Saison 1998/99 waren es noch satte 11½ Punkte Vorsprung! 

Die Situation kann sich aber bald ändern. Der Klub-Präsident, der bisher auch eine Führungsposition bei der Merkur Versicherung innehatte, geht in Pension und das weitere Sponsoring wird daher fraglich. Einer der Top-Spieler der Mannschaft, der vielfache Staatsmeister IM Niki Stanec, hat schon das Schiff in Richtung Ranshofen (Staatsliga B-Mitte) verlassen. Droht Merkur das gleiche Schicksal wie Margareten Winthertur? Die wahrscheinlichste Lösung, zuletzt sehr populär geworden, wäre wohl eine Fusion mit einem anderen (steirischen?) Klub.

Endstand:

Tabelle (6kb)

Das erfolgreiche Team:

Tabelle (6kb)

Fix sind auch die vier Teams für das Aufstiegs-Play-off in die Staatsliga-A für die Saison 2002/2003:

Tabelle (4kb)

Aber zurück zur abgelaufenen Meisterschaft. Bester Spieler (gemessen nach Eloleistung) wurde der GM Jozsef Horvath (Die Klagenfurter) mit 8½ aus 11 auf Brett 2 mit einer Eloleistung von 2706. Hier eine Kostprobe:

Weiß: IM Rabiega (2514)

Schwarz: GM Horvath (2537)

Staatsliga A, März 2002 [B22]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.c3 Robert Rabiega ist Experte in dieser Variante.

2...d5 3.exd5 Dxd5 4.d4 Sf6 5.Sf3 e6 5...Lg4 ist eine gleichwertige Alternative. 6.Sa3 Le7 6...Dd8 gilt als Hauptvariante. Die Dame muss sowieso irgendwann wieder "nach Hause".

7.Sb5 Sa6 8.Le2 0-0 9.Lf4 besser wäre 9.0-0 nach dem Prinzip: man beginnt mit den Figuren, die die wenigsten Optionen haben. In diesem konkreten Fall mit der Rochade und dann mit dem Läufer (er kann auf e3, f4, g5 oder auf c1 bleiben). Hier ein paar Partien aus der Großmeisterpraxis: 9.0-0 cxd4 10.cxd4 (10.Sfxd4 e5 11.c4 Dd8 12.Sb3 Le6 13.Le3 Db8 14.h3 Td8 15.Db1 b6 16.Td1 Db7 Short-Lautier,Paris 1990.) 10...Ld7 11.Sc3 Da5 12.Se5 Tfd8 13.Lf3 Sb4 14.Lxb7 Tab8 15.Lf3 Le8 Hort-Vokac, DBL-1992 oder 9.0-0 Dd8 10.Lf4 Ld7 11.a4 Lc6 12.Te1 Le4 13.h3 h6 14.Lf1 Lh7 15.Le5 Sd5 16.De2 cxd4 17.Sfxd4 Sc5 18.Tad1 Dc8 Smagin-Kobalja, RUS 1998.

9...Ld7 10.0-0 Tfd8 11.Te1 Le8 12.a4 Dc6 13.Se5 13.Ld3 mit der Idee Dd1-e2 verdient Beachtung.

13...Dc8 14.Db3? Die Dame steht hier schlecht. Nach 14.Lf3 Lxb5 15.axb5 Sc7, gefolgt von 16....cd, hat Schwarz bequemes Spiel; Immer noch interessant 14.Ld3 nebst Dd1-e2.

14...Sd5 15.Lg3 cxd4 16.Sxd4 Auf 16.cxd4 hat Schwarz 16...Lg5. Es könnte sein, dass Rabiega den Zug unterschätzte, bevor er 14.Db3? spielte.

16...Sc5 17.Dc2 f6! Schwarz übernimmt das Kommando.

18.Sd3 18.Sef3 bringt ebenfalls Probleme mit sich: 18...Lg6 19.Dd1 e5 20.Lc4 Kh8 21.De2 Sb6

18...Lg6 19.Sb3 19.Tad1 e5 20.Sb5 a6 21.Sa3 Se4 mit klarem Vorteil für Schwarz.

Diagramm (6kb)

19...Se3! 19...Sxd3 20.Lxd3 Sb4 21.cxb4 Txd3 22.Dxc8+ Txc8 23.Sc5 Lxc5 24.bxc5 e5 führt zum besseren Endspiel, der Textzug ist aber ambitionierter.

20.fxe3 Sxd3 21.Lxd3 21.Ted1 Sc5 22.Txd8+ Dxd8 23.Dd1 Db6 24.Lc4 Td8 25.Sd4 Dxb2 26.Dc1 Dxc1+ 27.Txc1 Lf7 führt zu einem ziemlich hoffnungslosen Endspiel.

21...Lxd3 22.Df2 e5 23.Sd2 Dc6 24.Sf3 Td5 25.h3 Tad8 26.Kh2 Le4 27.Te2 Ta5 28.Td2 Txd2 29.Sxd2 Txa4 30.Txa4 Dxa4 31.b3 Dc6 32.Sxe4 Dxe4 Der Rest ist Technik.

33.Dd2 Kf7 34.b4 Dc4 35.h4 Ke6 36.Le1 f5 37.Df2 g6 38.g3 h5 39.Dg2 e4 40.Dd2 b6 41.Kg2 a5 42.bxa5 bxa5 Die Stellung erinnert an die 5. Partie Ponomariov-Ivanchuk, Moskau WM-Finale.

43.Db2 a4 44.Db8 Kf7 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog