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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 254 vom 31.05.1997, Kategorie Kolumne

Zwei Sieger beim 1. Linzer GM-Turnier: (31. Mai 1997)

Beim nach Wertung vor Almasi

Der israelische GM Valeri Beim, der sich bekanntlich in Wels, Oberösterreich, niedergelassen hat, nutzte in der Schlußrunde das frühen Remis zwischen Bacrot und Almasi (19) und zog mit einem überzeugenden Sieg über Viktor Kortschnoi dank besserer SB-Wertung am bisherigen Leader vorbei.

Publikumsliebling war zweifellos der erst 14jährige Franzose Etienne Bacrot, der in Linz sein erstes Turnier als GM spielte und dem eine große Zukunft vorausgesagt wird.

Von den heimischen Spielern erfüllte Markus Wach die in ihn gesetzten Erwartungen, während Harald Casagrande erst in der Schlußrunde gegen Lanka im "Duell der Frustrierten" (nach 12 Zügen!) zum ersten und einzigen halben Punkt kam.

Die Ergebnisse der 5. Bis 9. Runde:

5. Runde: 21.5.1996

IM H. Casagrande - GM Z. Almasi 0-1
GM I. Glek - GM V. Korchnoi 1-0
GM I. Rogers - GM Z. Lanka ½-½
IM M. Wach - GM E. Bacrot ½-½
GM O. Romanischin - GM V. Beim 0-1


6. Runde: 22.5.1996

GM Z. Almasi - IM M. Wach 1-0
GM V. Korchnoi - IM H. Casagrande 1-0
GM I. Rogers - GM I. Glek 1-0
GM E. Bacrot - GM O. Romanischin 1-0
GM Z. Lanka - GM V. Beim 0-1


7. Runde: 23.5.1996

GM O. Romanischin - GM Z. Almasi ½-½
IM M. Wach - GM V. Korchnoi ½-½
IM H. Casagrande - GM I. Rogers 0-1
GM I. Glek - GM Z. Lanka 1-0
GM V. Beim - GM E. Bacrot ½-½


8. Runde: 24.5.1996

GM Z. Almasi - GM V. Beim ½-½
GM V. Korchnoi - GM O. Romanischin ½-½
GM I. Rogers - IM M. Wach 1-0
GM I. Glek - IM H. Casagrande 1-0
GM Z. Lanka - GM E. Bacrot 0-1


9. Runde: 25.5.1996

GM E. Bacrot - GM Z. Almasi ½-½
GM V. Beim - GM V. Korchnoi 1-0
GM O. Romanischin - GM I. Rogers ½-½
IM M. Wach - GM I. Glek 0-1
IM H. Casagrande - GM Z. Lanka ½-½

1. Linzer GM-Tunrier (FIDE-Kat. XII)

Rg. Ti. Name Land Elo 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Pkt BS
1. GM V. Beim ISR 2555 * ½ ½ ½ 1 1 1 ½ 1 1 7 27,00
2. GM Z. Almasi HUN 2595 ½ * ½ ½ 1 ½ 1 1 1 1 7 26,50
3. GM E. Bacrot FRA 2500 ½ ½ * ½ 1 1 0 ½ 1 1 6 23,50
4. GM I. Glek RUS 2620 ½ ½ ½ * 0 ½ 1 1 1 1 6 22,50
5. GM I. Rogers AUS 2600 0 0 0 1 * ½ ½ 1 ½ 1 15,00
6. GM O.Romanischin UKR 2555 0 ½ 0 ½ ½ * ½ ½ ½ 1 4 14,25
7. GM V. Korchnoi SUI 2635 0 0 1 0 ½ ½ * ½ ½ 1 4 13,75
8. IM M. Wach AUT 2415 ½ 0 ½ 0 0 ½ ½ * 0 1 3 11,00
9. GM Z. Lanka LAT 2575 0 0 0 0 ½ ½ ½ 1 * ½ 3 9,50
10. IM H. Casagrande AUT 2365 0 0 0 0 0 0 0 0 ½ * ½ 1,50

Drei Sieger beim Linzer Pfingst-Open

Der israelische GM Ram Soffer verwies aufgrund der knapp besseren BH-Wertung den VOEST-Linz-Legionär GM Wolfgang Uhlmann und den noch titellosen Polen Jerzy Ciruk auf die Plätze 2 und 3.

Bester Österreicher wurde IM Niki Stanec, der hinter dem topgesetzten Ukrainer GM Vladimir Malianuk (4) gemeinsam mit den Oberösterreichern Hermann Knoll und FM Peter Kranzl (8./9.) Platz 4 bis 8 teilte.

Gute Placierungen erreichten noch (9.-14): IM Khaled Mahdy (9), FM Heinrich Rolletschek (10) und Guenter Moser (14)

Im "Open" hatten sich 94 Spieler aus verschiedenen Nationen, darunter 3 GM ,4 IM's und 6 FM eingefunden.


Das Spitzenfeld

Rg. # Tit. Name Elo-
Int
Elo-
Nat
Nat. Verein Pkt. BH.
1 2 GM R.Soffer 2525   ISR   7 50
2 3 GM W.Uhlmann 2480   GER VOEST LINZ 7 49.5
3 15   J.Ciruk 2235   POL   7 47
4 1 GM V.Malaniuk 2610   UKR   55.5
5 4 IM N.Stanec 2460   AUT Merkur Graz 54.5
6 5 IM E.Szalanczy 2410   HUN SCM Winterthur 49.5
7 17   H.Knoll 2225   AUT SV Gmunden 49.5
8 26 FM P.Kranzl 2205   AUT SC Traun 67 46
9 6 IM K.Mahdy 2395   AUT SCM Winterthur 6 50
10 7 FM H.Rolletschek 2345   AUT VOEST Linz 6 50
11 9 IM J.Rigo 2325   HUN Fuerstenfeld 6 45.5
12 24   M.Vettel   2207 GER SC Freiburg 6 44
13 26   A.Schelle   2205 GER SC Sendling 6 43
14 8 FM G.Moser 2340   AUT Traun 67 6 42.5

 

Turnierdominator

Der 20jährige ungarische GM Zoltan Almasi drückte dem Linzer GM-Turnier über weite Strecken seinen Stempel auf und wurde erst in der Schlußrunde von dem in Österreich lebenden Israeli GM Valeri Beim gestellt.

In der nachstehenden Partie bringt er Viktor Kortschnoi gewissermaßen auf dessen eigenen Terrain zu Fall.

(Eine Partie von Co-Sieger Valeri Beim ist in Vorbereitung).

Weiß: GM Z. Almasi

Schwarz: GM V. Kortschnoi

Spanisch [C82]

1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0–0 Sxe4. Der "Offene Spanier" stellte die Lieblingsverteidigung Kortschnois im WM-Kampf gegen Karpow, Bagio City 1978, dar. Der frühere Vizeweltmeister gilt als einer der besten Kenner dieses Systems und ist auch verantwortlich für die beim Schachinformator erschienene Monografie über dieses Thema.

6. d4 b5 7. Lb3 d5 8. dxe5 Le6 9. Sbd2. Gemeinsam mit 9. c3 die gebräuchlichste Erwiderung, doch ist auch 9. Le3!? nicht unproblematisch für Schwarz.

9. ... Sc5 10. c3 Le7. Schwarz weicht hier von der Hauptvariante ab, in der Weiß nach 10. ... d4 11.Lxe6 (Im WM-Kampf Bagio City 1978 stand hier die Fortsetzung 11. Sg5 zur Diskussion.) 11. ... Sxe6 12. cxd4 Scxd4 13. Se4 das etwas freiere Spiel erlangt. Die nun entstandene Stellung gelangt gewöhnlich mit der Zugfolge 9. c3 Le7 10. Sbd2 Sc5 aufs Brett.

11. Lc2 Lg4 12. Te1 0–0. Versucht wurde auch 12. ... Dd7 13. Sb3 Se6 14. h3 Lh5 15. Lf5 Scd8 16. Le3 a5 17. Lc5 a4 18. Lxe7 Dxe7 19. Sbd4! Sxd4 20. cxd4 Se6 21. g4!, und Weiß besaß in der Fernpartie Hamarat-Palmo 1990 klaren Vorteil.

13. Sb3. Oder 13. h3 Lh5 14. Sf1 Te8 15. Sg3 Lg6 16. Le3 Dd7 17. Lxg6 hxg6?! 18. Dc2 Se6 19. Tad1 Sa5 20. h4 mit guten Angriffsaussichten am Königsflügel, Sznapik-Marin, Zonenturnier Budapest 1993.

13. ... Se4. Vorteilhaft für Weiß ist 13. ... Te8 14. h3 Sxb3 15. Dd3 g6 16. Lxb3 Le6 17. Sd4, oder 13. ... Se6 14. Dd3 g6 15. Sfd4 Scxd4 16. Sxd4 Sxd4 17. cxd4 c5 18. Dg3 Dd7 19. dxc5 Lxc5 20. Lg5 Tfe8 21. Lf6 Tac8 22. Lb3 Lf5 23. Tad1 d4 24. Df4, Chandler-Wedberg, Haninge 1988.

14. Lf4. Ein Zug von Aljechin. Etwas günstiger für Schwarz wäre hingegen 14. Lxe4 dxe4 15. Dxd8 Taxd8 16. Txe4 Td1+ 17. Se1 (Fatal wäre 17. Te1?? wegen 17... Lxf3 ) 17. ...Tfd8.

14. ... f6. Etwas besser scheint 14. ... Te8!? 15. Lxe4 dxe4 16. Txe4 (Nicht aber 16. Dxd8? Lxd8! 17. Txe4 f5, mit der Absicht, nach Lxf3 nebst g5 und Sxe5 das etwas bessere Spiel zu erlangen.) 16. ... Dxd1+ (Zu erwägen war auch 16. ... Dc8!? 17. Dd5 Sd8) 17. Txd1 Lxf3 18. gxf3 Tad8 19. Tee1 g5 20. Lg3 Kg7 21. e6 Txd1 22. Txd1 f5, Kuczynski-Marin, Zonenturnier Budapest 1993, und Schwarz hat Gegenspiel am Königsflügel.

15. exf6 Sxf6. 15. ... Txf6? verliert wegen 16. Lxc7!.

16. Dd3. Weiß ist nun, wie bereits seit der Partie Aljechin-Nimzowitsch, St. Petersburg 1914, bekannt, klar in Vorteil.

16. ... Dd7 17. Se5 Sxe5 18. Lxe5 g6. 18. ... Se4? verliert wegen 19. f3 umgehend.

19. Dd4!. Verhindert den Befreiungsstoß c7-c5.

19. ... c6 20. f3!. Der Textzug sichert das Feld "e4" und beugt gleichzeitig etwaigem Spiel in der g-Linie vor.

20. ... Lf5 21. Lxf5 Dxf5 22. Db6 Dd7 23. a4!. Weiß verdichtet seinen Vorteil mit weiterer Linienöffnung am Damenflügel.

23. ... Tfc8 24. Df2 Tf8. Schwarz agiert planlos, allerdings ist die Stellung bereits verdorben.

25. Dd4. Schwarz befindet sich de facto in einer Zugzwangstellung!

Diagramm (21 kB)

25. ... Dc8. Schwarz hat nichts Besseres!

26. Lg3!. Jetzt kommt die offene e-Linie zum Tragen.

26. ... c5 27. De3 Tf7 28. axb5 d4!?. Geistrich in Anbetracht von 28. ... axb5 29. Txa8 Dxa8 30. Sxc5 Da7 31. b4 und Weiß gewinnt, doch ebenfalls ungenügend.

29. De6!. Macht den Sack zu. Hingegen bot 29. cxd4 c4! 30. Sc5 axb5 dem Nachziehenden noch Gegenspiel.

29. ... axb5. Ebenso hoffnungslos war das Endspiel nach 29. ... Dxe6 30. Txe6. 30. Ta7!!. Elegant gespielt!

30. ... dxc3 31. bxc3 c4 32. Sd4 Sd5 33. Tea1 und Schwarz streckte angesichts unvermeidbaren Materialverlusts die Waffen.

ÖM Lothar Karrer