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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 226 vom 18.04.1997, Kategorie Kolumne

Favoriten setzen sich durch. Dramatik im Staatsliga A-Aufstiegsturnier: (18. April 1997)

Das vom 11. bis 13. April im Café Wilhelmshof, Wien-Erdberg, durchgeführte Staatsliga A-Aufstiegsturnier begann so-gleich mit einem Knalleffekt: Der krasse Außenseiter SC Donaustadt kam über den hohen Turnierfavoriten Softline Gleisdorf mit GM Attila Groszpeter am Spitzenbrett und den beiden IM's Michael Schlosser und Georg Danner mit 4½:1½ hinweg und schien damit den Grundstein für den Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse gelegt zu haben. Die Südsteirer bewiesen jedoch Kampfmoral und bügelten tags darauf ihre Niederlage mit einem deut-lichen 4:2-Erfolg über Co-Favorit Sparkasse Absam aus. Ein 3:3 zwischen Donaustadt und Austria Wien gab den Donaustädtern vor der Schlußrunde einen satten Polster von 2 Punkten, der zum Aufstieg reichen sollte. Dank Superleistungen von IM Schlosser (2½ aus 3) und GM Groszpeter (2/3) seitens Gleisdorf sowie FM W. Dür und ÖM Pilz (je 2/3), seitens der Absamer, setzten sich die Favorten, die in der Schlußrunde die beiden Wiener Teams mit 4:2 bzw. 4½:1½ besiegten und damit den Aufstieg in die höchste österreichische Spielklasse schafften, doch noch durch.

Rang Team S U N Pkte MP
1. Gleisdorf 2 0 1 10 4
2. Absam 2 0 1 4
3. Donaustadt 1 1 1 3
4. Austria Wien 0 1 2 7 1


Erdberger Impressionen

Im Staatsliga A-Aufstiegsturnier tat sich der ELO-stärkste Österreicher und Top-Scorer der Staatsliga B-Süd, IM Georg Danner schwerer als erwartet. In der nachfolgenden Partie erreicht "Schorsch" durch zielstrebiges Spiel eine aussichtsreiche Stellung, scheitert letztlich aber in Zeitnot ...

Weiß: H. Pingitzer

Schwarz: IM G. Danner

Englisch [A10]

Anm. I. Balinov

1. c4 f5 2. g3 g6 3. Lg2 Lg7 4. Sc3 Sf6 5. Sf3 d6 6. d3 0-0 7. 0-0 a5 8. Tb1 e5 9. a3 Sh5 10. Lg5?!. Stellungswidrig. Besser geschah sogleich 10. b4 axb4 11. axb4.

10. ... De8 11. Ld2 c6 12. b4 axb4 13. axb4 Sd7 14. Dc2. Auch nach 14. b5 c5 15. Sd5 Tb8 16. Lc3 Sdf6 17. Sxf6+ Lxf6 18. Sd2 g5 hat Schwarz die Initiative.

14. ... h6 15. Ta1 Tb8! 16. Ta7 Sdf6 17. b5 c5. Weiß wird zusehends eingeschnürt. 18. Tfa1 Le6 19. Se1 Dc8 20. Sa4 Sd7 21. Ta3 g5 22. Sc3 Sdf6 23. Sa4 Sd7 24. Sc3 Sb6 25. Sa4 Sxa4 26. Dxa4 f4. Das schwarze Spiel ist aufgrund des räumlichen Übergewichts klar vorzuziehen.

27. Da5 Lh3 28. Db6. Natürlich nicht 28. Lxh3? wegen 28. ... Dxh3 29. Dc7 fxg3 30. hxg3 Sxg3 31. fxg3 Tf1 matt.

28. ... Lxg2 29. Kxg2 Dd7 30. f3 g4 31. La5 Tf7 32. Ld2 Tff8 33. La5 Tf7 34. Ld2 Kh7!. Aber nicht 34. ... Lf8 35. Ta8 Txa8 (35. ... gxf3+ beantwortet Weiß mit 36. exf3!) 36. Txa8 gxf3+ 37. exf3! (37. Sxf3? verbietet sich wegen 37. ... fxg3 38. hxg3 Dg4 39. Le1 Sf4+ 40. Kf2 Sxe2 und Schwarz gewinnt.) 37. ... fxg3 38. hxg3 Tg7 39. g4 Txg4+ 40. fxg4 Dxg4+ 41. Kf2 Dg3+ 42. Ke2 Dg4+ 43. Sf3 Dg2+ 44. Ke3 Sg3 45. Txf8+ Kxf8 46. Dxd6+ Kg8 47. Dxe5 und Weiß gewinnt.

35. Ta8 Txa8 36. Txa8 Lf6 37. Da7 fxg3 38. hxg3 gxf3+ 39. exf3. Die einzige Verteidigung.

39. ... Tg7. Oder 39. ... Sxg3? 40. Kxg3 (Ebenso gewinnt 40. Db8!? Tg7 41. Dh8+ Kg6 42. Kxg3) 40. ... Lh4+ (Nicht besser ist 40. ... Tg7+ 41. Kf2 Lh4+ 42. Ke2) 41. Kxh4 Tg7 42. Db8 De7+ 43. Kh3 De6+ 44. Kh2 mit Gewinn.

40. g4. Erzwungen.

Diagramm vor Txg4??

40. ... Txg4+??.

Der letzte Zug vor der Zeitkontrolle verliert. Stark und not-wendig war 40. ... e4!! 41. dxe4 (Auch 41. Db8 exf3+ 42. Kh1 Txg4 vermag die Partie nicht zu retten) 41. ... Txg4+ 42. fxg4 Dxg4+ 43. Kh1 Sg3+ 44. Kh2 (44. Kg2 Sxe4+ 45. Kf1 Sxd2+ 46. Kf2 Ld4 matt) 44. ... Sf1+ 45. Kh1 Dh3+ 46. Kg1 Ld4+ und Schwarz gewinnt.

41. fxg4 Dxg4+ 42. Kh2. Ungenau wäre 42. Kh1? Sg3+ 43. Kh2 Sf1+ 44. Kh1 Sg3+ und Weiß rettet sich ins Remis, nicht aber ... Sxd2? 45. Dxb7+ Lg7 46. Dg2 und Weiß hat abermals das bessere Ende für sich.

42. ... Dg3+ 43. Kh1 Dg7 44. Tb8 Sg3+ 45. Kg1 Le7. Ebenso verliert 45. ... . Se4+ 46. Sg2.

46. Txb7 Sf5+ 47. Sg2+- e4 48. b6 Kg6 49. dxe4 Dd4+ 50. Kh2 Dxe4 51. Txe7 Sxe7 52. b7 Sc6 53. Da8 Se5 54. b8D Sf3+ 55. Kg3 und Schwarz strich die Segel.

Theoretische Feinheit

Im Kampf der beiden stärksten Legionäre erwischte Groszpeter seinen GM-Kollegen offenbar am falschen Fuß ...

Weiß: GM A. Groszpeter

Schwarz: GM G. Dizdar (2550)

Französisch [C11]

Anm. I. Balinov

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 dxe4 5. Sxe4 Le7 6. Lxf6 Lxf6 7. Sf3 0-0 8. Lc4 Sc6 9. c3 e5 10. d5 Sb8 11. d6!?. Ein vermutlich neuer Zug. Bekannt ist 11. 0-0 Lg4 12. h3 Lxf3 13. Dxf3 Le7 14. Lb5 a6 15. La4 Sd7 16. Tad1 Ld6 17. b4 Sf6 mit Ausgleich, Iwantschuk-Ehlwest, Reggio Emilia 1989.

11. ... . Lf5 12. Dd5 Sd7. Zu erwägen war

I) 12. ... cxd6 und nun:

A) 13. Sxd6!? Le6 14. Dxb7 Dxd6 15. Lxe6 Dxe6 16. Dxa8 Sc6 17. Db7 Tb8 18. Da6 (18. Dc7?? verbietet sich wegen 18. ... . Ld8 und Schwarz gewinnt.) 18. ... e4 und Schwarz hat Kompensation für das geopferte Material.

B) 13. Dxb7 13. ... Lxe4 14. Dxe4 Sd7 15. Td1 mit etwas besserem Spiel für Weiß. Oder 12. ... Sc6!? 13. dxc7 Dxd5 (Unklar ist 13. ... Dxc7 14. Sxf6+ gxf6 15. Sh4 Tad8) 14. Sxf6+ gxf6 15. Lxd5 Tac8 16. Lxc6 bxc6 17. Ke2 Txc7 18. Thd1 ebenfalls mit etwas besserem Spiel für Weiß.

Schwach ist

II) 12. ... c6? wegen 13. Sxf6+ Dxf6 14. Dxe5 und Weiß gewinnt.

13. Dxb7 Lxe4. 13. ... Tb8? verbietet sich wegen 14. dxc7 Txb7 15. cxd8D Txd8 16. Sd6.

14. Dxe4 Sc5 15. Dd5 cxd6 16. 0-0 Dc7 17. Tad1 Sa4?.

Diagramm nach Sa4 ?

Besser, wenngleich ebenfalls vorteilhaft für Weiß war 17. ... Le7.

18. Lb3 Sxb2. Auch nach 18. ... Sb6 19. Dxd6 ist der Tag für Weiß entschieden. 19. Tb1 Dxc3 20. Tfc1 Db4 21. Txb2 e4 22. Tc4 Da3. Ebenso verliert 22. ... Db6 23. Sd4.

23. Tbc2 exf3 24. Ta4 und Schwarz gab auf.

Ein klassisches Zertrümmerungsopfer

Weiß: M. Gerhold

Schwarz: FM W. Kastner

Französisch [C10]

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Sd7 5. Sf3 Sgf6 6. Sxf6+ Sxf6 7. Ld3 c5 8. Le3 Sd5 9. 0-0 Sxe3 10. fxe3 Ld6 11. dxc5 Lxc5 12. Se5 0-013. Lxh7+ Kxh7 14. Dh5+ Kg8 15. Sxf7 Lxe3+ 16. Kh1 Txf7 17. Dxf7+ Kh7 18. Tad1 Dh4 19. Tf3 Lh6 20. De8 Dg4 21. Td8 De4 22. Dg8+ Kg6 23. Tg3+ Lg5 24. Txg5+ Kxg5 25. Dxg7+ Dg6 26. De5+ und Schwarz streckte die Waffen.

 


Wiener Verbandstag: Herbert Dinhof neuer Präsident

Präsident H. Dinhof

Präsident H. Dinhof

Am 20. März kürte der Wiener Schachverband den langjährigen 1. Vorsitzenden des Wiener Gemeinderates und LAbg a.D. zu seinem neuen Präsidenten. Der WSV erhofft sich davon neue Impulse im Wiener Schachleben.