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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3460 vom 30.05.2003, Kategorie Kolumne

22. Mitropa Cup in Pula

Zwei Runden vor Schluss schien Slowenien schon fast als sicherer Sieger mit 2½ Punkten Vorsprung auf Deutschland festzustehen, aber in der direkten Begegnung gegen die favorisierten Deutschen mussten sie eine 3-1 Niederlage einstecken. Deutschland kam somit bis auf einen halben Zähler an die Slowenen heran. In der 9 Runde brach das slowenische Team zusammen: ½-3½ gegen Tschechien und fiel damit hinter Tschechien auf den 3. Platz zurück. Die Deutschen schafften mit Glück ein 2½-1½ gegen Österreich, was aber für den ersten Platz reichte. Das österreichische Team (unser Schachkolumnist Ilia Balinov, Günter Kuba, Markus Ragger, Georg Fuchs) war krasser Außenseiter hielt sich recht wacker und belegte den 9. Platz. Günter Kuba spielte ein starkes Turnier. Für eine IM Norm brauchte er ein Unentschieden aus den letzten beiden Partien. Leider verlor er in der 8. Runde, erreichte ein theoretisches Remisendspiel in der letzten Runde, das er aber in Zeitnot verpatze. Einen guten Eindruck hinterließ der erst 15 jährige Kärntner Markus Ragger.

Endstand nach 9 Runden:

Ergebnisse der Österreicher:

Weiß: Tibensky, R (2438)

Schwarz: Kuba, G (2307)

Mitropa Cup Pula (Rd. 7) [D07]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.d4 d5 2.c4 Sc6 Die Tschigorin Verteidigung wendete Günter gleich viermal im Turnier an: zwei Siege und zwei Niederlagen gegen stärkere Gegner.

3.e3 Auf Probleme stieß Günter in der 8. Runde gegen den jungen Franzosen Gozzoli: 3.Sc3 dxc4 4.d5 Se5 5.f4 Sd7 6.e4 Sb6 7.a4 a5 8.Le3 e6 9.Lxb6 cxb6 10.Lxc4 Lb4 11.Sf3 exd5 12.Dxd5 Dxd5 13.Lxd5 Sf6 14.0-0-0 0-0 15.Se5.

3...e5 4.cxd5 4.dxe5 d4 führt zu einer günstigen Stellung für Schwarz.

4...Dxd5 5.Sc3 Lb4 6.Ld2 Lxc3 7.bxc3 7.Lxc3 wird auch oft gespielt: 7...exd4 8.Se2 Sf6 9.Sxd4 0-0 10.Db3 (10.Sb5 ist die Alternative.) 10...Sxd4 11.Lxd4 Dd6 12.Td1 c5 13.Lc3 De7 14.Lc4 Se4 15.0-0 b6 16.Ld5 Tb8 17.f3 Sxc3 18.Dxc3 Lb7 19.e4 Remis, Dautov-Morozevich, DBL 2000.

7...Sf6 8.c4 Dieser Zug schwächt das weiße Bauernzentrum und gleichzeitig muss sich Weiß um die Entwicklung kümmern. Ein besseres Endspiel (Raumvorteil und Läuferpaar) erlangte Weiß in der folgenden Partie: 8.f3 e4 9.Db3 Dd6 10.Db1 Lf5 11.Se2 Lg6 12.Db3 0-0 13.Sf4 Sa5 14.Db4 Sc6 15.Dxd6 cxd6 16.h4 exf3 17.gxf3 Sh5 18.Sxg6 hxg6 19.Tg1 Smirin-Vallejo Pons, EU-chT 2001.

8...Dd6 9.d5 Se7 9...Sb8 hat den wichtigen Punkt c5 zum Ziel. 10.Db1 Sa6 11.Ld3 Sc5 12.Se2 c6 13.e4 b5 14.Sc3 b4 15.Sd1 cxd5 16.exd5 a5 17.Se3 Tb8 18.Lc2 0-0 19.0-0 g6 mit dynamischem Gleichgewicht, Jussupow-Beliavsky, DBL-1999.

10.Tb1 10.Db1 ist genauer. Eine aktuelle Partie: 10...0-0 11.Lb4 c5 12.Lc3 b5!? 13.Dxb5 Tb8 14.Da5 Se4 15.Sf3 Sg6 16.Sd2 f5 17.f3 Sxd2 18.Kxd2 Sh4 19.Tg1 Tb6 20.Le2 f4 21.e4 Ta6 22.Db5 Ld7 mit Kompensation, Jussupow-Rabiega, Fujitsu Siemens Masters 2000.

10...a5 10...Se4 ist auch gut.

11.f3 Neuer Zug mit der Idee e3-e4.

11...e4 Schwarz verhindert e3-e4 indem er selber e4 spielt und dabei die normale weiße Figurenentwicklung stört.

12.Dc2 0-0 13.Tb3 Der slowakische IM spielt mit dem Feuer - der ganze Königsflügel ist unterentwickelt! Der e4-Bauer ist indirekt gedeckt: 13.fxe4 Sxe4 14.Dxe4 Lf5.

13...Lf5 Oder 13...Sg6 14.fxe4 Te8 15.c5 Dd7 16.Ld3 Dg4 mit Initiative.

14.Dc3 c6 Günter unterminiert das weiße Zentrum ohne Rücksicht auf Verluste! 15.Txb7 Das Zentrum wäre sowieso nicht zu halten daher versucht IM Tibensky wenigstens Material zu gewinnen.

15...Tab8 Sehr entschlossen und mit einem Opfer verbunden. 15...cxd5 bringt nur Entlastung für Weiß: 16.c5 De6 17.Se2 Sc6 18.Tb6 Dd7 19.Sd4 Sxd4 20.Dxd4.

16.c5 Dxd5 Das ist die mutige Idee Günters! Weiß kann sich zwischen Figurgewinn mit 17.Te7 oder Damengewinn entscheiden.

17.Lc4 Tibensky entscheidet sich für den Damengewinn. Besser wäre die Figur zu nehmen: 17.Txe7 Tb1+ 18.Kf2 Td8 19.Dd4 Dxd4 20.exd4 Tb2 21.Ke1 Tb1+ 22.Ke2 (22.Kf2 mit Zugwiederholung.) 22...Txd4 mit genügend Spiel für die Figur weniger oder 19.Le1 19...Dxa2+ mit wilden Komplikationen.

17...Txb7 18.Lxd5 Sexd5 19.De5 19.Dxa5 war auch möglich.

19...Tb1+ 20.Kf2 Lg6 Weiß hat enorme Entwicklungsprobleme.

21.h4 Te8 22.Dd4 exf3 23.gxf3 Se4+!

Mit diesem starken Zug erlangt Günter entscheidenden Vorteil.

24.fxe4 Einziger Zug. 24.Kg2 verliert schnell: 24...Sxd2 25.Dxd2 Sxe3+ 26.Kf2 Tb2 27.Dxb2 Sd1+ 28.Kg3 Sxb2.

24...Txe4 und die weiße Dame hat kein Feld!

25.Se2 Das kleinere Übel war 25.Th3 um sich nach 25...Txd4 26.exd4 a4 in ein schlechteres Endspiel einzulassen.

25...Txh1 26.Db2 Rettet die Dame, aber die Stellung wird noch hoffnungsloser.

26...h6 27.Sg3 Th2+ 28.Kg1 Texh4 29.Db8+ Kh7 30.Sf1 Th1+ 31.Kf2 Sf6 32.Lxa5 Ld3 33.Sg3 Se4+ Viele Wege führen nach Rom- 33...Sg4+ 34.Kf3 Tb1 35.Dd6 Sh2+ 36.Kf2 Tb2+.

34.Sxe4 Lxe4 35.Lc7 Tb1 36.De8 f5 Gegen die verschiedenen Mattbilder ist Weiß hilflos. 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog