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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3348 vom 27.12.2002, Kategorie Kolumne

U20-Weltmeisterschaft in Indien

Die 41. WM für Junioren U20 und die 19. WM für Mädchen U20 fand vom 8. bis 21. Dezember in Goa statt.

Die kleine österreichische Gruppe (Eva Moser, Wendelin Sprenger und ich als Betreuer) flog am 7. Dezember. Die Anreise dauerte mehr als 20 Stunden mit einem 10-stündigen nächtlichen Zwischenstop in Delhi. Zeit fürs Akklimatisieren bestand kaum. Schon am zweiten Tag gab es eine Doppelrunde, die für Eva (sie zählte zu den Mitfavoritinnen) zum Verhängnis wurde. Von zwei besseren Stellungen erreichte sie nur einen halben Punkt. Die Müdigkeit zeigte sich auch in den nächsten Runden. Fazit: nur 2 Punkte aus 5 Partien. Mit viel Kampfgeist kam sie aber wieder ins Rennen: nach 10 Runden war sie mit 6½ Punkten auf Platz 5. In der 11. Runde spielte sie auf Brett 1 gegen die führende Chinesin und spätere Weltmeisterin Zhao Xue. Eva überspielte ihre Gegnerin völlig, in gewonnener Stellung übersah sie aber in Zeitnot (es wurde wie bei der Olympiade in Bled mit 90 Minuten + 30 Sekunden pro Zug gespielt), ein taktisches Motiv und musste sich mit Remis abfinden. Damit schrumpfte auch die Chance auf eine Medaille. Trotzdem kämpfte sie weiter und in der 12Runde konnte sie sogar gegen die zweitplatzierte Koneru die Partie umdrehen, aber wieder in der Zeitnotphase (beide Spielerinnen hatten 1 Minute) war das Glück gegen sie. Der 15. Platz mit 7 Punkten ist klar unter Eva's Möglichkeiten, aber sie war eine der Wenigen, die den dominierenden Spielerinnen Zhao Xue und Koneru Paroli bieten konnte.

Wendelin Sprenger war zusätzlich schachlich übermüdet, er spielte kurz davor die U18 WM in Chalkidiki. Über seine Erwartung kam er nicht hinaus. Seine 5 aus 13 sind zufriedenstellend. Großes Kompliment an die Veranstalter, die sich viel Mühe machten und ausgezeichnete Bedingungen schufen.

Ilia. Balinov

Endstand nach 13 Runden:

Hier die Gewinnpartie des neuen Weltmeisters Aronian aus der 13. Runde:

Weiß: Aronian, L (2581)

Schwarz: Jakovenko, D (2570)

41st WJun Goa IND [D40]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.c4 Sf6 2.Sf3 e6 3.Sc3 c5 4.e3 d5 5.d4 Sc6 6.a3 a6 7.dxc5 Lxc5 8.b4 La7 9.Lb2 0–0 10.Dc2 De7 11.Tc1 Hier wird auch gerne 11.Td1 gespielt: 11...Td8 12.Le2 dxc4 13.Txd8+ Sxd8 14.Se4 Sxe4 15.Dxe4 Ld7 16.Lxc4 Tc8 17.Se5 Le8 18.0–0 Lb8 19.Lb3 f6 20.Sf3 Lf7 mit kleinem Vorteil für Weiß, Hübner-Ftacnik, Rubinstein mem.1995.

11...Td8 12.Le2 h6 Keine Probleme hatte Schwarz in der Partie Miles-Plaskett, Redbus 1999: 12...dxc4 13.Lxc4 b5 14.Ld3 (14.Sxb5 scheitert an 14...axb5 15.Lxb5 Sxb4 16.axb4 Dxb4+ Schach.) 14...Lb7 15.0–0 Tac8 16.Db1 h6 17.Tfd1 Lb6 18.h3 Td6 19.Se4 Sxe4 20.Lxe4 Txd1+ 21.Txd1 a5 mit Ausgleich.

13.0–0 dxc4 14.Lxc4 b5?? Grober Fehler, obwohl die weiße Antwort nicht so offensichtlich ist.

15.Sxb5!

15...axb5 16.Lxb5 Sxb4 Auf 16...Sb8 folgt das forcierte 17.Dxc8 Txc8 18.Txc8+ Kh7 19.Ld3+ g6 20.Lxf6 Dxf6 21.Le4 und Weiß erhält genügend Material für die Dame.

17.axb4 Tb8 17...Dxb4 18.Dc7 (18.Lc6 verspricht Weiß kleinen aber dauerhaften Vorteil 18...La6 19.Lxf6 gxf6 20.Lxa8 Lxf1 21.Txf1 Txa8 22.Tb1) 18...Tf8 19.Lxf6 Dxb5 20.Dg3 g6 21.Se5 mit Angriff.

18.Se5 Weiß lässt die Initiative nicht aus der Hand.

18...Lb7 18...Txb5 19.Sc6 De8 20.Sxa7 Tb8 21.Sc6 mit Qualitätsgewinn.

19.Da4 19.Dc7 ist auch sehr stark.

19...Le4 19...Lb6 20.Sc6 Lxc6 21.Lxc6 und Weiß hat einen gesunden Bauern mehr und die bessere Stellung.

20.Tc4 Starker Zug, überdeckt den b-Bauern und übt Druck auf den e4-Läufer.

20...Ld5 21.Sc6 Lxc6 22.Lxc6 Sd5 23.Tg4 Der zukünftige Weltmeister verkompliziert die Partie in der schwarzen Zeitnot. 23.b5 wäre einfacher.

23...e5 24.b5 f5 25.Tc4 Sb6 26.Db4 De6 27.Tcc1 Mit dem Turmmanöver wurde zusätzlich der schwarze Königsflügel geschwächt.

27...Tf8 28.Dc3 Sd7 29.Tfd1 Schwarz verliert auch noch den e5-Bauern daher gab Jakovenko auf. Mit diesem schnellen Sieg sicherte sich der junge armenische GM Levon Aronian ganz verdient den WM Titel ! 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog