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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3334 vom 06.12.2002, Kategorie Kolumne

Thomas Luther - neuer deutscher Meister.

Die 74. deutsche Staatsmeisterschaft in Saarbrücken vom 21. bis 30. November gewann etwas glücklich der Erfurter GM Thomas Luther. Es ist der zweite Titel für den Nationalspieler und Merkur-Graz-Legionär nach 1993. Dabei war sein Start alles anders als überzeugend: Zunächst zwei Remisen und dann eine Niederlage gegen Naiditsch in der 7. Runde. Mit zwei wichtigen Siegen gegen Hübner und Gutmann kam er schließlich auf 7 Punkte. Das reichte für den Sieg. Wie erging es dem bis zur 7. Runde mit einem Punkt Vorsprung dominierenden Arkadij Naiditsch? Gegen die Spitze: Hübner, Graf, Dautov und Luther hatte er schon gespielt. Der Sieg schien hautnah zu sein. In der 8 Runde traf er auf den Kämpfer Gutmann und verpatzte eine gute Stellung. Das Drama steigerte sich in der 9. Runde: Mit einer Qualität mehr und besserer Stellung gegen Florian Handke fiel ihm im 40. Zug die Klappe! Im Endeffekt verblieb ihm nur der undankbare vierte Platz. Der glückliche Handke wurde Dritter und erfüllte seine dritte GM-Norm. Graf besiegte Jussupow und landete am zweiten Platz.

Endstand nach 9 Runden:

Weiß: Hübner, R (2640)

Schwarz: Luther, T (2538)

74. DEM Saarbrücken [B10]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.c4 c6 2.e4 d5 3.exd5 Sf6 4.Da4 4.d4 cxd5 führt zu Panow-Angriff.

4...e6 5.dxe6 Die Alternative wäre: 5.dxc6 Sxc6 6.Sf3 Lc5 7.d4 (7.Le2 0–0 8.0–0 e5 mit Kompensation.) 7...Lxd4 8.Sxd4 Dxd4 9.Dc2 e5 10.Sc3 Dc5 mit Ausgleich.

5...Lc5 6.Sf3 6.exf7+ Kxf7 nebst 7....Te8 mit starkem Angriff.

6...Sg4 Neuer Zug. Weniger Probleme hatte Weiß in der Partie : 6...Lxe6 7.Le2 Sg4 8.0–0 Db6 9.d4 Lxd4 10.Sxd4 Dxd4 11.Db4 Sd7 12.Sc3 Remis, Hzai-A.Kiss AUT-chT 1994.

7.d4 Lxd4 8.Sxd4 Interessant wäre auch 8.exf7+ Kxf7 9.Sg5+ Kg8 10.Sh3 Sa6 11.Sc3 Sc5 mit Initiative für den Minusbauern. (oder 11...Lf5 )

8...Dxd4 9.Dc2 Sa6 10.Sa3 10.a3 verhindert den Springer auf b4, das kostet aber Zeit: 10...Sc5 (10...Lxe6 11.h3 Se5 12.Le3 Dh4 13.Sd2 0–0 14.Dc3 und Weiß steht schon Spur besser.) 11.b4 (11.h3 Sxf2 12.Dxf2 Dxf2+ 13.Kxf2 Sb3 14.Sd2 Sxa1 15.exf7+ Kxf7 16.Ld3 Tf8 17.b4 Kg8+ 18.Sf3 Lf5 19.Lxf5 Txf5 20.Lb2 Sb3 und der Springer kommt raus.) 11...Sb3 (11...Dxa1 ist schlecht wegen 12.Lb2 Da2 13.bxc5 mit der Drohung Sc3.) 12.Ta2 Sxc1 13.Dxc1 Lxe6 14.Td2 De4+ 15.Te2 Df5 16.Sd2 0–0–0 und Weiß hat weiter Probleme mit der Entwicklung.

10...Lxe6 11.h3 11.Dd2 Db6 12.Df4 0–0–0 13.Le2 Db4+ (13...Td4 14.Dg3 Db4+ 15.Dc3) 14.Kf1 The8 mit klarem Übergewicht für Schwarz.

11...Sb4 12.Dd2 De4+ 13.Le2 Nicht 13.De2 wegen 13...Sd3+

13...Dxg2 14.Tf1 Sh2 15.Dxb4 0–0–0 Fritz 7 nimmt 15...Lxh3 und ist äußerst zufrieden mit der schwarzen Stellung.

16.Sb5 Interessante Idee, die aber nicht funktioniert. 16.Ld2 Sxf1 17.Lxf1 De4+ 18.Le3 f5 19.Sb1 f4 20.Sc3 Df3 und Schwarz gewinnt.

16...cxb5 17.Lf4 Dxf1+

Spektakuläre Entscheidung!

18.Lxf1 Sf3+ 19.Ke2 Sd4+ Schwarz gewinnt die Dame zurück und es bleiben zwei Mehrbauern.

20.Kd2 Sc6+ 21.Dd6 Txd6+ 22.Lxd6 Lxc4 23.Kc3 Td8 24.Lf4 Lxf1 Hier führen schon alle Wege nach Rom: 24...b4+ 25.Kxc4 Td4+ 26.Kc5 Txf4

25.Txf1 b4+ 26.Kc2 Td5 27.Le3 Kd7 28.Tg1 g6 29.Tg4 a5 30.Th4 h5 31.Tf4 f5 32.h4 b5 33.Tf3 Sd4+ 34.Lxd4 Txd4 35.Td3 Eine kleine Hoffnung!

35...Txd3 36.Kxd3 g5 Doch keine! 36...Ke6 37.f4 Kd5 38.b3 wäre positionelles Remis!

37.hxg5 h4 38.Ke2 38.Ke3 ändert auch nichts: 38...h3 39.Kf3 f4

38...f4 39.f3 Ke6 40.Kf2 Kf5 41.Kg2 Kxg5 42.Kh3 Kh5 43.Kg2 Kg6 44.Kh2 Kf6 45.Kh3 Ke5 46.Kxh4 Kd4 46...Kd4 47.Kg5 Ke3 48.Kg4 a4 49.b3 a3. Schwer zu sagen, wo Weiß den entscheidenden Fehler gemacht hat. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog