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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 353 vom 01.08.1997, Kategorie Kolumne

Wer ist IM Siegfried Baumegger? (1.August 1997)

Der steirische Landesmeister stellt sich vor:

Nachdem der frisch gebackene steirische Landesmeister nach einer Leistungsexplosion in der letzten Wertungsperiode in der neuen FIDE-Wertungsliste gleich einem Meteor als Österreichs #1 auftauchte, ersuchte ich den Senkrechtstarter sich den Schachfreunden der WZ vorzustellen. Diesem Wunsch ist der sympathische steirische Noch-FM (der IM-Titel wird ihm Anfang September beim FIDE-Kongress in Kischinew, Moldawien, zugesprochen werden) gerne nachgekommen (LK):

Da sich gewiß viele Schachfreunde fragen werden, wie es kommt, daß plötzlich der bis dato ziemlich unbekannte Siegfried Baumegger an der Spitze der österreichischen Vertreter in der internationalen Eloliste steht, hier, nach einer Kurzcharakterisierung, eine Chronik, wie es dazu kam:

Ich bin 24 Jahre alt, lebe in Graz, wo ich mich als Student mit der Biologie (genauer Zoologie) plage. Zu meiner schachlichen Laufbahn sei nur gesagt, daß sich mich vom Verein meines Heimatdorfs Pernegg an der Mur, über Ex-Staatsligaklub Straßenbahn Graz zum Verein Fürstenfeld führte, wo ich seit 1995 in der höchsten Spielklasse schachspielen darf. Doch nun zu den merkwürdigen Ereignissen des Jahres 1997:

1) Nach einer schachlichen Flaute gegen Jahresende 1996, Sieg bei der traditionellen Grazer Stadtmeisterschaft im Jänner des heurigen Jahres mit 8 1/2 aus 9. (Offenbar machte die hartnäckige Grippeepidemie die damals in unserer Stadt grassierte meinen Gegnern sehr zu schaffen.)

2) Die Teilnahme am GM-Turnier (12 Teilnehmer, Rundenturnier, Eloschnitt 2405) des Schachklubs Honved in Budapest (Februar 1997) endet mit einer Riesenüberraschung: Turniersieg mit 7 1/2 Punkten vor GM Joszef Horvath (7/11), IM-Norm um einen Punkt übererfüllt. Ob meines für dieses Niveau nichtswürdigen FM-Titels, wurde meine Teilnahme erst nach Turnierende registriert - zu spät Joszef!

3) Mai 1997: Rückkehr nach Budapest; diesmal ein IM-Turnier der "First-Saturday-Serie" (Eloschnitt 2308). In 13 langen Runden gelingt mir mit dem Turniersieg und, durch eine Tour-de-Force mit drei Punkten aus den letzten drei Runden, der dritten IM-Norm wieder alles.

Das ergab zusammen mit den in der Staatsligasaison 1996/97 in die aktuelle Wertung einfließenden Partien eine Eloexplosion von 2360 auf 2485. Nachdem der kritische Leser nach Aufzählung dieser, meiner Person schmeichelnden Fakten, am bescheidenen Wesen des Autors zweifeln wird, will ich als erster eingestehen, daß dieses Elorating im Vergleich zur Spielstärke, vielleicht etwas zu hoch ausgefallen ist (ganz sicher um 5 Punkte).

Aber damit nicht genug des Eigenlobes: sozusagen als Art Bestätigung dieser unerhörten Ergebnisse, ließ man mich in der Zwischenzeit steirischer Landesmeister werden (2. IM Danner, 3. FM Freitag). Auch mit Rang zehn, als bester österreicher (ex aequo mit Österreichs Ex-#-1 IM Stanec) bei der 19. Ausgabe des Oberwarter Opens (8 GM, 12 IM, 187 Teilnehmer) kann man zufrieden sein. Falls Sie, werter Leser, jetzt überhaupt noch weiterlesen, zwei Partien für das gestrenge Auge der Öffentlichkeit.

 

Weiß: IM T. Fogarasi

Schwarz: FM S. Baumegger

Modernes Benoni [A65]

Anm. FM S. Baumegger

1. c4 Sf6 2. d4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. f3 0–0 6. Lg5 c5 7. d5 e6 8. Dd2 h6 9. Le3. Möglich ist auch 9. Lxh6. Schwarz braucht hierauf 9. ... Sxe4 nicht zu fürchten, da er nach 10. Sxe4 Dh4+ 11. g3 Dxh6 12. Dxh6 Lxh6 13. Sxd6 exd5 14. cxd5 Sd7 Kompensation für den Minusbauern in Form des starken schwarzfeldrigen Läufers und der besseren Entwicklung besitzt.

9. ... exd5 10. cxd5 a6 11. a4 Te8. Ein nützlicher Wartezug: Nach 11. ... Sbd7 könnte Weiß seinen Springer über h3 auf das Idealfeld f2 überführen.

12. Sge2 h5. 13. Lh6 war jetzt schon stark zu beachten.

13. Sf4. Ungewöhlich, aber nicht unbedingt schlecht. Normalerweise geht dieser Springer, um die weiße Entwicklung durch Le2 fortzusetzen nach c1 oder g3.

13. ... Sbd7 14. Sd3 Sh7. Öffnet die Diagonale des Lg7, ermöglicht das für diese Variante typische Gegenspiel mit f5 einzuleiten und beäugt das geschwächte Feld "g5".

15. Le2 Se5 16. Sf2 f5 17. 0–0 b6. Damit soll der schwarze Damenturm via die 7. Reihe zum Königsflügel überführt werden, Weiß öffnet für sich in den nächsten Zügen die b-Linie.

18. Tab1 Ta7 19. b4 Tf7 20. bxc5 bxc5 21. h3. Damit droht Weiß f4, da er g4 unter Kontrolle hat. In Anbetracht dessen startet Schwarz eine forcierte Aktion.

21. ... f4 22. Lxf4 Sxf3+ 23. Lxf3 Lxc3 24. Dxc3 Txf4 25. Sd3 Tff8. Bilanz: Die schwarze Königsstellung macht einen luftigen Eindruck, doch auch die weiße Majestät kann durch Opfermotive auf h3 (in Verbindung mit Sg5) beunruhigt werden.

26. e5?. Sieht logisch aus: Weiß öffnet die Stellung, um die geschwächte schwarze Königsstellung auszunutzen. Der Zug findet jedoch eine taktische Widerlegung.

26. ... Sg5! 27. Le2. Verfehlt wäre hingegen 27. e6? wegen 27. ... Sxf3+ 28. Txf3 Txf3 29. gxf3 Dg5+ 30. Kh2 Dxd5 usw.

27. ... Sxh3+! 28. gxh3 Dg5+ 29. Kh1 De3 30. De1. Einziger Zug.

30. ... Dxh3+ 31. Kg1 De3+ 32. Kh2 c4 33. Txf8+ Txf8 34. Lf1 Dxe1?!. Bessere Erfolgsaussichten versprach 34. ... Dd4. Der Textzug gewinnt zwar die geopferte Figur zurück, vergibt aber den größten Teil des schwarzen Vorteils.

35. Txe1 cxd3 36. Lxd3 Lf5?!. Danach kann von einem schwarzen Vorteil keine Rede mehr sein und die Partie versandet nach nervöser Zeitnotphase ins Remis. 36. ... dxe5 hält einen Mehrbauern und bot noch Gewinnchancen. 37. Lxg6 (37. Txe5 Kg7) 37. ... Kg7! und nun verbietet sich 38. Lxh5?? wegen 38. ... Th8 39. Txe5 Kf6 und Schwarz gewinnt.

37. Lxa6 dxe5 38. Txe5 Kf7 39. Te2 Te8 40. Txe8 Kxe8 41. Lb5+ Kd8 42. a5 Kc7 43. a6 Le4 44. Lc6 Kb6 45. Lb7 g5 46. d6 Lf5 47. Kg3 h4+. Remis

 

Weiß: FM S. Baumegger

Schwarz: IM A. Toth

Königsindisch [E99]

Anm. FM S. Baumegger

1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0–0 6. Le2 e5 7. 0–0 Sc6 8. d5 Se7. Die Grundstellung der klassischen Variante im Königsinder. In jüngster Zeit ist 9.b4 am populärsten, daneben sind 9.Sd2, 9.Ld2 und natürlich auch der Partiezug möglich.

9. Se1 Sd7 10. Sd3 f5 11. Ld2 Sf6 12. f3 f4. Die schärfste Fortsetzung. Schwarz spielt auf den Vortstoß g5-g4 mit Königsangriff, während Weiß auf der c-Linie einzudringen sucht.

13. c5 h5 14. cxd6 cxd6 15. Tc1 g5 16. Sb5 Se8 17. a4. Schwarz drohte das weiße Spiel am Damenflügel durch 17. ... a6 18.Sa3 b5! zu durchkreuzen. Jetzt könnte Weiß nach 17. ... a6 18.Sa3 anschließend a5 nebst Sc4- b6 spielen.

17. ... Sg6 18. Sf2 Tf7 19. Db3. Um anschließend die Türme zu verdoppeln. Schwach wäre hingegen 19. Dc2?? Ld7 20. Sc7? Tc8 und Schwarz gewinnt.

19. ... Sf6 20. h3 g4?!. Sieht. verfrüht aus, und sollte durch Lf8 und Tg7 vorbereitet werden.

21. hxg4 hxg4 22. fxg4 a6?. Das gestattet Weiß auf kombinatorischem Wege entscheidend in die gegnerische Stellung einzudringen. Schwarz sollte am Damenflügel stillhalten und seinen Angriff mit Lf8, Tg7(h7) und Sh4 vorantreiben.

23. Sc7! Txc7 24. La5 Se8. Mit 24. ... b6 25. Dxb6 kommt Schwarz vom Regen in die Traufe.

25. Txc7 Sxc7 26. Tc1! f3. Schwarz versucht noch im trüben zu fischen, aber seine Drohungen werden leicht zurückgeschlagen.

27. Dxf3 Ld7. 27. ... Sh4 28. De3 und der Springer muß wieder nach g3 zurück.

28. Txc7 De7 29. g3 Tf8 30. De3 Df7 31. g5. Die Drohung 31. ... Lh6 wird damit im Keim erstickt, gleichzeitig kann Weiß das Feld g4 für seine Figuren nutzen und steht klar auf Gewinn.

31. ... Tc8 32. Txb7 De8 33. Lc3 und Schwarz gab auf.

ÖM Lothar Karrer