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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3507 vom 01.08.2003, Kategorie Kolumne

36. Schach-Festival in Biel

Vom 19. Juli bis 1. August findet die 36. Ausgabe des Schach-Festivals in Biel statt. Traditionellerweise wurde parallel zum Open auch ein sehr starkes GM Turnier veranstaltet. Die Teilnehmer: Nummer 1 und 2 der Schweiz GM Viktor Korchnoi (auch beim Wiener Rathaus Open vom 16. bis 24. August dabei) und GM Yannick Pelletier, Vorjahressieger GM Ilia Smirin, der Ex-2700 GM Alexander Morozevich, die Nummer 1 in Deutschland GM Christopher Lutz und die Nummer 2 in Frankreich GM Etienne Bacrot.

Stand vor der letzten Runde:

Weiß: Morozevich (2679)

Schwarz: Pelletier (2602)

Biel SUI, [B47]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 Se7 4.c5 5.a3 La5 ist eine alte Variante, die schon Botvinnik spielte und in den späten 90-er Jahren von Khalifman wieder in Mode gebracht wurde.

5.a3 Lxc3+ 6.bxc3 c5 7.h4 Weiß hat drei andere gute Alternativen: 7.Dg4, 7.Sf3 oder 7.a4.

7...Da5 8.Ld2 Sbc6 9.h5 h6 Schwarz darf h5-h6 nicht zulassen, da sonst die schwarzen Felder geschwächt würden.

10.Th4 Selten gespielter Zug. Häufiger wird mit 10.Dg4 oder 10.Sf3 fortgesetzt. Z.B. 10.Dg4 Sf5 11.Ld3 Sce7 12.dxc5 Dxc5 13.Sf3 Ld7 14.Db4 Dc7 15.Df4 g5 16.hxg6 Sxg6 17.Dh2 0-0-0 18.0-0 Tdg8 19.Tfe1 remis, Mokry-Farago AUT-chT 1993 oder 10.Sf3 Ld7 11.a4 0-0-0 12.Dc1 f6 13.exf6 gxf6 14.Le2 e5 15.Tb1 Dc7 16.Da3 cxd4 17.cxd4 Sf5 18.c3 Tde8 19.dxe5 fxe5 20.Sh4 mit kompliziertem Spiel, Minasian-Lputian, ARM-ch-Yerevan 1995.

10...Ld7 11.Tg4 Dc7 Beachtung verdient hier 11...Sf5 und auf 12.Ld3 Sce7 wäre 13.a4 nebst Se2, Kf1 und Ld2-c1-a3 ein möglicher weißer Plan. Den a4-Bauern zu nehmen ist ein großes Risiko für Schwarz.

12.Sf3 Auf 12.Txg7 kommt 12...cxd4.

12...g5 Der Schweizer plant die lange Rochade mit Gegenspiel am Königsflügel.

13.hxg6 Weiß hat keinen Grund hier nicht zu nehmen.

13...fxg6 14.Tb1 g5 Schwarz hat eine ziemlich angenehme Stellung erreicht.

15.dxc5 Keine leichte Entscheidung. Morozevich schwächt den Punkt e5, dafür erhält der g4-Turm freie Bahn auf der vierten Reihe.

15...0-0-0 Nach 15...Sxe5 16.Tgb4 Lc6 17.Sd4 kommt Schwarz nur schwer zur Rochade. Logisch wäre mit 15...Sg6 sofort Druck auf e5-auszuüben. Z.B. 16.c4 Sgxe5 17.Sxe5 Dxe5+ 18.De2 (Mit den Damen am Brett hat Weiß Probleme: 18.Le2 0-0-0 19.Tg3 Thf8 20.cxd5 exd5) 18...0-0-0 19.cxd5 Dxe2+ 20.Lxe2 exd5 21.Tg3 Tde8 und Schwarz steht nicht schlechter.

16.Ld3 Verhindert 16....Sg6.

16...Thg8 Weiß hat nach 16...Sxe5 Z.B. 17.Tgb4 Sxf3+ 18.Dxf3 Lc6 19.Df6 Tde8 20.Lb5 die Initiative.

17.De2 Weiß sichert den Punkt e5 und steht konsolidiert.

17...Tdf8 Schwarz muss schon aufpassen. Auf 17...Sg6 folgt schon 18.La6. Und nach 18...Sa5 (18...bxa6 19.Dxa6+) 19.Tgb4 Lc6 20.Sd4 wird Schwarz kaum überleben.

18.c4 Morozevich öffnet die e1-a5 Diagonale für den Läufer und übt Druck auf d5 aus, bevor Schwarz zu Se7-g6 kommt.

18...Sg6 Verstärkt den Druck auf e5. Weiß muss schnell agieren. Das Qualitätsopfer 18...Txf3 sieht verlockend aus, ist aber nicht ausreichend: 19.gxf3 Sxe5 20.cxd5 Sxd5 (20...Sxg4 21.La6 Dxc5 22.Txb7 Kd8 23.fxg4; 20...exd5 21.Tgb4 Lc6 22.Lb5) 21.La6 Lc6 (21...bxa6 22.Dxa6+ Kd8 23.La5) 22.f4 Sd7 23.fxg5 bxa6 24.Dxe6.

19.cxd5 exd5 Für 19...Scxe5. ist wegen 20.Sxe5 Sxe5 21.c6 keine Zeit.

20.La6!? Morozevich wirft sich sehr entschlossen ins Gefecht.

20...bxa6 Pelletier ist auch mutig. Er konnte mit 20...Lxg4 21.Txb7 Lxf3 (21...Dxb7 ist nicht gut) 22.Txc7+ Kxc7 23.Db5 (23.gxf3 Sgxe5) 23...Tb8 24.La5+ Kd7 25.Lb7 Sgxe5 26.gxf3 Tgf8 27.Lxc6+ Sxc6 28.Dd3 Tfe8+ 29.Kf1 und jetzt mit 29...Sxa5 Remis erzwingen: 30.Dxd5+ Kc7 31.Dd6+ Kb7 32.Dd5+ Kc7 Dauerschach.

21.Dxa6+ Kd8 22.Tb7 Dc8 23.e6!

Wichtiger Zwischenzug, der schwer vorauszusehen war!

23...Lxe6 24.Sd4 Ld7 Die Varianten 24...Lxg4 25.Sxc6+ Ke8 26.Tb8 und 24...Sxd4 25.Txd4 verlieren. Interessant ist aber 24...Sge5 Z.B. 25.La5+ Sxa5 (25...Ke8 ist schlecht wegen 26.Sb5) 26.Sxe6+ 26...Ke8 27.Sc7+ Kf7 Einziger Zug. (27...Kd8 verliert) 28.Sxd5+ Dxb7 (28...Sxb7 29.Df6+ Ke8 30.De7#) 29.Df6+ Ke8 30.Dxe5+ Kd8 31.Dd6+ Dd7 32.Db8+ Dc8 33.Dd6+ Dd7 34.Db8+ Dauerschach.

25.La5+ Ke8 25...Sxa5 26.Dxa5+ Ke8 27.Txa7 27...Lxg4 28.Da4+ 28...Ld7 29.c6 Kf7 (29...Tg7 30.cxd7+ Txd7 31.Ta8) 30.Txd7+ Kf6 31.Td6+ Ke5 32.Sb5 Sf4 33.Db3 Te8 34.Dc3+ Kf5+ 35.Kd1 Te6 36.Sd4+ Ke5 37.Sb5+ Kf5 38.Sd4+ Dauerschach.

26.De2+ Sge7 Bis jetzt verteidigte sich Pelletier ausgezeichnet. Wahrscheinlich mit knapper Zeit erwischt er hier die schwächste Antwort. Besser war 26...Sce5 27.Sb5 Tf6 28.Tb4 Dxc5 oder 26...Sce7.

27.Tc7 Db8?? Stellt die Partie ein. 27...Lxg4 geht nun nicht, weil der c6 Springer hängt: 28.Txc8+ Lxc8 29.Sxc6. Notwendig war 27...Sxa5 28.Txc8+ Lxc8 29.Tg3 Kd8 30.Te3 und Weiß hat immer noch die Initiative als Kompensation für das Minusmaterial.

28.Sxc6 Db1+ 29.Kd2 Tg7 30.Tb4 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog