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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3485 vom 27.06.2003, Kategorie Kolumne

Kennen Sie Enghien-les-Bains?

Seit einigen Jahre gehört Frankreich zusammen mit England, Holland und Deutschland zu den führenden Schachnationen im Westen. Die Großmeister wachsen dort wie die Pilze nach dem Regen: beginnend mit Joel Lautier und Etienne Bacrot, gefolgt von einer Reihe junger starker Spieler wie Laurent Fressinet, Christian Bauer, Jean Marc Degraeve, Alexandre Nataf. Schon beim heurigen Mitropa Cup in Pula hat sich die junge französische Mannschaft positiv bemerkbar gemacht. Für diesen Schach-Boom haben sicher die vielen Turniere (Open und die nationale Liga) beigetragen, aber natürlich auch die dort lebenden russischen Schach-Legenden wie Boris Spasski und Josif Dorfman. Trotzdem bleiben die starken geschlossenen Turniere so wie jenes von Enghien-les-Bains eher eine Ausnahme, das heuer vom 13. bis 22. Juni stattgefunden hat und mit einem Eloschnitt von 2669 sehr gut besetzt war. Die 2700-er dominierten den Bewerb klar und entschieden die ersten vier Plätze für sich. Mit etwas Glück siegte Evgeny Bareev.

Endstand:

Hier finden Sie alle Ergebnisse und Tabellen.

Weiß: Bauer, C. (2582)

Schwarz: Korchnoi, V (2632)

Enghien les Bains [E08]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.Sf3 d5 2.d4 Sf6 3.c4 e6 4.g3 Lb4+ 5.Ld2 Le7 6.Lg2 0-0 7.0-0 c6 Typisch für die Katalanische Eröffnung. Die Abwicklung 7...dxc4 8.Dc2 a6 9.Dxc4 b5 10.Dc2 Lb7 ist wegen 11.Tc1 nachteilig für Schwarz.

8.Dc2 Sbd7 Mit der Zugfolge 8...b6 9.Lf4 La6 10.Sbd2 Sbd7 erhält man eine aktuelle Stellung aus der Damenindischen Verteidigung.

9.Td1 b6 10.Lf4 Lb7 10...La6 ist immer noch spielbar, wie der Franzose schon selber mit Schwarz ausprobierte: 11.Se5 (11.b3 ist die Alternative) 11...Sxe5 12.dxe5 Sd7 13.cxd5 cxd5 14.e4 Tc8 15.Sc3 d4 16.Txd4 Dc7 17.Da4 Sc5 18.Dc2 Sd7 19.Te1 Remis, Wojtkiewicz-C. Bauer, FIDE-WM qual.2001.

11.Sc3 dxc4 Eine aktuelle Partie von der EM aus Istanbul: 11...Tc8 12.Se5 Sh5 13.Lc1 Shf6 14.e4 dxc4 15.Sxc4 b5 16.Se3 Db6 17.f4 Tfd8 18.e5 Sd5 19.Df2 f5 20.g4 und Weiß hat die Initiative, Filippov-Izoria, Istanbul 2003.

12.Sd2 Sd5 Nicht 12...b5 wegen 13.Sxb5.

13.Sxc4 Sxf4 14.gxf4 g6 Selten gespielter Zug. 14...Dc7 15.e3 Tac8 16.Tac1 Sf6 17.a3 Sd5 18.Se5 Ld6 19.Da4 Sxc3 20.Txc3 Lxe5 21.fxe5 f6 22.f4 La8 23.b4 Df7 24.Dc2 Dh5 25.Td2 fxe5 26.dxe5 mit Vorteil für Weiß, Lautier-Tiviakov, Mondariz z.t. 2000 oder 14...Sf6 15.e3 Sd5 16.a3 Tc8 17.b4 Tc7 18.Se5 Ld6 19.Se4 Le7 20.Tac1 Da8 21.Sg5 Lxg5 22.fxg5 Dd8 23.Sf3 De7 24.Dd2 Tcc8 25.e4 mit Raumvorteil für Weiß, Van Wely-Sokolov, Lost boys 2001.

15.Tac1 In der folgenden Partie konnte Schwarz auch keinen Ausgleich erreichen: 15.e3 Sf6 16.a3 Sd5 17.Tac1 Tc8 18.Se5 Kg7 19.Da4 a6 20.Db3 Tc7 21.Sa4 b5 22.Sc5 Lc8 23.Td2 a5 24.Dd1 Wojtkiewicz-P.Wolff, New York op. 1994.

15...Tc8 16.e3 Sf6 17.a3 Sd5 18.b4 a5?! Korchnoi sucht Gegenspiel, verschlechtert dadurch aber nur die Bauernstruktur am Damenflügel. Besser wäre 18...Te8 nebst Lf8 oder 18...Dc7, gefolgt von Db8, Tfd8 und Lf8. Schwarz steht passiv aber fest.

19.bxa5 bxa5 20.Db3 La6 20...Tb8 führt oft nur zur Zugumstellung.

21.Se5 Dd6 22.Ta1 Tb8 23.Dc2 Tfc8 24.Se4 Dc7 25.Tdc1 Lb5 26.Sc5 Lxc5 27.Dxc5 a4 28.f5!

Starker Zug, der die schwarze Königsstellung öffnet.

28...gxf5 Anders geht es nicht: 28...exf5 29.Lxd5 cxd5 30.Dxc7 Txc7 31.Txc7.

29.Lxd5 exd5 30.Kh1 f6?? Grober Fehler in schwieriger Position. Notwendig war: 30...Kh8 31.Dd6 (Nach 31.Tg1 Tb7 32.Dc2 Tf8 33.Dxf5 f6 hat Weiß auch Übergewicht.) 31...Dxd6 32.Sxf7+ Kg7 33.Sxd6 Tf8 34.Sxb5 cxb5 35.Tc5 f4 36.Txd5 fxe3 37.fxe3 Tfe8 38.Tg1+ Kf6 und die schwarzen Chancen auf Punkteteilung leben noch. Das Schachprogramm Fritz 8 schlägt die eigenartige Verteidigung mit: 30...Kg7 31.Tg1+ Kf6 vor.

31.Tg1+ Kh8 32.Dd6 32.Dd6! Dxd6 (32...fxe5 33.Df6+) 33.Sf7# 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog