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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 349 vom 25.07.1997, Kategorie Kolumne

IM Dr. Andreas Dückstein ein 70er (25. Juli 1997)

Dr. Dückstein (11 kB)

Österreichs gemeinsam mit GM Karl Robatsch erfolgreichster Schachspieler nach dem Zweiten Weltkrieg wird am 2. August 70.

Alle Erfolge des Wiener Altmeisters, der 1949 aus Ungarn nach Österreich flüchtete und 1954 die österreichische Staatsbürgerschaft erlangte, an dieser Stelle aufzählen zu wollen, sei es nun auf nationaler Ebene - u.a. dreimal Staatsmeister und neunmal Wiener Stadtmeister (1952, 1955 bis 1957 sowie 1964 bis 1969) - oder auf internationaler Ebene, hier vor allem in Mannschaftsbewerben, hieße den Platz bei weitem zu sprengen.

Seine größten Erfolge bei internationalen Mannschaftsbewerben feierte Dückstein bei den diversen Einsätzen bei Schacholympiaden und den Claire-Benedikt-Turnieren.

Stellvertretend für seine vielen Erfolge bringen wir in der Folge seine Siege über Weltmeister Michael Botwinnik und Exweltmeister Dr. Max Euwe.

Einen ausführlichen Bericht über das Lebenswerk des Altmeisters findet Sie in Kürze auf unserer Schachhomepage.

Weiß: IM A. Dückstein

Schwarz: GM Botwinnik

Sizilianisch [B66]

Schacholympiade, München 1958

Anm. IM J. Lokvenc, DSZ & I. Balinov

1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 d6 6. Lg5 e6 7. Dd2 a6 8. 0-0-0 h6 9. Lf4. 9. Lh4 verbietet sich wegen 9. ... Sxe4, doch kam als Alternative 9. Le3 in Betracht.

9. ... Ld7. Nicht so gut wäre 9. ... Le7 wegen 10. Sxc6 bxc6 11. e5 und Weiß erhält das bessere Spiel.

10. Lg3. Es drohte Figurenverlust durch Sxd4 11.Dxd4 e5. Derzeit gilt 10. Sxc6 Lxc6 11. f3 d5 12. De1 Lb4 13. a3 La5 14. b4 als Hauptvariante.

10. ... Le7 11. f3 Se5. Die hiermit eingeleitete Aktion kostet den Gegner zwar das Läuferpaar, ist aber ziemlich zeitraubend. In Betracht kam statt dessen 11. ... Tc8. Gut für Weiß ist auch 11. ... Sxd4 12. Dxd4 e5 13. Dd3 Le6 14. Lh4.

12. f4. Auf 12. Kb1 folgt 12. ... Tc8! 13. f4 Txc3! (Vorteilhaft für Weiß ist hingegen 13. ... Sc4?! 14. Lxc4 Txc4 15. e5 dxe5 16. fxe5 Sh5 17. Lf2) 14. fxe5 Sxe4 15. De1 Sxg3 mit Vorteil für Schwarz.

12. ... Sh5! 13. Le2. Etwas besser wäre 13. Kb1 gewesen. Weiß kann seinen Läufer dem Abtausch nicht entziehen, da er nach 13.Lf2? durch Sxf4 einen wichtigen Bauern verlieren würde (14.Dxf4? Lg5!). Ebenso folgt auf 13. fxe5?? Lg5.

13. ... Sxg3 14. hxg3 Sc6. Wieder war 14. ... Tc8! zu erwägen, um den Springer nach c4 zu bringen. Der Weltmeister will sich aber offenbar die Option auf die große Rochade offen lassen. Ein schwerer Fehler wäre natürlich 14. ... Dc7 gewesen wegen 15.fxe5 Lg5 16.Dxg5!.

15. Kb1 Db6. Auf 15. ... 0-0 folgt sehr stark 16. Sf3! mit Idee g2-g4-g5.

16. Sb3 0-0-0. Nun folgt auf 16. ... Tc8 17. e5 d5 18. Lf3 mit etwas besserem Spiel für Weiß.

17. Lh5. Ein guter Zug, der eine Schwächung der Bauernstellung erzwingt.

17. ... g6 18. Lf3 Kb8 19. The1. Droht unter Umständen Sd5. 19. ... The8 20. Te3 Lf8 21. a3. Nichts erreicht Weiß hingegen mit 21. Td3 Sb4 22. Te3 Sc6.

21. ... Dc7. Der Entlastungsversuch 21. ... Sa5 würde an 22. Sd5 exd5 23. Sxa5 (drohend Tb3) scheitern.

22. Td3 Lc8 23. Se2 h5 24. Sbd4 e5. Nach Ansicht Botwinniks kam hier 24. ... Sa5 mit der Folge 25. Tc3 Sc4 26. Dd3 d5 27. exd5 exd5 28. Lxd5 Txd5 29. Txc4, und Schwarz hat für den geopferten Bauern ein ausgezeichnetes Figurenspiel, in Betracht.

25. Sxc6+ bxc6. Falls 25. ... Dxc6, so 26. Sc3 Le6 27. Sd5 mit starker weißer Stellung.

26. Tb3+ Ka8 27. Dd3 Ka7 28. De3+ Ka8 29. Dd3 Ka7 30. Sc3. Weiß gibt zu erkennen, daß er mit Remis durch Zugwiederholung nicht einverstanden ist.

30. ... Le6. Zu erwägen war auch 30. ... Lb7 31. Sa4 Tb8.

Diagramm (16 kB)

31. De3+ c5. Es scheint, daß 31. ... Ka8 besser ist. Es könnten sich folgende Fortsetzungen ergeben:

A) 32. Db6 Dxb6 33. Txb6 Ka7 (33. ... Tc8 34. Txa6 Kb7 35. Ta4 Ted8 mit etwas besserem Spiel für Weiß) 34. Sa4 (nicht 34. Txc6 wegen 34. ... Kb7) 34. ... Lc4 mit der Drohung Lb5. Falls aber 34.Tb4, so d5!.

B) 32. Tb6 32. ... Lc4 mit der Drohung c5. Schwarz hätte keine dieser Fortsetzung zu fürchten.

32. Sd5 Lxd5. Der Springer konnte in seiner beherrschenden Position nicht belassen werden.

33. Txd5 Tb8 34. fxe5 Txe5 35. Txe5 dxe5 36. Txb8 Kxb8 37. Le2 a5 38. Lc4 f5. Gut für Weiß war auch 38. ... f6 39. Ld5.

39. Db3+ Kc8. Oder 39. ... Ka7 40. Db5 fxe4 41. Da6+ Kb8 42. Ld5 mit kräftiger weißer Initiative.

40. Le6+ Kd8 41. exf5 gxf5 42. Dd5+ Dd6. Auch nach 42. ... Ld6 43. Lxf5 bzw. 42. ... Ke7 43. Lxf5 Dd6 44. Da8 bleibt Weiß am Drücker.

43. Da8+ Ke7 44. Lxf5 e4 45. Dxe4+ Kf7 46. Df3 Ke7 47. Dxh5 Dxg3 48. De2+ Kf6 49. De6+ Kg7 50. Le4 Ld6 51. Ld5 und Schwarz gab auf.


Weiß: IM Dr. A. Dückstein

Schwarz: GM Dr. M. Euwe

Sizilianisch [B97]

Claire-Benedikt-Turnier 1958

Anm. GM Dr. Max Euwe, DSZ

1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 a6. Das Najdorf-System erfreut sich noch immer großer Beliebtheit und wird sicher die Theoretiker in den kommenden Jahren noch ernsthaft beschäftigen.

6. Lg5 e6. Am gebräuchlichsten, doch ist 6. ... . Sbd7 gefolgt von 7...g6 vermutlich ebensogut spielbar.

7. f4 Db6. Der Wert dieses Zuges steht und fällt mit der Korrektheit des folgenden Bauernopfers, das Schwarz nicht gut ablehnen kann.

8. Dd2. Wie sich gezeigt hat, bringt 8. Sb3 De3+ für Weiß nichts ein.

8. ... . Dxb2 9. Tb1 Da3 10. e5. Damit überrumpelte Keres in Göteborg 1955 Fuderer. Inzwischen hat man wohl verschiedene Verbesserungen für Schwarz angegeben, doch in der Praxis wird dieser meist vor einer schweren Aufgabe stehen.

10. ... . dxe5. Fuderer spielte in der genannten Partie 10. ... . Sfd7 und mußte nach 11. f5! Sxe5 12. fxe6 fxe6 13. Le2 Sbc6 14. Sxc6 bxc6 15. Se4 d5 16. 0-0 Da4 17. Lh5+ Kd7 18. Txf8! aufgeben.

11. fxe5 Sfd7 12. Lc4. Dies stammt ebenfalls von Keres. Tal versuchte mit 12. Se4 den weißen Angriff zu beleben, allein nach 12. ... . h6 13. Lh4 Dxa2 14. Tb3 Sc6 15. Sxc6 bxc6 hat Schwarz wenig zu befürchten, z.B. 16. Sd6+ Lxd6 17. Dxd6 Da5+! und Schwarz erzwingt Damentausch.

12. ... . Le7. Gefährlich ist 12. ... . Dc5 13. Lxe6 fxe6 14. Sxe6 Dxe5+ 15. De3! Dxe3+ 16. Lxe3 Ld6 17. Sd5, wie sich in der Partie Matanovic-Barcza, Budapest 1957 zeigte.

13. Lxe6!. Diese Fortsetzung, die Dückstein bereits für das Zonenturnier in Wageningen 1957 vorbereitet hatte, ist auch in diesem Falle sehr aussichtsreich. Eine kurz zuvor veröffentlichte Analyse von Spassky und Tolusch stellte nur 13. Tb3 in Rechnung.

Diagramm (16 kB)

13. ... 0-0. Wahrscheinlich am besten. Nach 13. ... fxe6 14.Sxe6 würde sich das Spiel sehr verwickeln, z.B. 14. ... Lxg5 und nun:

1) 15. Sxg7+ Kf7 16. 0-0+ Kg6 und der weiße Angriff geht nicht recht weiter; bzw.

2) 15.Sc7+ Kd8 16.Dg5+ Kxc7 17.Sd5+ Kc6. Weiß hat nun Remis in der Hand durch 18.Se7+ kann er aber auch mit 18.e6 einen scharfen Gewinnversuch unternehmen.

Ungenügend wäre 13. ... Lxg5 wegen 14. Lxf7+ Kxf7 15. 0-0+, doch käme 13. ... Sc6 in Betracht.

14. 0-0 fxe6?. Hiernach gibt es kaum noch Rettungsmöglichkeiten für Schwarz. Nach 14. ... Lxg5 jedoch würde die schwarze Dame eine aktive Rolle spielen. Einige Varianten: 15. Dxg5

a) 15. ... Dxc3? 16. Txf7 Txf7 17. Dd8+ Sf8 18. Lxf7+ und gewinnt

b) 15. ... Dc5 16. Txf7 Txf7 (16. ... . Dxd4+ 17. Kh1 Txf7 18. Dd8+ kostet die Dame) 17. Tf1 mit vernichtendem Angriff.

c) 15. ... h6. Dies scheint noch die beste Verteidigung zu sein, z.B. 16. Dh4 Sxe5 17. Lxc8 Dxc3 (17. ... Txc8 18. Sd5!) 18. Lxb7 Ta7 und es ist möglich, daß Schwarz standhalten kann. Oder 16. Dg3 Dc5! und Schwarz bekommt Gegenspiel, bzw. 16. Dd2 Sxe5 17. Lxc8 Txc8 18. Sd5 Sbd7 19. Sf5 Dc5+ 20. Kh1 Dxc2 mit schwer abzuschätzenden Chancen.

15. Sxe6. Von hier ab wäre 15. ... Lxg5 schlecht. Nach 16. Dxg5 hätte Weiß bereits direkte Mattdrohungen. Auch ist die Möglichkeit Dc5+ nicht mehr vorhanden.

15. ... Sc6. Nach 15. ... Txf1+ 16. Txf1 würde das weiße Übergewicht am Königsflügel entscheidend zur Geltung kommen.

16. Sd5!. Viel stärker als 16. Sxf8. Die beiden Rösser entfalten nun eine mörderische Aktivität. Es droht u.a. einfach Tb3.

16. ... Lc5+ 17. Kh1 Scxe5. 17. ... Sdxe5 scheitert an 18. Sxf8 Lxf8 19. Sb6 Tb8 20. Dd5+ Kh8 21. Lf4!, und Schwarz kann aufgeben.

18. Sxf8 Lxf8. Oder 18. ... Sxf8 19. Sc7 Tb8 20. Dd5+ und gewinnt.

19. Sc7 Tb8 20. Se6. Droht von neuem 21. Sxf8, gefolgt von 22. Dd5+ mit Figurengewinn.

20. ... Sg6 21. Dd5 Kh8. Schwarz macht lauter Zwangszüge.

22. Dd4!. Droht 23.Txf8+ und Schwarz muß die Dame geben, um dem drohenden Matt zu entgehen.

22. ... Sf6. In der Hoffnung, nach 22. ... Sf6 23. Sxf8 Dxf8 24. Lxf6 gxf6 25. Txf6 noch etwas Spiel zu bekommen.

23. Sxf8 Dxf8 24. Tbe1!. Die Krönung des meisterhaft gespielten Angriffs. Gegen die Drohung Lxf6 ist jetzt kein Kraut mehr gewachsen. Der Lc8 darf wegen unvermeidlichen Figurenverlusts nicht herauskommen.

24. ... Ld7. Schwarz fügt sich ins Unvermeidliche.

25. Lxf6 Lc6 26. Le5. Der Rest hat keine Bedeutung mehr. Es folgte noch
26. ... Dd8 27. Lxg7+ Kg8 28. Dxd8+ Txd8 29. Lh6 Kh8 30. Kg1 Tg8 31. g3 Ld5 32. a3 Tc8 33. Tf5 Lc6 34. h4 und Schwarz gab auf.

ÖM Lothar Karrer