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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3430 vom 25.04.2003, Kategorie Kolumne

Nigel Short gewinnt in Budapest

Der ehemalige Kasparov-Herausforderer Nigel Short gewann souverän das starke GM Turnier in Budapest. Entscheidend für seinen Turniersieg war der Erfolg gegen die Zweitplatzierte Judith Polgar (nach seinen eigenen Angaben seine beste Partie bei diesem Turnier). Nur dritter Platz für den Elo-Favoriten Peter Leko - sicher eine kleine Enttäuschung für den Linares Sieger. Für Viktor Kortschnoi („den Schrecklichen“) verlief dieser Wettbewerb eher untypisch: Verlust in der ersten Runde und danach acht Remisen. Als Debütant bei einem so starken Turnier konnte sich der 17-jährige Berkes ganz tapfer behaupten. Pechvogel des Turniers war Zoltan Almasi.

Endstand nach 9 Runden:

Am Schluss eine wilde Partie aus der achten Runde:

Weiß: Movsesian, S (2659)

Schwarz: Lutz, C (2640)

Budapest [B90]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 Mit diesem Zug beginnt ein Plan, der sich als stärkste Waffe gegen die Sizilianische Verteidigung behauptet hat. Die Idee dahinter ist einfach: schnell zur langen Rochade kommen (mit Le3 und Dd2), den e4-Bauern mit f3 überdecken und dann ein Bauernsturm mittels g2-g2-g5,h2-h4-h5 am Königsflügel. Und wenn der Druck von e4 weg ist: auch den f-Bauern einschalten (f3-f4-f5). Wichtig ist auch Kc1-b1. Der f1-Läufer bleibt am Ausgangspunkt, so lange sich die Stellung nicht geklärt hat. Meistens kommt er später über d3 oder h3 ins Geschehen.

6...e5 Alternativen sind 6...Sg4 (einige Spieler beginnen mit 6.f3 nebst 7.Le3, damit sie diesen Zug vermeiden) und 6...e6.

7.Sb3 Le6 8.f3 Sbd7 8...d5 ist noch verfrüht: 9.exd5 Sxd5 10.Sxd5 Dxd5 11.Dxd5 Lxd5 12.0-0-0 nebst 13.Sa5 und Weiß erlangt klaren Vorteil.

9.Dd2 b5 10.0-0-0 Le7 In der 6. Runde geschah: 10...Sb6 11.Df2 Sc4 12.Lxc4 bxc4 13.Sc5 Dc7 14.Sxe6 fxe6 15.Dg3 Tb8 16.Dh3 Dc8 17.Lg5 Le7 18.Kb1 0-0 19.Ka1 Td8 20.The1 Kh8 21.g3 Acs-Lutz, nun ist 21...Se8 interessant mit der Idee, auf 22.Lc1 (22.Lxe7 Db7 23.Tb1 Dxe7) mit 22...Sc7 gefolgt von Sb5 und Sd4 zu antworten.

11.Df2 Db8 12.g4 12.Sa5 Dc7 oder 12.Sd5 Lxd5 13.exd5 Ld8.

12...b4 13.Se2 Sieht unnatürlich aus. Besser wäre 13.Sd5: 13...Lxd5 14.exd5 a5 15.g5 Sh5 (15...a4 16.gxf6 axb3 17.fxg7 Tg8 18.axb3 Txg7 19.Tg1 Txg1 20.Dxg1) 16.Sd2 (16.Lh3 a4 17.Sd2 b3).

13...a5 14.Kb1 14.g5 a4 (14...Sh5 15.Kb1 a4 16.Sbc1 b3 17.cxb3 axb3 18.a3) 15.gxf6 axb3 16.fxg7 Tg8 17.axb3 Dc7 und Schwarz hat gutes Spiel für den Minusbauern.

14...a4 Der schwarze Angriff ist viel schneller.

15.Sbc1 b3 Direkt gespielt. Eine gute Option wäre auch: 15...h6 16.Sg3 d5 17.Sf5 Lf8 18.exd5 Sxd5

16.cxb3 axb3 17.a3 d5 Lutz, der zu diesem Zeitpunkt nur 2½ aus 7 hat, gibt ordentlich "Gas". Schwarz hätte auch 17...0-0 oder 17...Db7 zur Verfügung.

18.g5 Lxa3

Die "Brechstangen-Methode"! 18...Dc8 ist ein interessanter Vorschlag vom Computerprogramm Fritz.

19.gxf6 19.bxa3 b2 20.Sd3 Txa3 21.Sxb2 dxe4 22.gxf6 La2+ 23.Kc1 Dc7+ 24.Kd2 Da5+ mit baldigem Gewinn.

19...Lxb2 20.Kxb2 20.fxg7 wäre natürlich ein heißer Tipp: 20...Tg8 (20...Ta1+ 21.Kxb2 Ta2+ 22.Sxa2 bxa2+ 23.Ka1) 21.Kxb2 
A) 21...Db4 22.La7 d4 23.Sxd4 Txa7 24.Sb5 oder 
B) 21...d4 22.Sxd4 Da7 (22...exd4 23.Lxd4 Db4 24.Kb1) 23.Sxe6 Da1+ 24.Kxb3 Tb8+ 25.Kc4 Da4+ 26.Kc3 Da3+ 27.Kd2 Tb2+ 28.Ke1 Txf2 29.Sc7+ Kd8 30.Kxf2 Kxc7 31.Tg1 und Weiß hat zu viel Material für die Dame. Oder 
C) 21...Dd6 22.La7 d4 23.Sxd4 Txa7 24.Sb5 Dxd1 25.Sxa7 Txg7 und die Stellung ist immer noch schwer einzuschätzen. Hier eine mögliche Abwicklung: 26.Sb5 Sb6 27.Sc7+ Kf8 28.Sxe6+ fxe6 29.Sxb3 Sa4+ 30.Ka3 Tb7 31.De3 Dd6+ 32.Ka2 Dc6 33.Dc1 Sc3+ 34.Kb2 Sa4+ 35.Ka1 Sc3 36.Da3+ Kf7 37.Ld3 Db6 38.Kb2 Df2+ 39.Kxc3 Tc7+ 40.Lc4 Dxf3+ 41.Kb4 Tb7+ 42.Kc5 Dxh1.

20...Db4 21.La7 Für 21.fxg7 hat Weiß keine Zeit mehr: 21...Da3+ 22.Kc3 Tg8 23.Kd2 Db4+ 24.Sc3 d4 25.Ke1 dxc3 mit Gewinn.

21...0-0 22.Lh3 Entscheidender Fehler. Richtig wäre, weiter zu "fressen" anstatt Material zurückzugeben: 22.exd5 Tfc8 (22...Lf5 23.Sxb3 Tfc8 24.Tc1 Db7 25.Txc8+ Txc8 26.Sc3 Sxf6 27.Db6 und mit dem Angriff ist es vorbei.) 23.dxe6 Tc2+ 24.Kb1 Da3 (24...Sxf6 25.Db6) 25.exf7+ (wichtiger Zwischenzug) 25...Kf8 26.fxg7+ Kxf7 27.Txd7+ Kg8. Jetzt wäre die Zeit etwas zurückzugeben: 28.Ld4 Ta2 29.Td8+ Txd8 30.De3 Txd4 31.Dxb3+ Dxb3+ 32.Sxb3 Tda4+- und Weiß steht auf Gewinn.

22...Lxh3 23.Sxb3 d4 24.Dg3 Nach 24.Sexd4 exd4 25.Txd4 Db7 hat Schwarz kaum etwas weniger, die Attacke ist aber immer noch stark.

24...g6 Die weiße Stellung ist nicht mehr zu retten.

25.Sexd4 Txa7 26.Sc2 Dc4 27.Df2 Tb7 28.Sca1 Sc5 29.De3 Le6 30.Tc1 Sd3+ 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog