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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 2226 vom 10.05.2002, Kategorie Kolumne

Anand gewann die Eurotel-Trophy

Der belgische Schachmäzen Bessel Kok initiierte vom 27 April bis 5 Mai ein Turnier der Superlative in Prag. Wie schon letzte Woche berichtet, kämpften 32 Spieler der Weltelite (ohne den FIDE-Weltmeister Ponomariov) um den mit 500.000$ dotierten Preisfond. Das Turnier wurde im KO-Modus ausgetragen: Zuerst zwei Partien mit 25 Minuten plus 5 Sekunden pro Zug. Bei einem 1:1 folgten zwei Blitzpartien (5 Minuten plus 2 Sekunden pro Zug). Falls dann immer noch Gleichstand herrschte, entschied eine weitere Blitzpartie, wobei Weiß 5 und Schwarz 4 Minuten hatte. Bei einem Remis stieg Schwarz in die nächste Runde auf. Das Finale auf zwei Partien zwischen Anand und Karpov wurde im klassischen Schach ausgetragen: 2 Stunden für 40 Züge, eine weitere Stunde für 20 und schließlich 30 Minuten bis zum Fallen der Klappe.

Überraschungen gab es schon in der ersten Runde: Jussupow bezwang Bareev. Sokolov gewann in der letzten Blitzpartie im Tiebreak durch Zeit gegen Leko. Das nächste Opfer des Bosniers hieß Adams und so bewies Sokolov einmal mehr, dass er im Schnellschach zur Weltspitze gehört. Und was war mit Kramnik los? Nach einer durchschnittlichen Leistung in Monaco schied er in der zweiten Runde gegen Karpov aus. Der große Ex-Weltmeister der 80-er Jahre setzte sich dann im Viertelfinale mit einer ordentlichen Portion Glück gegen Morozevich durch und auch Shirov konnte Karpov nicht stoppen. Erst im Finale ließ ihm der Inder Anand keine Chance. Anand konnte offensichtlich seine frühere Form wiederfinden und erreichte recht locker (2:0 gegen Timman, 2:0 gegen Khalifman, 1½:½ gegen Sokolov und 2½:1½ gegen Ivanchuk) das Finale.

Weiß: GM Polgar, J (2677)

Schwarz: GM Kasparov, G (2838)

Eurotel Trophy Prag, April 2002 [B33]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 Zuletzt spielte Kasparov die Sveschnikov-Variante in Linares erfolgreich gegen Shirov.

6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Lxf6 gxf6 10.Sd5 Lg7 11.c3 f5 12.Ld3 12.Sc2 0–0 13.exf5 Lxf5 ist die aktuellste Fortsetzung.

12...Se7 13.Sxe7 Dxe7 14.0–0 0–0 15.Sc2 f4 Schwarz hat in dieser Stellung schon viele Züge ausprobiert. Der Textzug kommt in der Großmeisterpraxis aber kaum vor. 15...d5 16.exf5 e4 17.Le2 Td8 18.Sd4 Lxd4 19.cxd4 Lxf5 20.Dd2 Le6 21.f4 f5 Remis, Psakhis-Dolmatov, URS 1988.; 15...Dg5 16.exf5 d5 17.Se3 Lb7 18.f4 exf4 19.Dg4 Lf6 20.Txf4 Kh8 21.Sc2 mit Vorteil für Weiß, Upton-Stamenkov, EU Cup 2001.; 15...Tb8 zusammen mit 15..Lb7 wird am häufigsten gespielt. 16.exf5 e4 17.Te1 Lxf5 18.Sb4 a5 19.Sd5 De5 20.Lc2 Lg6 21.f4 De6 22.Dd2 Kh8 23.Tad1 und Weiß steht ein bisschen besser, Bologan-Nedev, EUCup 2001.

16.a4 16.Sb4 Dg5 17.Te1 Kh8 18.a4 bxa4 19.Txa4 Tg8 mit Kompensation.

16...bxa4 17.Txa4 Dg5 18.f3 Lf6 Mit der Idee 19....Ld8-b6.

19.Lc4 Auf 19...Ld8 folgt einfach 20.Dd6.

19...Kh8 Der Zug ist in der Sveschnikov Variante fast Pflicht: Der König schützt sich vor eventuellen Schachs und überlässt das Feld g8 dem Turm.

20.Tf2 Le7 21.Sb4? 21.Ld5 Tb8 22.Sb4 Ld8 23.Sc6 Lb6 24.Sxb8 Tg8 ähnlich wie in der Partie; Notwendig war: 21.Kh1 und nach 21...f5 entsteht eine sehr komplizierte Stellung.

Diagramm (6kb)

21...d5! 22.Lxd5 22.Dxd5 Le6 nebst Lc5.

22...Lc5 23.Lxa8 Tg8! Die Pointe von 21....d5! ist leicht zu übersehen, besonders im Schnellschach. Die weiße Lage wird kritisch.

24.Kf1 24.Df1 hilft auch nichts : 24...Lh3 25.Kh1 Lxf2 26.Dxf2 Lxg2+ 27.Kg1 Lxf3+ 28.Kf1 Lg2+ 29.Ke1 Txa8

24...Lxf2 25.Ke2 25.Kxf2 Dxg2+ 26.Ke1 Dxh2 27.De2 Tg1+ 28.Kd2 Tg2; 25.g3 fxg3 26.hxg3 Lc5 mit Mattangriff.

25...Dxg2 26.Kd3 Le3 26...Dxh2 wäre auch stark.

27.Ld5 Dxh2 28.Kc4 28.Lxf7 verliert wegen 28...Tg1 29.De2 Tg2

28...Tg1 29.Dd3 Lh3 30.Kb3 Lf1 31.Dc2 Dxc2+ Kasparov geht ins gewonnene Endspiel. 31...Le2 wäre nicht so klar: 32.Ka2 Tc1 33.Db3 Dh1 34.Sc2 Kg7 35.Db7 mit gewissem Gegenspiel.

32.Kxc2 Kg7 33.c4 Le2 34.Txa6 Ld1+ 35.Kd3 Lxf3 36.Sc6 Td1+ 37.Kc3 Lg4 Der Weg für den f-Bauern ist frei.

38.Sxe5?? Stellt eine Figur ein – allerdings in ohnedies verlorener Stellung

38...Ld4+ 39.Kc2 Lxe5 40.Ta7 Te1 41.Txf7+ Kg6 42.c5 Te2+ 43.Kc1 f3 44.Lc4 Txe4 45.Ld5 Tf4 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog