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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3488 vom 04.07.2003, Kategorie Kolumne

"Unterschätzte" Schachkünstler - GM Velimirovic

Oft stößt man auf den Satz: „Schach ist ein Spiel mit Elementen aus Sport, Wissenschaft und Kunst.“ Die Entwicklung des Schachspiels spiegelt allgemein die gesellschaftliche Entwicklung wieder. In den 20-er Jahren des vorigen Jahrhundert begann man, Schach (wie Medizin und Sozialwissenschaften) als Wissenschaft zu betrachten (Nimzovitsch). Heutzutage überwiegen die sportliche Elemente. Wie im Leben strebt man auch im Schach nach Leistung und Erfolg. Computervorbereitung und Handwerklichkeit sind noch wichtiger geworden. Und dabei bleibt das künstlerische Element zunehmend auf der Strecke. 

Mit dieser Rubrik wollen wir einige unterschätze oder sogar vergessene Schachkünstler wieder in Erinnerung rufen, für die das Ergebnis in einer Schachpartie nicht das Wichtigste war. Einer davon ist der Serbische GM Drogoljub Velimirovic, Vielen bekannt durch den gleichnamigen Angriff in der Sizilianischen-Verteidigung. Aufgrund seiner fantasievollen und manchmal genialen Partien auch „der jugoslawische Tal“ genannt. Sein Gespür für Initiative und Angriff machten ihn besonders gefürchtet. Die Entwicklung der Sizilianischen-Verteidigung wurde stark von seinen Ideen und Analysen geprägt. Hier zwei Beispiele:

Weiß: Velimirovic, D. (2500)

Schwarz: Ljubojevic, L. (2550)

JUG-ch Umag, 1972 [B99]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 In den 70-er Jahren war das die gefährlichste Waffe gegen die Najdorf-Variante. Heute wird die Mode von 6.Le3 diktiert.

6...e6 7.f4 Le7 8.Df3 Dc7 9.0-0-0 Sbd7 10.Ld3 10.g4 ist die Hauptfortsetzung.

10...b5 Heute ist dieser Zug nicht mehr im Gebrauch, aber damals war die Variante völlig unerforscht. Die Praxis zeigte, dass die Variante 10...h6 11.Lh4 g5 12.fxg5 Se5 13.De2 Sfg4 für Schwarz zufriedenstellend ist.

11.The1 Lb7 12.Sd5! Sxd5 12...exd5 13.Sf5 Kf8 14.Dg3 (nicht so klar ist 14.exd5 Ld8 15.Dg3 Tg8 16.Sxg7 Txg7 17.Lh6 Sh5 18.De3 Lf6 19.De4 wie in der Partie Timman-Jacobsen ,Helsinki 1972.) 14...dxe4 15.Lxe4 Lxe4 16.Txe4 Sxe4 17.Lxe7+ Ke8 18.Dxg7 Tf8 19.Dd4 Dc4 20.Lxf8 Sxf8 21.Dxe4+ Dxe4 22.Sxd6+ 1-0, Beliavsky-M.Trifunov, Parcetic mem.1972.

13.exd5 Lxg5 14.Txe6+!!

14...fxe6 In der folgenden Partie ist GM Kotsur in dieser Variante unterlegen: 14...Kd8 15.fxg5 Se5 16.Txe5 dxe5 17.Sf5 g6 18.Sh6 Kc8 19.Le4 Ta7 20.d6 Dd7 21.Sg4 Kb8 22.Lxb7 Dxb7 23.Df6 Tc8 24.d7 Txc2+ 25.Kb1 1-0, Peng Xiaomin-Kotsur, Shenyang 1999.

15.Sxe6 Da5 16.Dh5+ g6 17.Dxg5 In unzähligen Partien bewies Velimirovic, dass das Material in solchen Stellungen nebensächlich ist!

17...Tg8 Es droht 18.Lg6.

18.Td2! Der Turm muss in den Angriff. Droht tödlich 19.Te2.

18...Sf8 Was passiert auf 18...Sc5? 19.Sxc5 dxc5 20.d6 Dd8 21.Te2+ Kd7 22.Te7+ Kc8 23.Dxc5+ Kb8 24.Tc7 Ta7 25.Le4 De8 26.Te7 Dc8 27.Db6 Ka8 und Schwarz ist fast in Zug-Zwang. Z.B. 28.Txh7 Tf8 29.Lf3 Db8 30.Txb7 Txb7 31.Dxa6+ Da7 32.Lxb7+ Kb8 33.Dxa7+ Kxa7 34.Le4 mit leichtem Gewinn für Weiß.

19.Sxf8 Dd8 Den Springer darf man nicht nehmen: 19...Txf8 20.Te2+ Kd7 21.De7+

20.Sxh7 Dxg5 21.fxg5 Kf7 22.Sf6 Th8 23.g3 Lc8 24.h4 Weiß hat drei Bauern für die Qualität und eine dominierende Stellung.

24...Lf5 25.Lxf5 gxf5 26.h5 Ta7 27.Tf2 1-0


Weiß: Velimirovic, D. (2530)

Schwarz: Vasiukov, E. (2560)

IBM Amsterdam, 1974 [B89]

1.Lxf7+ Txf7 2.Dxe8+ Sxe8 3.Txe8+ Tf8 4.d7 Dd6 5.Tf1 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog