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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 2325 vom 13.09.2002, Kategorie Kolumne

Russland gegen den Rest der Welt

Während des kalten Krieges war Schach ein Bestandteil der sowjetischen Politik. Die dominierende Rolle der russischen Schach-Schule sollte sich in einem Match des Jahrhunderts manifestieren - 1970 in Belgrad: UdSSR gegen den Rest der Welt. Die „Guten" setzten sich aber knapp durch. Die zweite Auflage des Matches in London 1984 konnte an den Kräfteverhältnissen auch nichts ändern. Jetzt nach 18 Jahren kam es zwischen 8. und 11. September in Moskau zur dritten Fortsetzung dieses Wettkampfes. Zum „Rest der Welt" zählen heute auch die Ex-sowjetischen Republiken: nur Anand, Leko, Polgar und Short sind nicht in der ehemaligen UdSSR geboren.

Die Ehre der russischen Schule wurde von der gesamten Elite verteidigt: Kasparov, Kramnik, Karpov, Khalifman, Bareev, Morozevich, Dreev, Grischuk, Svidler, Motylev und zwei Ersatzspieler - Rublevsky und Zvjaginsev. Die Gäste – Anand (Ind), Ponomariov (Ukr), Ivanchuk (Ukr), Leko (Hun), Shirov (Esp), Gelfand (Blg), Polgar (Hun) , Smirin (Isr), Short (Eng), Radjabov (Aze) und als Ersatz – Azmaiparashvili (Geo) und Akopian (Arm). Es fehlten offensichtlich Adams, Topalov und Van Wely (gilt als sehr starker Schnellschach Spezialist). Warum die FIDE nicht in der Lage war, diese Spieler zu engagieren, interpretiert Topalovs Manager Silvio Danailov so: entweder aus finanziellen Gründen oder um den Sieg Russlands nicht zu riskieren.

Der Spielmodus: Jeder spielt gegen jeden des generischen Teams: insgesamt 10 Schnellschach-Runden – 25 Minuten plus 10 Sekunden Bonus pro Zug. Die Welt zeigte Stärke und Kampfgeist und führte über die ganze Distanz. Kräftig dazu beigetragen haben die schwachen Leistungen der Weltmeister: Kramnik, Khalifman und besonders Kasparov (Verluste gegen Ivanchuk, Polgar und Akopian). Endergebnis: Rest der Welt - Russland: 52-48!!! Mehr als eine Überraschung! Der beste Spieler des Turniers wurde Shirov mit 7 aus 10. Noch überraschender das Ergebnis Kasparovs: 4 aus 10 ! Hier ein paar Beispiele:

Ivanchuk (2711) - Kasparov (2838)

1.Ld2 Txa4 Besser war 1...Lxd2 2.Sxc5 Tb6 3.Sd3 gxf5 4.Sxe5 Lc3 5.Txf7+ Ke8 6.Tf6 Txf6 7.gxf6 fxe4

2.fxg6 Lxd2 3.Txf7+ Ke6 4.Tf6+ Ke7 5.bxa4 Sxe4 6.Tf5 und g6 ist nicht mehr zu halten. 1–0

Radjabov (2610) – Karpov (2687)

1.d5 Lxd5 2.Sxd5 exd5 2...Dxd5 3.Lf3

3.e6 Sc4 3...fxe6 4.Tc7

4.Dg5 Kh7?? Schwerer Fehler. Richtig war: 4...Lg7

5.Lc2 Lg7 6.Te1 6.Dxh5+ Kg8 7.exf7+ Kxf7 8.Lxg6+ Kf8 9.Lc3 a5 wäre unklar.

6...Te8 6...Lxf6 7.Dxf6 Kg8 8.Lxg6 fxg6 9.e7 mit Gewinn.

7.Dxh5+ Kg8 8.Lxg6 fxg6 9.Dxg6 Te7 10.h5 Kf8 11.Lxe7+ Dxe7 12.h6 Lf6 13.Kh1 Se5 14.Df5 Kg8 15.Txe5 Lxe5 16.Dxe5 und das Damenendspiel sollte gewonnen sein. Einfacher wäre: 13.h7 Lg7 (13...Dg7 14.h8D+ Dxh8 15.Df7#) 14.Df5+ Ke8 (14...Df6 15.e7+ Ke8 16.Dc8+ Kf7 17.e8D#) 15.Dxd5 Sb6 16.Dxb5+ Kf8 17.Te3 1–0

Grischuk (2702) - Leko (2722)

1...c4! 2.bxc4 b3! 3.Dd2 Dxd2?? Effektvoll gewinnt: 3...Txd3 4.Txd3 (4.Dxc3 Txd1+ 5.Dc1 bxa2+; 4.Txh7+ Kxh7 5.Th1+ Th3) 4...Txd3 5.Dxc3 (5.Dxd3 Db2#) 5...Txd1+ 6.Dc1 Txc1+ 7.Kxc1 bxa2

4.Txd2 b2 5.c5 Tg8 6.d4 Txg4 7.Txa3 exd4 8.c6 Tc7 9.Txd4 Txc6 10.Ta7 Tb6 11.Td8+ Tg8 12.Txg8+ Kxg8 13.a4 h5 14.a5 Tb4 15.a6 h4 16.Tb7 Ta4 17.Txb2 Txa6 ½–½

Shirov (2697) - Svidler (2690)

1.Sxg7+ Kf8 2.Sxe6+!! fxe6 3.f5 Ke8 4.fxe6 Tf8 5.De2 und gegen Dh5 gibt es keine Verteidigung. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog