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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3391 vom 28.02.2003, Kategorie Kolumne

Linares: 16- Jähriger schlägt Kasparov

Am 21. Februar wurde zum 20. Mal das Super-GM-Turnier in Linares (Spanien) eröffnet. Die Veranstalter haben schon seit Jahren auf Doppelrundenmodus umgestellt, heuer sind es sieben Doppelrunden. Neben der Weltelite - Kasparov, Kramnik, Anand, Leko, Ponomariov - sind noch der junge Lokalmatador Vallejo Pons und der erst 16-jährige Timur Radjabov dabei, der mit einem Sieg über Kasparov gleich eine handfeste Sensation lieferte. Für die Partien Kramnik - Leko und Ponomariov - Kasparov ist der Wettbewerb auch die Generalprobe vor den WM-Duellen.

Hier die Sensationspartie aus der zweiten Runde .

Weiß: Kasparov, G (2847)

Schwarz: Radjabov,T (2624)

XX SuperGM Linares (2) [C11]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 a6 8.Dd2 b5 8...cxd4 9.Sxd4 Lc5 10.0–0–0 0–0 ist die Grundstellung in dieser Variante der Französischen Verteidigung.

9.a3 Ein seltener Zug. Am häufigsten kommen 9.Le2 oder 9.dxc5 Lxc5 10.Lxc5 Sxc5 11.Df2 vor.

9...Db6 10.Se2 Zum ersten Mal auf Großmeisterniveau gespielt. Eine ungefähr gleiche Stellung entstand in der Partie : 10.Le2 cxd4 11.Sxd4 Lc5 12.Td1 Lb7 13.0–0 Tc8 14.Kh1 Lxd4 15.Lxd4 Dxd4 16.Dxd4 Sxd4 17.Txd4 Ke7 Apicella-Legky, Paris open 1998.

10...c4 Nachdem Kasparov den wichtigen Punkt d4 überdeckt hat, entscheidet sich Radjabov für ein Spiel am Damenflügel. Er bereitet b5-b4 vor.

11.g4 Weiß hingegen attackiert gleich am Königsflügel: es droht bereits f4-f5. 11...h5 Die richtige Reaktion.

12.gxh5 Txh5 13.Sg3 Th8 14.f5 exf5 15.Sxf5 Sf6 16.Sg3 16.Sxg7+ Lxg7 17.exf6 Lxf6 bringt Weiß wenig.

16...Sg4 17.Lf4 Le6 18.c3 Sichert den Bauern d4, schwächt aber das Feld b3 und die Diagonale b1–h7.

18...Le7 19.Sg5 0–0–0 20.Sxe6 fxe6 21.Le2

Sgxe5 Ein mutiges intuitives Opfer, das sich psychologisch als richtig erwies! Den h2-Bauern zu nehmen ist sehr gefährlich: 21...Txh2 22.Txh2 Sxh2 23.Sh5 g6 24.Sf6 Th8 25.0–0–0 oder 21...Sxh2 22.Sh5 g6 23.Sf6 oder 21...Sh6

22.De3 Hier einige Varianten, wenn Weiß das Opfer annimmt. 22.dxe5 d4 23.0–0–0 g5 24.Lxg5 dxc3 25.Df4 (25.De3 Txd1+ 26.Txd1 Dxe3+ 27.Lxe3 Txh2 Richtung Remis) 25...cxb2+ unklar oder 23.cxd4 23...Txd4 (23...Sxd4 24.Dc3) 24.Le3 Txd2 (24...Lg5 25.Lxg5 Txd2 26.Lxd2 Sxe5) 25.Lxb6 Txb2 26.0–0 Kb7 27.Lf2 Tb3 unklar. 24.De3 Tf8 mit klarem schwarzen Vorteil. 24.Dc1 24...Sa5 25.Le3 Sb3 26.Lxd4 Dxd4 27.Dd1 (27.Dc3 Sxa1 28.Dxd4 Sc2+ 29.Kf2 Sxd4) 27...De3 Schwarz steht auf Gewinn. 22.Lxe5 Sxe5 23.dxe5 Lc5 (23...d4 24.0–0–0) 24.Lg4 Le3 25.De2 d4 26.cxd4 Dxd4 (26...Da5+ 27.Kf1 Thf8+ 28.Kg2 Tf2+ 29.Dxf2 Lxf2 30.Kxf2 Txd4 unklar) 27.Lxe6+ Kb8 28.Sf5 De4 29.Sxe3 Dxh1+ 30.Sf1 Td4 31.Lf5 Tf8 32.Lc2 Tdf4 33.0–0–0 Txf1 34.e6 Txd1+ 35.Lxd1 Dd5 und Schwarz muss gewinnen.

22...Sd7 23.Dxe6 Lh4 Nach 23...Tdf8 24.Ld2 (24.Sf5 Lh4+ 25.Sxh4 Txf4 26.Sf5) 24...Dc7 25.Sf5 hat Weiß Vorteil.

24.Dg4 Kasparov vertraut seinem jungen Kollegen zu viel. 24.Dxd5 wäre hier besser.

24...g5 25.Ld2 Tde8 oder 25...Sa5.

26.0–0–0 Sa5 27.Tdf1?? Grober Fehler. Nach 27.Kb1 De6 (27...Lxg3 28.hxg3 Txh1 29.Txh1 Sb3 30.Lxg5 Dg6+ 31.Ka2 Txe2 32.Dxe2 Dxg5 33.De6 und Weiß steht klar besser.) 28.Dxe6 Txe6 29.Lg4 Tf6 30.Thf1 Txf1 31.Txf1 Sb3 32.Lc1 Kc7 mit Gleichgewicht. Aber nicht 33.Tf7 wegen 33...Lxg3

27...Sb3+ 28.Kd1 Lxg3 29.Tf7 29.hxg3 verliert nach 29...Dg6 30.Lc1 Db1 31.Dxg5 Sxc1 32.Dxc1 De4 leicht.

29...Td8 29...De6 war auch möglich.

30.Lxg5 30.Txd7 konnte die Partie wegen der Diagonale b1–h7 auch nicht halten: 30...Txd7 31.Dxg3 Dg6.

30...Dg6 31.Df5 Dxf5 32.Txf5 Tdf8 33.Txf8+ Sxf8 34.Lf3 Lh4 34...Txh2 ist nicht so gut, weil nach 35.Txh2 Lxh2 36.Lxd5 Weiß gute Remischancen hat.

35.Le3 Sd7 36.Lxd5 Te8 37.Lh6 Sdc5! Starker Zug!

38.Lf7 38.dxc5 Td8

38...Te7 39.Lh5 Sd3 39...Sd3 40.Kc2 Th7 41.Lg4+ Kd8 42.Le3 (42.Lf5 Txh6 43.Lxd3 Sxd4+ 44.cxd4 cxd3+ 45.Kxd3 Lf6 mit Gewinnstellung für Schwarz.) 42...Te7 43.Lh6 Sf2 44.Tg1 Sxg4 45.Txg4 Te2+ 46.Kd1 Te1+ 47.Kc2 Le7 mit technisch gewonnenem Endspiel. 0–1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog