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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 259 vom 06.06.1997, Kategorie Kolumne

1. Linzer GM-Turnier - Partiennachlese (6. Juni 1997)

Nachdem der frühere ungarische Juniorenweltmeister GM Zoltan Almasi bis zur Schlußrunde dominiert hatte, wurde er am Ende noch von dem in Wels, OÖ, niedergelassenen israelischen GM Waleri Beim abgefangen und nach SB-Wertung überholt.

In der nachstehenden Partie wählt der frühere ukrainische Weltklasse-GM, der im übrigen dank eines Germanistik-Studiums recht gut Deutsch spricht, einen etwas eigenwilligen Partieaufbau, den der Israeli glänzend widerlegt ...

GM Valeri Beim (Israel) (9kb)

GM Valeri Beim (Israel)

Weiß: GM O. Romanishin

Schwarz: GM W. Beim

Königsindisch im Anzug [A49]

Anm. I. Balinov

1. d4 d6 2. g3 g6 3. Lg2 Lg7 4. Sc3 Sf6 5.Sf3. Häufiger entwickelt man den K-Springer nach e2.

5. ... 0-0 6. 0-0 Sc6. Als Alternative bot sich 6. ... Sbd7 mit der Absicht, e7-e5 nachfolgen zu lassen, an.

7. d5. Nach 7. h3 Lf5 8. Te1 Se4 9. Sxe4 Lxe4 10. c3 e5 11. dxe5 dxe5 12. Dxd8 Taxd8, hatte der Nachziehende in Ree-Saizew, Sotschi 1976, keine Mühe, das Spiel auszugleichen.

7. ... Sa5 8. Tb1. Weiß entfernt den vorsorglich den Ta1 aus der Diagonale a1-h8, um nach b2-b3, den den D-Springer auf a5 festzunageln.

8. ... Ld7 9. e4 c6 10. b3 cxd5 11. exd5 Tc8. Die am Brett befindliche Stellung weist Merkmale der Drachenverteidigung im Sizilianer auf. Als Kompensation für den im Abseits befindlichen Rappen auf a5 beherrscht Schwarz die durch "b2-b3" geschwächte c-Linie.

12. Ld2. Elastischer erscheint 12. Lb2!?.

12. ... b5 13. a3 Te8. Zwecks Vorbereitung von e7-e6.

14. h3. Gegen das bekannte Entlastungsmanöver Sf6-g4-e5 gerichtet. 14. ... a6 15. Sd4 Db6 16. Sce2 e5!. Mit diesem kraftvollen Zentrumsvorstoß, der die mangelnde Koordination der weißen Figuren aufzeigt, reißt Schwarz die Initiative an sich.

17. dxe6 fxe6. Die hängenden Bauern sind hier - da Weiß sie nicht zu blockieren vermag -, nicht schwach, sondern stark! 18.De1 Sb7 19.Tc1 e5 20.Sf3 d5.

Diagramm (15 kB)

Schwarz steht überlegen!

21. Sh2 d4. Der israelische GM unterbindet mit einfachen Mitteln das Entlastungsmanöver 22. Sg4 Sxg4 23. hxg4 Lxg4 24. Lxd5+.

22. Lg5 Sd6 23. Lxf6 Lxf6 24. Dd2 Lc6!. Erzwingt den Tausch, der letzten weißen Figur, die das Feld "e4" kontrolliert.

25. Lxc6 Dxc6 26. h4. Ein zaghafter Versuch, Gegenspiel zu erlangen.

26. ... Se4 27. Dd3 Sc5 28. Dd2 De6 29. b4. Weiß forciert Springertausch, doch führt dies eher zu einer weiteren Schwächung des weißen Lagers, denn zu einer Entlastung. Zu versuchten war daher 29. Tce1!?, mit der Idee 30. Se2 und 31. Te2.

29. ... Se4 30. Dd3 Sc3 31. Sxc3 Txc3 32. De4 Df5!. Mit dem Textzug weist der Nachziehende einmal mehr nach, daß die Dame eine schlechte Blockadefigur ist.

33. Dd5+. Sofort verliert 33. f3? Dxe4 34. fxe4 Txg3+.

33. ... Kh8 34. Tfe1 e4. Das weiße Freibauernpaar lähmt die weiße Stellung zusehends.

35. Df7 De6 36. Dxe6 Txe6 37. Sf1 Txa3. Schwarz konnte hier bereits das Handtuch werfen.

38. Sd2 e3! 39. Sb3. Ebenso hoffnungslos war 39. fxe3 Taxe3 40. Kf2 Le7 41. Sb3 Txe1 42. Txe1 Txe1 43. Kxe1 Lxb4+.

39. ... d3! 40.Txe3 Txe3 41.fxe3 dxc2 42.Sd4. Oder 42.Sd2 Ta1.

42. ...Txe3 und Weiß gab auf.

Eine äußerst zielstrebig gespielte Partie des Co-Turniersiegers!

 

Taktisches Gemetzel

Der erst 14jährige Franzose spielte gegen den Lokalmatador Casagrande nach dem Motto "Keine Schlacht, ein Schlachten war's!

 

Weiß: GM E. Bacrot

Schwarz: IM H. Casagrande

Benoni [A44]

Anm. I. Balinov

1. d4 c5 2. d5 e5. Weiß spart bei dieser Zugfolge vorteilhaft den Zug c2-c4.

3. Sc3 d6 4. Sf3 f5 5. e4 f4?. Günstig für Weiß ist auch 5. ... Sf6 6. Lb5+ Besser war jedenfalls 5. ... a6.

6. Sxe5! dxe5 7. Dh5+ Ke7. Nicht besser ist 7. ... Kd7 8. Dxe5 Df6 9. Lb5+ oder 7. ... g6?? 8. Dxe5+ Kf7 9. Dxh8 Sf6 10. e5+, und Weiß gewinnt jeweils rasch.

8. Dxe5+ Kf7 9. Lxf4. Gut war auch 9. Dxf4+!?.

9. ... a6. Zu langatmig, doch verfügt Schwarz über keine bessere Alternative, z.B. 9. ... Df6 10. Dc7+ Sd7 (Auf 10. ... Se7 folgt 11. Lc4 oder - einmal mehr 11. e5!) 11. e5!.

10 .Lc4!?. Attraktiv, doch gewann auch 10. d6 Le6 11. Dxc5.

10. ... b5.

Diagramm (15 kB)

11. d6+!. Entscheidend!

11. ... bxc4 12. Dd5+ Le6 13. Dxa8 g5. Ist die Stellung einmal ruiniert, lebt sichs weiter ungeniert!

14. Le5 Lg7. Hartnäckiger war 14. ... Sf6 15. 0–0–0 Lg7 16. Da7+ Sbd7.

15. Lxg7 Kxg7 16. 0–0–0 Sf6 17. e5 Sg4 18.Da7+ Sd7 19.Se4 c3. Ebenso hoffnungslos war 19. ... Dc8 20. Sxg5 oder 19. ... Kg6 20.Sxc5.

20. Sxc5. Möglich war auch 20. bxc3.

20. ... cxb2+ 21. Kb1 Te8 22. Dc7! Lf5. Oder 22. ... Dxc7 23. Sxe6+ Txe6 24. dxc7 Sb6 25.Td6 Txd6 26.exd6 Sf6 27.Te1.

23. e6! Dxc7. Natürlich nicht 23. ... Lxe6 wegen 24. Dxd8 Txd8 25. Sxe6+.

24. dxc7 Sb6. Nicht besser ist 24. ... Sxc5 25. Td8 Sxe6 26. Txe8.

25. Td8 Sf6 26. Thd1 Sc8 27. Kxb2 Se7 28. Txe8 und Schwarz strich wegen 28. ... Sxe8 29. Td7 die Segel.


Madrid: Topalow vor Schirow

Der bulgarische GM Weselin Topalow, der das vom 20.5. bis 1.6. durchgeführte "VI Torneo Magistral 1997" zeitweilig mit 1½ Punkten Vorsprung angeführt hatte, wurde in der Schlußrunde zwar noch von dem in Spanien niedergelassenen Letten GM Alexei Schirow abgefangen, hatte aber im Tiebreak das bessere (glücklichere) Ende für sich (2 Schnellpartien endeten ebenso wie die abschließende Blitzpartie remis, doch führte der Bulgare in dieser die schwarzen Steine!).

VI Torneo Magistral 1997

Rg Tit. Name NAT ELO 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Pkt SB
1. GM W. Topalow BUL 2725 * 1 ½ ½ ½ 1 1 ½ 1 ½ 28,25
2. GM A. Schirow ESP 2690 0 * ½ ½ ½ 1 1 1 1 1 24,25
3. GM A. Beljawski SLO 2665 ½ ½ * ½ ½ 1 ½ 0 1 1 22,25
4. GM W. Akopjan ARM 2655 ½ ½ ½ * ½ 0 ½ 1 1 1 21,25
5. GM M. Illescas ESP 2635 ½ ½ ½ ½ * ½ 1 ½ 0 ½ 21,25
6. GM N. Short ENG 2690 0 0 0 1 ½ * ½ ½ 1 1 15,75
7. GM J. Polgar HUN 2645 0 0 ½ ½ 0 ½ * 1 1 1 15,25
8. GM W. Salow RUS 2665 ½ 0 1 0 ½ ½ 0 * ½ ½  
9. GM J. Piket NED 2640 0 0 0 0 1 0 0 ½ * 1  
10. GM P.San Segundo ESP 2505 ½ 0 0 0 ½ 0 0 ½ 0 *  

Schachoscar 1966 für Garri Kasparow

Dank einer Initiative des russichen Schachmagazins "64" unter Alexander Roschal wurde die auf eine Initiative der AIPE (Vereinigung der Schachjournalisten) zurückgehende Auszeichnung neu belebt und sah hierbei - wie nicht anders zu erwarten war - PCA-Weltmeister Garri Kasparow mit 2876 Punkten als Gewinner. Die weitere Reihenfolge: 2. W. Topalow (BUL/1918), 3. A. Karpow (1871), 4. W. Kramnik (RUS/1827), 5. W. Anand (IND/1768), 6. W. Iwantschuk (UKR/1052), 7. B. Gelfand (BLR/554), 8. G. Kamsky (USA), 9. N. Short (ENG), 10. J. Polgar 332.5.