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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3425 vom 18.04.2003, Kategorie Kolumne

GM Turnier in Budapest

Einerseits ist Ungarn eine führende Schachnation, anderseits fehlten bisher entsprechende Schachereignisse, wie es sie beispielsweise in Spanien oder Holland gibt. Vielleicht wird sich die Lage mit steigendem wirtschaftlichen Wachstum und dem EU-Beitritt ändern. Ein erstes Zeichen dafür ist das gerade vom 11. bis 20. April laufende Hunguest Hotels Super GM Turnier (Eloschnitt 2663) in Budapest. Die einheimische Elite mit Leko, Polgar, Almasi, Acs und Berkes (zuletzt U18 Weltmeister und starke Leistung in der Staatsliga Liga B bei Wiener Neustadt) treffen auf Gelfand, Kortschnoj, Short, Movsesian und Lutz. Nach furiosen Start mit 3 aus 3 wurde die vor kurzem in den „2700-Elo-Himmel" aufgestiegene Judith Polgar von Landsmann Leko in der 5 Runde gebremst.

Zwischenstand nach 5 Runden :

Weiß: Short, N (2686)

Schwarz: Lutz, C (2640)

It Budapest [B48]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 Dc7 6.Le3 a6 7.Dd2 b5 Lutz weicht von dem öfter gespielten Zug 7...Sf6 ab, mit dem er 2002 in Dortmund gegen Shirov und Topalov verloren hat. 8.0–0–0 Lb4 9.f3 Se5 (9...d5 10.a3 Lxc3 11.Dxc3 dxe4 12.fxe4 Sxe4 13.Dd3 Sc5 14.Dc4 Sd7 15.Sxc6 Dxc6 16.Dg4 g6 17.Le2 0–0 18.Lh6 Te8 19.Thf1 mit Kompensation für den Bauern, Kramnik-Ljubojevic, Amber Turnier–blind 2003.) 10.Sb3 b5 11.Ld4 Le7 12.Dg5 Sg6 13.Dg3 Ld6 14.Df2 Weiß steht besser, Leko-Vallejo Pons, Linares 2003.

8.f3 Gespielt wird auch: 8.Sxc6 Dxc6 9.f3 Sf6 10.0–0–0 b4 11.Se2 d5 12.e5 Sd7 13.f4 Sc5 14.Sd4 Db7 15.De1 Ld7 16.g4 a5 17.Kb1 a4 18.Ld3 b3 19.cxb3 axb3 20.a3 mit kompliziertem Spiel, Anand-Ljubojevic, Amber Turnier-blind 2003 oder 8.0–0–0 Lb7 9.Lf4 Dc8 10.f3 Sf6 11.Sb3 h6 12.h4 Lb4 13.a3 Le7 14.e5 Sh5 15.Lh2 b4 16.Sa4 bxa3 17.Sb6 Dc7 18.Sxa8 Lxa8 19.g4 im selben Turnier zwischen Leko-Ljubojevic.

8...Sxd4 8...Lb7 9.0–0–0 Sxd4 10.Lxd4 Tc8 11.g4 d6 12.Kb1 Sf6 13.a3 Sd7 14.h4 Se5 15.De3 Sc4 16.Lxc4 Dxc4 17.Th2 e5 18.La7 Le7 19.h5 h6 20.Db6 Dc7 21.Dxc7 Txc7 22.Lb6 Tc6 23.La5 mit Vorteil Weiß aufgrund der Schwäche des d6-Bauern und des d5-Punktes, Topalov-Lautier, Amsterdam 1995.

9.Lxd4 Se7 10.0–0–0 Sc6 11.Le3 Le7 11...Lb4 12.h4 Se5 13.h5 h6 14.Dd4 Lxc3 15.bxc3 f6 16.Th4 Lb7 17.f4 Sc6 18.Dd6 Dxd6 19.Txd6 Se7 mit Ausgleich, Van Wely-Lautier, Tilburg 1997.

12.h4 0–0 13.Kb1 Tb8 Der Turm unterstützt den b-Bauernmarsch.

14.h5 14.Sd5 bringt Weiß wenig: 14...exd5 15.exd5 Dd6 (15...Te8 16.dxc6 Dxc6) 16.dxc6 Dxd2 17.Txd2 dxc6 18.Ld3 Le6 mit baldigem Remis.

14...b4 15.Sd5 Schwarz hat nach 15.Se2 Td8 gutes Spiel mit der Idee d7-d5.

15...exd5 16.exd5 b3! Ein starker Zwischenzug, den man leicht übersehen kann. Weiß hätte nach 16...Da5 17.dxc6 dxc6 18.Lc4 bessere Chancen.

17.cxb3 Die einzige vernünftige Fortsetzung. Alles anderes ist für Weiß problematisch: 17.dxc6 bxa2+ 18.Ka1 Dxc6; 17.d6 bxc2+; 17.axb3 Sb4 18.c3 Da5 19.cxb4 Lxb4.

17...Sb4 18.d6 Da5 19.a3 Df5+ 20.Ka1 Sc2+ 20...Lxd6 verspricht wenig: 21.Dxd6 Sc2+ 22.Ka2 Sxe3 23.Ld3 ebenfalls 20...Lf6 21.axb4.

21.Ka2 Lf6 22.La7 22.Ld3 geht wegen 22...De5 nicht, aber 22.Lf2 ist sehr interessant und Weiß sollte die Figur zurückgewinnen.

22...Ta8 23.Ld3 Short gibt eine Figur für drei Bauern, was aber nicht unbedingt notwendig war. Stark wäre auch 23.Lb6, zB 23...Lg5 24.Df2 (24.Ld3 ist auch möglich : 24...Lxd2 25.Lxf5 Se3 26.Le4 Sxd1 27.Txd1 Lb7 28.Lxb7 Tab8 29.Txd2 Txb7 30.Lc5) 24...a5 25.Ld3 Sb4+ 26.axb4 axb4+ 27.Kb1 mit Vorteil für Weiß.

23...De5 24.Dxc2 Txa7 25.The1 Dg5 26.Lxh7+ Kh8 27.Le4 Lb7 28.g4 a5 29.Df2 Lxe4 30.Txe4 Natürlich nicht 30.Dxa7 wegen 30...Lxf3 nebst Lf3-g4.

30...Tb7 31.De2 Die weißen Figuren dominieren. Mit dem letzten Zug bereitet der Engländer f3-f4 vor.

31...Db5 32.Td3 Tbb8 33.f4 Kg8 Genauer wäre vielleicht sofort 33...Ld8: 34.Te5 (34.g5 Df5) 34...Dc6 35.g5 a4.

34.g5 Ld8 35.Te5 Da6 35...Dc6 36.h6 mit starkem Angriff.

36.De4 Tb6 In der Zeitnot Phase ist es nicht leicht, die richtige Verteidigung zu finden. 36...Db7 bot Chancen zum Überleben: 37.Df5 a4 38.b4 Dc6.

37.Ted5 37.h6 entscheidet schneller: 37...gxh6 (37...Txd6 38.h7+ Kh8 39.Te8) 38.gxh6 Txd6 39.Tg3+ Tg6 40.Te8.

37...Tc6 37...Tb5 kann auch nichts mehr retten: 38.h6 Txd5 39.Dxd5 Dc6 40.hxg7 Te8 (40...Kxg7 41.Dd4+ f6 42.Tg3 Kf7 43.Dd3 Th8 44.gxf6) 41.Df5 De4 42.Dh3 Dh7 43.Dxd7. Aber ein bisschen Hoffnung gab es in der Variante: 37...f5 38.Txf5 Txf5 39.Dxf5 Txd6 40.De5 Dxd3 41.De8+ Kh7 42.g6+ Txg6 43.hxg6+ Dxg6 44.Dxd8.

38.h6 a4 38...g6 verliert nach 39.h7+ Kh8 40.Te5.

39.hxg7 axb3+ 40.Kxb3 Ein feiner Zug!

40...Kxg7 41.Th3 Tg8 Schwarz ist schon verloren: 41...Db6+ 42.Ka2 Th8 43.Txh8 Kxh8 44.De8+ Kg7 45.Tf5 f6 46.g6; oder 41...Th8 42.Dd4+ f6 43.gxf6+ Lxf6 44.Tg5+ Kf7 45.Dd5+.

42.Th7+ Kf8

43.Txf7+! 43...Kxf7 44.Df5+ Kg7 45.Dxd7+ Kg6 46.De6+ 46.De6+ Kh5 47.Dh3+ Kg6 48.Dh6+ Kf7 49.Tf5+ Ke8 50.De6+ Le7 51.Dxe7# 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog