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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3421 vom 11.04.2003, Kategorie Kolumne

Überraschungssieger in Dos Hermanas

Bei der 12. Ausgabe des Großmeisterturniers (Eloschnitt 2626) in Dos Hermanas (Spanien) vom 28. März bis 5. April gab es einen Überraschungssieger - den wenig bekannten Alexander Rustemov. Nach einem gemächlichen Start mit fünf Remisen schaffte der dreißigjährige Russe dann einen Trippelsieg, und in der Schlussrunde rettete er nach einem von seinem Gegner Epishin in Zeitnot übersehenen schweren Fehler (möglicher Figurenverlust) den halben Punkt. Punktegleich mit dem Sieger, aber nach der Wertung Zweiter wurde GM Dreev. Elo-Favorit Shirov kam direkt vom Amber-Turnier in Monaco (siehe unseren Bericht vorige Woche) und präsentierte sich nicht in seiner besten Form, er wurde nur Sechster.

Endstand nach 9 Runden:

Weiß: Rustemov, A (2604)

Schwarz: Vallejo Pons,F (2629)

Dos Hermanas ESP (8) [D31]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Le7 Diese Reihenfolge des Damengambits wurde oft von Petrosjan und Geller gespielt. Weil jetzt 4.Lg5 unmöglich ist, muss Weiß einen anderen Zug machen. Am häufigsten folgt 4.Sg1–f3,. Eine Idee von Le7 ist auch, die Abtauschvariante mit weißem Springer auf e2 zu vermeiden: 3...Sf6 4.Lg5 Le7 5.cxd5 exd5 6.e3 c6 7.Ld3 0–0 8.Sge2 mit dem Plan, mittels f2-f3 den Vorstoß e3-e4 vorzubereiten (nach Botvinnik).

4.cxd5 exd5 5.Lf4 c6 6.e3 Lf5 7.g4 Das ist der einzige aktive Plan. Alles andere führt zu langweiligen, ausgeglichenen Stellungen.

7...Le6 7...Lg6 spielt man wegen 8.h4 kaum mehr. Z.B. 8...Lxh4 9.Db3 b6 10.Txh4 Dxh4 11.Sxd5 Sa6 12.Da4 Se7 13.Sxe7 Kxe7 14.Dxc6 Tad8 15.Lxa6 Dxg4 16.Dc7+ Dd7 17.Ld6+ Ke8 18.Lb5 1–0, Monacell-Sheld cor.1984.

8.Ld3 Sd7 9.h3 Sonst kann der Springer auf g1 nicht entwickelt werden.

9...g5 Ein neuer Zug. Schwarz konterte bisher ausschließlich mit 9...h5, wie in der Ursprungspartie aus den frühen 60–er Jahren: 10.gxh5 Sdf6 11.h6 Sxh6 12.Dc2 Sh5 13.Le5 f6 14.Lh2 Ld6 15.Lg6+ Lf7 16.Sf3 Lxg6 17.Dxg6+ Sf7 18.Sh4 Lxh2 19.Txh2 Dc7 20.Sf3 0–0–0 21.Dg4+ Kb8 22.h4 mit kompliziertem Spiel, Botvinnik-Petrosian WM 1963.

10.Lg3 h5 11.f3 Schwarz hat auch nach 11.gxh5 Sgf6 bequemes Spiel

11...Db6 12.Tb1 12.Dc2 verbietet sich wegen 12...hxg4 13.fxg4 Lxg4

12...c5 Der junge Spanier fühlt sich gut und ergreift die Initiative. Nach 12...hxg4 13.fxg4 Sgf6 14.Df3 0–0–0 ist die Stellung für Schwarz nicht mehr zu genießen.

13.Kf1 hxg4 oder 13...cxd4 14.exd4 14...hxg4 15.Sb5 (Vielleicht ist 15.fxg4 das Beste was zur Partie führen könnte.) 15...Tc8 16.Tc1 Txc1 17.Dxc1 Sdf6 18.fxg4 Lxg4 19.Kg2 19...Ld7 20.Lc7 Dc6 21.Dxc6 bxc6 22.Sxa7 Se4 mit schwarzem Übergewicht (der Springer auf a7 steht im Abseits).

14.fxg4 Sh6 Wenn Schwarz auf Materialgewinn spielt, riskiert er, die Initiative zu verlieren: 14...cxd4 15.exd4 (15.Sb5 Tc8 16.Sxd4 Sgf6 17.Kg2 Se4 mit Vorteil Schwarz.) 15...Tc8 16.Kg2 Dxd4 17.Sf3 Dg7 (17...Db6 18.Lf2) 18.Sb5 a6 19.Sd6+ Lxd6 20.Lxd6 Tc6 21.La3 und der schwarzfeldrige Läufer kompensiert den Minusbauern.

15.Kg2 15.Df3 ist auch interessant.

15...f5 Vallejo Pons kontert kräftig.

16.Df3 fxg4 17.hxg4 Sf6 Ungenauer Zug, der den Vorteil kostet. Die Variante 17...Tf8 18.Sxd5 Lxd5 19.Dxd5 Sxg4 20.De4 Sdf6 21.Dg6+ Kd8 ist schwer abzuschätzen, dennoch war sie gut spielbar. Weiß hat enorme Problemen mit dem König: 22.Sf3 (22.Se2 Sxe3+ 23.Kg1 cxd4; 22.Te1 Dxb2+) 22...Sxe3+.

18.Le5 Weiß konnte mit 18.dxc5 Dxc5 zuerst tauschen und dann 19.Le5 spielen.

18...Kf7 Das ist jetzt zu optimistisch. Vielleicht sollte sich Schwarz für die scharfe Fortsetzung 18...Lxg4 19.Dg3 0–0–0 20.Txh6 Txh6 21.Lxf6 Dxf6 (21...Txf6 22.Dxg4+ Kb8 23.Sf3) 22.Sb5 Ld6 23.Dxg4+ Kb8 24.Sxd6 Dxd6 25.Sf3 c4 26.Lf5 Tf8 entscheiden.

19.Lxf6 Lxf6 20.Sxd5 Lxg4 21.Dg3 Dc6 22.e4 Le6 Relativ besser wäre 22...Lxd4 23.Tf1+ Kg7 24.Txh6 Txh6 (24...Dxh6 25.Dc7+) 25.Dxg4 Dd6 26.Sh3 Tg8 (26...Tah8 27.Tf5) 27.Tf5 Kh8 28.b3 und Weiß muss für den vollen Punkt noch arbeiten.

23.Sxf6 Sf5 24.Txh8 24.Dxg5 gewinnt auch: 24...Tag8 (24...Txh1 25.Kxh1 Th8+ 26.Kg2) 25.Sxg8 Txg8 26.Sf3.

24...Sxg3 25.Txa8 Sf5 26.d5 Schwarz verliert nun viel Material.

26...Sh4+ 27.Kh1 Dd6 28.Tf1 Lf5 Ein Versuch, die Stellung zu verkomplizieren.

29.e5

Rustemov hat auch nichts gegen Komplikationen! 29.Sh5 wäre einfacher.

29...Dxe5 30.Tf8+ Kg7 30...Kxf8 31.Sd7+.

31.Lxf5 Sxf5 32.Tf3 Mit wenig Zeit auf der Uhr ist das Endspiel nach 32.Tg8+ Kxf6 33.Tf8+ Kg6 34.T1xf5 Dxf5 35.Txf5 Kxf5 nicht leicht zu berechnen. Danach ist der Gewinn aber nicht mehr schwierig: 36.Se2 Ke5 37.Sc3 a6 38.Kg2 b5 39.Kf3 b4 40.Se4 Kxd5 41.Ke3.

32...Dxb2 33.Txf5? Eingestellt! Warum nicht 33.Sd7 ?

33...Kxf8 34.d6 Dd4? In der Zeitnotphase revanchiert sich Schwarz. 34...b6 wäre hartnäckiger.

35.Sf3 Ganz einfach entscheidet 35.d7 Ke7 36.Td5.

35...Dd1+ 36.Sg1 Einziger Zug. 36.Kh2 Dc2+; 36.Kg2 Dc2+ 37.Kg3 Dxf5.

36...c4 37.Td5 Dxd5+ (Verzweiflung) 38.Sxd5 Kf7 39.Sc7 c3 40.Se2 c2 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog