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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3473 vom 13.06.2003, Kategorie Kolumne

4. Einzel-EM in Istanbul

Bei der Europameisterschaft in der Türkei führen nach 11 Runden bei den „Herren“ der als Nr. 3 gesetzte Georgier Zurab Azmaiparashvili vor der Nr. 71 Andrei Kharlov und der Nr. 8 Konstantin Sakaev. Bei den Damen führt ebenfalls die Nr. 3 Alisa Galliamova.

Der österreichischer Vertreter Friedrich Volkmann schlägt sich bis jetzt sehr wacker: 5 Punkte gegen 11 Großmeister! Die Damen sind leider weniger erfolgreich: Die als Nr. 49 gesetzte Eva Moser liegt nach 9 Runden auf Rang 82.

Stand nach 11 bzw. 9 Runden:

Weiß: Sakaev, K (2664)

Schwarz: Aleksandrov,A (2650)

4th IECC Istanbul, 08.06.2003 [D38]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.d4 Der Leningrader Konstantin Sakaev spielt manchmal farblose 10-zügige Remisen, aber hin und wieder überrascht er mit solch wilden Partien!

1...Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 Doch nicht mit 3...b6 die Damen-Indische Verteidigung, sondern Damen Gambit.

4.Sc3 Lb4 Die Wiener-Variante.

5.cxd5 Die andere Hauptfortsetzung ist 5.Lg5 dxc4 6.e4 c5 7.Lxc4 cxd4 8.Sxd4 Lxc3+ 9.bxc3 Da5, die auch sehr gut ausanalysiert ist.

5...exd5 6.Lg5 Sbd7 7.e3 c5 8.Ld3 Die Praxis zeigte, dass mit 8.dxc5 kein Vorteil zu erreichen ist.

8...Da5 9.Dc2 Das Gambit mit 9.0-0 konnte sich noch nicht durchsetzen, wie die folgende Partie demonstriert: 9...c4 10.Lc2 Lxc3 11.bxc3 Dxc3 12.Tc1 Da3 13.Se5 b5 14.Sxd7 Lxd7 15.Df3 Dd6 ohne ausreichende Kompensation, Khenkin-Milov V., Rubinstein mem. 1999.

9...c4 10.Lf5 0-0 11.0-0 Te8 12.Sd2 Der Hauptzug in dieser Stellung, um den wichtigen Punkt e4 zu kontrollieren. Weiß will langsam e4 mittels f3 vorbereiten.

12...g6 13.Lh3 Die Alternative ist 13.Lxd7, zB mit 13...Sxd7 14.f3 Sb6 15.Lf4 Ld7 16.Tae1 Lf8 17.Sdb1 Lg7 18.Df2 Le6 19.e4 Tad8 20.Td1 und kompliziertem Spiel, Hübner-Tischbierek, D-ch 2002.

13...Lf8 Dieser Zug wurde bisher kaum gespielt. 13...Lxc3 geschah in der Begegnung Karpov-Milov, Cap D'Agde 2002: 14.Dxc3 Dxc3 15.bxc3 Se4 16.Sxe4 dxe4 17.Lg4 Sb6 18.Le2 Le6 19.Tab1 Tac8 20.Tfc1 Tc7 21.f3 Ld5 22.Kf2 mit langfristigem Vorteil für Weiß.

14.Lh4 Wenn Weiß zu Tae1 und f3 kommt, steht er besser.

14...h6 Schwarz verhindert 15.Tae1 mit 15....g5.

15.a3 g5 16.Lg3!

Der GM aus St. Petersburg (Leningrad) hat eine sehr originelle Idee! Nach 16.Lxd7 Lxd7 17.Lg3 Tac8 herrschte Gleichgewicht.

16...g4 17.b4 cxb3 18.Sxb3 Dd8 Oder 18...Da6 19.Lxg4 Sxg4 20.Sxd5 Ld6 21.e4 und Weiß hat ausreichend Kompensation für die Figur.

19.Lxg4 Sxg4 20.Sxd5 Sdf6 21.Sc7 Se4 22.Sxe8 Interessant war auch: 22.Sxa8 Lf5 23.Lf4 Dxa8 (23...Sg3 ist schlecht wegen 24.e4 Lxe4 25.Dd1) 24.f3 Sxe3 25.Lxe3 Sg3 26.Dd2 Sxf1 27.Txf1 und Weiß sollte besser stehen.

22...Sxg3 23.fxg3 Wieder eine unkonventionelle Entscheidung: für die f-Linie verschlechtert Weiß die Bauernstruktur.

23...Dxe8 Nach: 23...Sxe3 24.Df2 Sxf1 25.Sf6+ Kg7 26.Txf1 hätte Schwarz Probleme mit dem König.

24.Tae1 Lg7 25.h3 Sf6 26.e4 b6 27.e5 Sd5 28.Sd2 La6 29.Tf2 Tc8 30.Dd1 Dd7 31.Se4 Sc3 32.Dh5 Sxe4 33.Txe4 Ld3 34.Tg4 Lg6 35.Dh4 Tc3 Mit 35...h5 36.Tgf4 Lh6 37.T4f3 Tc4 38.Te2 Kh7 könnte Schwarz klaren Vorteil erlangen.

36.Kh2 Txa3 37.Tf6 Sonst kommt Weiß nicht weiter.

37...Ta2 Nehmen war möglich, wie die folgende Variante zeigt: 37...Lxf6 38.Dxf6 Te3 (38...Kh7 39.e6 Dxe6 40.Txg6 Dxf6 41.Txf6 Kg7 42.Tc6) 39.d5 Kh7 (aber nicht 39...Dxd5 wegen 40.Txg6+ fxg6 41.Dxg6+ Kf8 42.Dxh6+ Ke7 43.Dxe3) 40.e6 Db7 (40...Dxd5 41.Txg6 fxg6 42.Df7+ Kh8 43.Df8+ Kh7=) 41.h4 h5.

38.Td6 Df5 Mit wenig Zeit musste GM Aleksandrov auch 38...Dc7 und 38...Db7 in Erwägung ziehen.

39.Tgxg6 Mit 39.Tf4 Dc2 40.Dd8+ Kh7 41.Da8 kommt Weiß mit dem Angriff nicht weiter.

39...fxg6 40.De7 Df7 40...Df3 41.De6+ (41.De8+ Lf8 42.Dxg6+ Kh8 43.Df6+ Dxf6 44.Txf6 Kg7 mit Gewinnstellung für Schwarz.) 41...Df7 42.Td8+ Lf8 43.Dc6 und die Stellung ist immer noch sehr kompliziert. (43.d5 ist schlechter: 43...Td2 44.Dg4 Df5 45.Dxf5 gxf5 46.e6 Te2).

41.Dd8+ Kh7 42.Td7 Df3 42...De6 wäre zu passiv. 43.Dc7 Dg8 44.d5.

43.Txg7+ Weiß forciert gerade noch Remis!

43...Kxg7 44.Dd7+ Kg8 44...Df7 verliert sogar: 45.e6+-.

45.Dd8+ Kg7 45...Df8 geht wegen 46.Dd5+ Df7 und 47.e6+- auch nicht.

46.Dd7+ Dauerschach! ½-½

16. Leon Turnier

Von 6.6 bis 8.6 fand heuer die 16. Ausgabe des Leon Turniers in Spanien statt. Nach ein paar Jahren Advanced Chess (Mensch plus Computer) kamen die Veranstalter zu einem neuen Modus: Ko-System bei 4 Spielern im Aktiv-Schach-Modus (20 Minuten plus 10 Sekunden pro Zug). Im ersten Match setzte sich Turnierfavorit Topalov mit Mühe gegen den jungen Karjakin mit 2½-1½ durch. Im anderen Semifinale vernichtete der amtierende FIDE-Weltmeister Ponomariov Valljeho Pons mit 3½-½. Im Finale wurden ebenfalls 4 Partien gespielt. Panomariov gewann die dritte Partie mit Glück (zuerst stand er auf Verlust und dann in Remisstellung fiel Topalov die Klappe, was auch das Match entschied:2½-1½.

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog