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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3511 vom 08.08.2003, Kategorie Kolumne

Österreichische Staatsmeisterschaften

Am 27. Juli begannen in Hartberg im Gasthof "Zur Lebing Au" in einem sehr geräumigen und ruhigen Turniersaal die österreichischen Damen- und Herren-Staatsmeisterschaften. Die einzige Dame bei den „Herren“, WGM Eva Moser, musste das Turnier leider aus gesundheitlichen Problemen nach der 1. Runde abbrechen. Ein besonderes Service dieser Veranstaltung: Sämtliche Partien werden erstmals auch live im Internet (http://www.members.aon.at/schach1/live/start.htm) übertragen.

Nach 11 von 15 Runden führt bei den Herren der mehrfache Staatsmeister IM Niki Stanec souverän mit 1½ Punkten Vorsprung vor IM Volkmann und IM Sommerbauer. Beide Spieler haben aber eine Partie weniger gespielt. Angenehme Überraschung ist der erst 15jährige Debütant Markus Ragger. Er hat knapp 50% und siegte gegen Exstaatsmeister IM Baumegger (unsere heutige Partie) und IM Lendwai. Bei den Damen dürfte die Vorentscheidung bereits gefallen sein. In der 9. Runde besiegte die nun Führende Anna-Christina Kopinits die Elo-Favoritin Helene Mira.

Zwischenstand:

Hier finden Sie alle Ergebnisse und Tabellen.

Weiß: Ragger, M (2347)

Schwarz: Baumegger, S (2375)

Aut ch03 Hartberg, [C45]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Dank Kasparov war die Schottische Partie am Beginn der 90-er Jahre sehr populär. Schwarz verfügt über einige verlässliche Möglichkeiten.

4...Sf6 4...Lc5 ist die andere Hauptvariante.

5.Sxc6 Die alte Variante 5.Sc3 Lb4 6.Sxc6 bxc6 7.Ld3 d5 8.0-0 0-0 9.exd5 cxd5 10.Lg5 c6 führt nur zum Ausgleich.

5...bxc6 6.e5 De7 7.De2 Sd5 8.c4 Sb6 Oder das häufig gespielte 8...La6.

9.Sc3 La6 10.De4 De6 11.b3 Lb4 12.Ld2 Lxc3 13.Lxc3 d5 14.Dh4 Zum ersten Mal von Kasparov in seiner Partie gegen Adams aus dem Jahr 1999 gespielt.

14...dxc4 15.Le2 Sd5 16.Lxc4 Die Ursprungspartie Kasparov-Adams, Sarajevo 1999 verlief folgendermaßen: 16.Ld4 c5 17.Lxc5 Sc3 18.Lxc4 Dxe5+ 19.Le3 Se4 20.0-0 Lxc4 21.bxc4 0-0 22.Tfe1 Tfe8 23.f3 Sd6 24.Lf2 mit weißem Vorteil, den Kasparov auch verwertete. Ein Jahr später verstärkte Jeroen Piket das schwarze Spiel: 16.Ld4 Df5! 17.0-0 Sf4 18.Lf3 0-0 19.Tfd1 cxb3 mit guter Stellung für Schwarz, Morozevich-Piket, Kasparov chess GP 2000.

16...Lxc4 Sigi hat vielleicht die Variante vergessen. Besser ist der Zwischenzug 16...g5, mit Tempogewinn im Vergleich zur Partie. Ein Beispiel aus der letzten Turnierpraxis: 17.Dd4 Lxc4 18.Dxc4 0-0-0 19.0-0 (Schwarz hat nach 19.Ld4 Kb7 20.0-0 h5 21.Tac1 Td7 22.a4 Thd8 23.Dc5 Sb6 24.Le3 Td5 gutes Spiel Baklan-Piket, DBL 2000.) 19...Sf4 20.Dxe6+ Sxe6 21.Tfe1 Td3 22.Tac1 Thd8 23.Kf1 h5 24.Te4 c5 25.g3 Td1+ 26.Te1 T1d3 mit Ausgleich, Macieja-Timman, Curacao 2002.

17.Dxc4 g5 18.0-0 0-0-0 Bekannte Stellung, nur sollte hier Schwarz am Zug sein.

19.Da6+ Kb8 20.Ld4 Sb6 21.Le3!? Für die Initiative opfert Markus einen Bauer.

21...Dxe5 22.a4 Verhindert Damentausch mit 22....Db5 und droht eventuell a4-a5.

22...Td6 23.Tac1 Thd8 24.a5 Sc8 25.Lc5 Weiß erlangt auch mit 25.Tc5 Td5 26.Dxc6 Txc5 27.Lxc5 Vorteil.

25...Th6 Zu überlegen war auch 25...Td3.

26.h3 Dd5 27.Tc4 Th4 28.f4!

Starker Zug! 28.Tfc1 Txc4 29.Txc4 De5 wäre nicht so klar gewesen.

28...Ka8 Vielleicht sollte Schwarz 28...Txf4 probieren, obwohl nach 29.Tfxf4 gxf4 30.Tb4+ Sb6 31.Lxb6 (31.Lf2 ist schlecht wegen 31...Tg8 32.Df1 Dxa5) 31...cxb6 32.axb6 Dc5+ 33.Kh2 axb6 34.Txb6+ Kc7 35.Tb7+ Kd6 36.Txf7 der Nachziehende kein leichtes Leben hätte.

29.Le3 Sehr stark war 29.Kh2 mit den Drohungen 30.Tb4 und 30.Td4.

29...Db5 Ein schlechtes Endspiel erwartet Schwarz nach 29...Tg8 30.Dxc6+ (30.Tb4 bringt wenig wegen 30...c5) 30...Dxc6 31.Txc6 g4 32.Lf2.

30.Dxb5 cxb5 31.Txc7 Weiß gewinnt den Bauern zurück und steht klar überlegen.

31...gxf4 32.Lf2 32.Lxf4 sollte auch gut sein.

32...Th6 33.Tfc1 Kb8 34.Txf7 Sd6 35.Txa7 Se4 36.Lb6 Tc8 37.Txc8+ Kxc8 38.Tf7 Tf6 39.Txf6 Sxf6 40.Kf2 Se4+ 41.Kf3 Sd2+ 42.Ke2 Se4 Der b3-Bauer ist vergiftet: 42...Sxb3 43.Kd1 Kb7 44.Kc2 Sa1+ 45.Kb2 mit Springerverlust.

43.b4! Jetzt hängt der b3-Bauer nicht mehr und der weiße König kann sich ruhig mit dem f4-Bauern beschäftigen. Schwarz gab auf. 1-0


Biel und Dortmund.

Inzwischen ist das starke GM-Turnier in Biel zu Ende gegangen. Wie erwartet gewann der Russe Morozevich überzeugend. Eine Seltenheit: Viktor Korchnoi, „der Schreckliche“, landete am letzten Platz. Seine nächste Chance sich zu rehabilitieren, hat er beim Wiener Rathaus Open in zwei Wochen.

Nach der 6. Runde in Dortmund führt überraschenderweise Viktor Bologan mit 5 aus 6, vor Kramnik 3½, Anand 3, Radjabov 2½, Leko und Naiditsch mit je 2.

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog