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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3438 vom 02.05.2003, Kategorie Kolumne

7. Internationales Neckar Open

In der 6300 Einwohner zählenden Gemeinde Deizisau in der Nähe von Stuttgart fand vom 17. bis 21. April das bereits traditionelle Neckar Open statt. Heuer schlug es alle bisherigen Rekorde - 559 Teilnehmer (davon 9 aus Österreich) aus 26 Nationen. Es zählt damit bereits zu den größten Schachereignissen in Europa.

Der glückliche Sieger im A-Turnier wurde der erst 14-jährige deutsche Jungstar David Baramidze. Er begann mit einer Niederlage in der ersten Runde. In der 8. Runde (mit 5½ aus 7) kam das erste Geschenk - Kontumaz mit Schwarz gegen GM Keitlinghaus. Bei der letzten und neunten Partie gegen GM Vadim Milov (unsere heutige Analyse) war die Schachgöttin Caissa auch gnädig. Der Vorjahrsieger GM Epishin wurde nach einem Sieg in der Schlussrunde gegen den Autor dieser Zeilen Zweiter. Kompliment für die perfekte Organisation an die Veranstalter und besonders an den Turnierdirektor Sven Noppes.

Endstand nach 9 Runden:

Die entscheidende Partie um den ersten Platz:

Weiß: Baramdze, D. (2426)

Schwarz: Milov, V. (2592)

7. Int. Neckar-Open [B54]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 Mit 30 Minuten Verspätung.

2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.Sc3 d6 6.Le3 b5 7.Dd2 Der moderne englische Angriff.

7...Lb7 8.f3 Sd7 9.0-0-0 Tc8 9...Sgf6 führt zur Grundstellung des Systems. Mit dem Textzug vermeidet Milov die langen durchanalysierten Varianten.

10.g4 Se7 11.Ld3 Das ist vielleicht ungenau. Der Läufer leistet hier wenig. Nach der forcierten Variante: 11.Lxb5 axb5 12.Sdxb5 Tc6 13.Sxd6+ Txd6 14.Dxd6 Sd5 15.Sb5 Lxd6 16.Sxd6+ Ke7 17.Sxb7 Dc7 18.exd5 Dxb7 19.d6+ Kd8 steht Schwarz klar besser. Üblich ist 11.Kb1 oder 11.g5 gefolgt von h2-h4-h5.

11...Sc6 12.Kb1 Sce5 13.The1 Sb6 Die schwarzen Springer erreichten durch Umwege die Idealpositionen.

14.g5 Le7 Nachdem der weiße Turm schon auf e1 steht kann Schwarz sogar problemlos rochieren. Weiß muss energisch vorgehen, sonst steht er schlecht.

15.f4 Sec4 16.Df2 Richtig war 16.Lxc4 Sxc4 17.Dd3 Dc7 und Schwarz ist schon im Vorteil.

16...Sxe3 17.Txe3 Txc3

Ein typisches Qualitätsopfer um langfristig die Initiative zu sichern.

18.bxc3 Sa4 19.De1 Dc7 20.Se2 e5 Schwarz verfügt über zu viele guten Fortsetzungen: z.B. 20...d5 oder 20...0-0.

21.h4 0-0 22.f5 f6 Sehr stark wäre 22...Dc5 23.Dd2 (23.Tg3 Da3) 23...Ld8 nebst La5 und Weiß ist in einer kritischen Lage.

23.gxf6 Lxf6 24.Ka1 d5 Schwarz öffnet unnötig die Stellung, wodurch die weißen Figuren mehr Luft bekommen. 24...Dc5 25.Th3 Ld8 war immer noch aktuell.

25.exd5 e4 26.Lxe4 b4 27.d6 Db6 28.Tdd3 28.Dg1 verdient Aufmerksamkeit.

28...Lxe4 29.Txe4 Sc5 30.Tee3 Sxd3 31.Txd3 bxc3 32.Db1 Df2 33.Sxc3 Dxf5 Nach 33...Lxc3+ 34.Txc3 Dd4 35.Db3+ Kh8 36.a3 Dxd6 wird die Partie remis enden.

34.Db4 h6 35.a3 Df2 36.Db3+ Kh7 37.h5 Df5 38.Ka2 Td8 39.Df7 Df2 40.Db3 Tb8 41.Da4 Weiß muss ums Remis kämpfen nach : 41.Dxb8 Dxc2+ 42.Db2 Dxd3 43.Db1 Dxb1+ 44.Sxb1 g5.

41...Dh2 Interessant ist 41...Le5 42.Sd1 Df7+ 43.c4 Dxh5 (43...Df2+ 44.Sxf2 Tb2+ 45.Ka1 Tb3+ 46.Ka2 Tb2+ 47.Ka1 Tb3+ mit ewigem Schach) 44.Dc2 Dg6 45.d7 Td8 46.Se3 Lf4 47.Sd5 Ld6 48.Sb6 Lc5 49.Sa4 Lf8 mit Gleichgewicht.

42.d7 Dxh5 43.De4+ Kh8 44.Sd5 Df7 44...Tb2+ bringt nichts, da nach 45.Ka1 alle schwarzen Figuren hängen.

45.Tb3 Der Zug führt nur zum Ausgleich. Auf Gewinn könnte der junge Deutsche mittels 45.c4 Td8 (45...Tb2+ 46.Ka1 Tf2+ 47.Sxf6 Dxf6+ 48.Dd4 Tf1+ 49.Ka2) 46.Sxf6 Dxf6 47.Td2 spielen.

45...Td8 46.Sxf6 Dxf6?? Ein fataler Fehler. Nach 46...gxf6 wäre die Punkteteilung nicht weit entfernt.

47.Tf3 Dg5 einziger Zug da 48.De8 droht.

48.Tf5 Dd2 49.Td5 Aber nicht 49.De8+ Kh7 50.Dxd8 Dxc2+ 51.Ka1 Dc1+ 52.Ka2 Dc2+ mit Dauerschach.

49...Dc3 50.Te5 und damit ist auch die Partie entschieden.

50...Tg8 51.Te8 Dc7 52.Txg8+ Kxg8 53.Dd5+ Kh7 54.Dd3+ 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog