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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 2357 vom 11.10.2002, Kategorie Kolumne

Kramnik gegen Deep Fritz auf Erfolgskurs

Nach einer Reihe von Verschiebungen begann am 4.Oktober in Bahrain endlich das Match Kramnik - Deep Fritz. Nach der Niederlage Kasparovs gegen Deep Blue (IBM Programm) soll Kramnik die Ehre der Menschheit wieder herstellen. Und das tut er bisher ausgezeichnet: nach drei Partien (insgesamt 8 in klassischem Schach) führt er mit 2½-½. Zusätzliche Motivation für ihn ist natürlich der gut dotierte Preisfond: bei einem Sieg 1.000.000 Doller, bei Unentschieden 700.000 und bei einer Niederlage immerhin noch 500.000 Doller. Auch ein Wiener ist bei diesem Großereignis dabei: Alexander Kure ist zuständig für die Eröffnungsbücher im Deep Fritz-Team. Das Duell zwischen Kasparov und dem israelischen Schach-Programm „Junior" wurde auf nächstes Jahr verschoben.

Kramnik, V (2807) - Deep Fritz

Bahrain, 06.10.2002 [D27]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 Sf6 4.e3 e6 5.Lxc4 c5 6.0–0 a6 7.dxc5 Spezialität Kramniks. Diese Variante wählte er auch bei der WM-2000 gegen Kasparov.

7...Dxd1 8.Txd1 Lxc5 9.Kf1 Neuer Zug. Die übliche Fortsetzung ist: 9.Sbd2 Sbd7 (9...b6 10.Le2 Sbd7 11.Sc4 Lb7 12.b3 Ke7 13.Lb2 Thd8 14.Se1 b5 15.Sa5 Le4 16.Lf3 Lxf3 17.gxf3 Tdc8 18.Sd3 Tab8 19.Sxc5 Txc5 20.Tac1 Ke8 21.Ld4 Txc1 22.Txc1 mit Vorteil, Kramnik-Karpov, Frankfurt Giants, Rapid 1999.) 10.Le2 b6 11.Sb3 Le7 12.Sfd4 Lb7 13.f3 0–0 14.e4 Tfc8 15.Le3 Kf8 16.Sd2 Se5 17.S4b3 Tc6 18.Tac1 Tac8 19.Txc6 Txc6 20.g4 mit kompliziertem Spiel, Kramnik-Kasparov, WM London 2000.

9...b5 Schwächt den Damenflügel.

10.Le2 Lb7 11.Sbd2 Sbd7 12.Sb3 Eine Alternative wäre 12.b3 nebst Lb2.

12...Lf8? "Deep Fritz" ist ein Exzentriker. Dieser Zug ist kaum zu verstehen. Besser wäre 12...Lb6 oder 12...Le7.

13.a4 Kramnik kontert sofort auf dem Damenflügel.

13...b4 Nach 13...bxa4 14.Txa4 nebst Lc1–d2 und Td1–a1 wird der a6-Bauer sehr schwach.

14.Sfd2 Richtung c4.

14...Ld5 15.f3 Wie gegen Kasparov will Kramnik den weißfeldrigen Läufer einschränken.

15...Ld6 16.g3. 16.e4 scheitert an 16...Lxb3 17.Sxb3 Lxh2.

16...e5 17.e4 Le6 18.Sc4 Lc7 19.Le3 a5 20.Sc5 Jeder Sterbliche würde hier kaum noch Hoffnungen haben. Nicht aber Deep Fritz!

20...Sxc5 21.Lxc5 Sd7! Mittels feiner Taktik konnte sich Schwarz retten.

22.Sd6+ Kf8 23.Lf2 Das befürchtete 23.Sb5+ bringt Weiß nicht viel: 23...Sxc5 24.Sxc7 Lh3+ 25.Kf2 (25.Kg1 Tc8 26.Td5 Sb3 27.Te1 Ke7 ist für Schwarz problemlos.) 25...Tc8 26.Td5 (26.Tac1 Txc7 27.Td8+ Ke7 28.Txh8 Sxe4+) 26...Sb3 27.Tad1 g6 28.Lc4 Txc7 29.Lxb3 Le6 30.Td8+ Kg7 31.Lxe6 Txd8 32.Txd8 fxe6 33.Ke3 Tc2 34.Td2 Tc7 mit Ausgleich.

23...Lxd6 24.Txd6 Ke7 25.Tad1 Thc8 26.Lb5

26...Sc5! Deep Fritz findet unglaubliche Motive! Auf 26...Tc7 folgt 27.Kg2 (27.f4 Lg4) 27...f6 28.T1d2 mit der Idee f3-f4-f5.

27.Lc6 Lc4+ 28.Ke1 Sd3+ 29.T1xd3 Lxd3 30.Lc5 Lc4 Das ungleiche Läuferendspiel ist für Schwarz nicht erstrebenswert: 30...Txc6 31.Txc6+ Ke8 32.Tc7.

31.Td4+ Kf6 32.Txc4 Txc6 33.Le7+ Kxe7 34.Txc6 Kd7 35.Tc5 f6 Weiß hat Vorteil, der stets größer wird: 1. der a5 Bauer ist schwach, 2. der weiße Turm ist viel aktiver, 3. der weiße König hat die Marschroute d3-d3-c4-b5, 4. Weiß kann eine zweite Front mittel f3-f4 eröffnen und 5. Computer spielen in solchen passiven Stellungen immer noch schlecht.

36.Kd2 Kd6 37.Td5+ Kc6 38.Kd3 g6 39.Kc4 g5 40.h3 h6 41.h4 gxh4 42.gxh4 Ta7 43.h5 Ta8 44.Tc5+ Kb6 45.Tb5+ Kc6 46.Td5 Jetzt ist Schwarz in Zugzwang.

46...Kc7 Auf 46...Ta7 folgt 47.Td8 und Th8-h6.

47.Kb5 Der Rest ist elementar.

47...b3 48.Td3 Ta7 49.Txb3 Tb7+ 50.Kc4 Ta7 51.Tb5 Ta8 52.Kd5 Ta6 53.Tc5+ Kd7 54.b3 Td6+ 55.Kc4 Td4+ 56.Kc3 Td1 57.Td5+ Das Bauernendspiel ist aufgrund des entfernten a-Bauern leicht gewonnen: 57.Td5+ Txd5 58.exd5 Kd6 59.b4 axb4+ (59...Kxd5 60.bxa5 f5 61.a6 Kc6 62.Kc4 Kb6 63.Kd5) 60.Kxb4 Kxd5 61.Kb5 Kd6 62.a5 f5 63.a6 Kc7 64.Kc5 e4 65.fxe4 fxe4 66.Kd4 Kc6 67.Kxe4 Kb6 68.Kf5 Kxa6 69.Kg6 Kb6 70.Kxh6 Kc7 71.Kg7

1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog