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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 362 vom 08.08.1997, Kategorie Kolumne

Herrenstaatsmeisterschaft in Mösern (Tirol) (8. August 1997):

Brestian, Stanec und Casagrande nach 4 Runden voran

Nach seiner überraschenden Niederlage im Wiener Spitzenduell gegen Egon Brestian gelang es Titelverteidiger Niki Stanec in der Zwischenzeit das verlorenen Terrain wieder wettzumachen und mit seinem Bezwinger gleichzuziehen. Dritter im Bunde ist der Trauner Harald Casagrande, der sein Formtief vom Linzer GM-Turnier überwunden haben dürfte.

Wir dürfen Sie an dieser Stelle erinnern, daß wir sowohl im Sportteil als auch im Internet täglich aktuell über die Herrenstaatsmeisterschaft berichten.

Zwischenstand nach 4 Runden:

1 .-3. Brestian, Casagrande und Stanec, je 3 Punkte
4 .-5. Wittmann, Mahdy, je 2,5
6.-10. Danner, Lendwai, Weinzettl, Kummer & Schlosser, je 2
11.-14. Sommerbauer, Dür, Hölzl & Lehner je 1,5
15.-16. Rolletschek & Schroll, je 1



Wiener Spitzenduell

Weiß: IM E. Brestian

Schwarz: IM N. Stanec

Sizilianisch [B22]

Anm. IM G. Schroll & FM N. Sommerbauer

1. e4 c5 2. c3 Sf6 3. e5 Sd5 4. d4 cxd4 5. Sf3 e6 6. cxd4 b6 7. Ld3. Eine Alternative bestand in 7. Sc3 Sxc3 8. bxc3 Dc7! 9. Ld2 Lb7, mit der Idee d6 nebst Sd7 nachfolgen zu lassen.

7. ... La6!?. In Betracht kam auch 7. ... Lb4+ 8. Ld2 Lxd2+ 9. Dxd2 La6.

8. 0–0. Auch nach 8. Lxa6 Sxa6 9. 0–0 Le7 10. Sbd2 0–0 11. Se4 Sac7 12. Lg5 f6 13. exf6 Sxf6 14. Lxf6 gxf6, Adams-Benjamin, New York 1996, war das weiße Spiel klar vorzuziehen.

8. ... Lxd3?!. Auf 8. ... Le7 folgt ähnlich wie in der Partie 9. Sc3 Sxc3 10. bxc3 Lxd3 11. Dxd3 d5 12. exd6 Dxd6 13. La3 mit Vorteil für Weiß. Als Alternative kam daher 8. ... Dc8!? in Betracht.

9. Dxd3 Le7. Nicht empfehlenswert war 9. ... Sc6?! 10. Sc3 Sxc3 11. bxc3 d5 12. exd6 und nun:

A) 12. ... Lxd6 13. Te1 Le7 bzw. 13. ...
0–0 14. Sg5 g6 15. Dh3 h5 16. g4 Le7 17. gxh5 Lxg5 18. hxg6 Lh4 19. Te4 Lxf2+ 20. Kxf2 fxg6+ 21. Kg1, jeweils mit Vorteil für Weiß.

B) 12. ... Dxd6 13. De4 bzw. 13. c4.

10. Sc3 Sxc3 11. bxc3.

 

10. ... d5?. Ein schon mehrfach produzierter positioneller Mißgriff. Richtig war 11. ... 0–0, mit nur wenig besserem Spiel für Weiß. Nach dem Textzug ist die Partie praktisch für den Anziehenden entschieden.

12. exd6 Dxd6 13. La3 Dc7. 13. ... Dxa3 verbietet sich selbstredend wegen 14. De4, aber auch nach 13. ... Dd8 14. Lxe7 Kxe7 mit der möglichen Folge:

A) 15. Se5 f6 16. Df3 Dd5 17. Dg3 g6 18. c4 Dd6 (18. ... Dxd4 scheitert an 19. Df3 Dxe5 20. Dxa8 Dc7 21. c5 bxc5 22. Tab1 Td8 23. Tb7 Sd7 24. Dxa7) 19. Tad1 Sd7 20. Sxd7 Dxg3 21. fxg3 Kxd7 22. Txf6 ist das weiße Spiel klar vorzuziehen.

B) 15. Tad1 15. ... f6 16. Tfe1 Kf7 17. Sg5+ , und Schwarz gibt auf, Braga-Priehoda, Catania 1993.

14. Lxe7 Kxe7. 14. ... Dxe7 verbietet sich wegen 15. De4.

15. d5. 15. Tad1 Sd7 16. d5 Dd6 17. Tfe1 stand sowohl in Fosson-Iskov, Gaudsdal 1988, als auch in Godena-Cvitan, Reggia Emilia 1991, jeweils mit kräftiger weißer Initiative, am Prüfstand.

15. ... Dd6. Vorteilhaft für Weiß ist auch 15. ... Td8 16. Dxh7 Dxc3 (Nicht besser ist 16. ... Txd5 17. Dxg7) 17. dxe6 fxe6 18. Tfe1, und 15. ... exd5 scheitert an 16. Dxd5 Sc6 17. Sg5 Kf8 18. Sxf7.

16. c4 Sd7 17. Sd4 Se5 18. De2 Thc8 19. Sb5. Ebenso gewann 19. f4 Txc4 20. Sb3 bzw. 20. fxe5 Dc5 21. d6+ Kd8 22. Df3 Dxd4+ 23. Kh1.

19. ... Db8 20. d6+ Kf6 21. Db2 und Schwarz streckte wegen der Drohung 22. f4 die Waffen, z.B. 21. ... Kf5 22.f4 Sxc4 23.Dxg7 usw.

Eine Partie wie aus einem Guß!

 

Komödie der Irrungen

Ein besonders krasses Beispiel, eine Gewinnstellung mit einem schlechten Zug zu verlieren, stellt die folgende Partie dar, in der sich Sommerbauer in der 2. Runde allerdings in bester Gesellschaft befand: In den Partien Schlosser-Wittmann, Schroll-Mahdy und Weinzettl-Kummer wurde ebenfalls das Ergebnis - den Spielverlauf betreffend - auf den Kopf gestellt.

 

Weiß: FM N. Sommerbauer

Schwarz: FM O. Lehner

Katalanisch[E02]

Anm. FM N. Sommbauer

1. Sf3 d5 2. c4 e6 3. g3 Sf6 4. Lg2 dxc4 5. Da4+ Sbd7 6. Dxc4 a6 7. Dc2 c5 8.
0-0 Le7?!.
Angebracht war 8. ... b5, mit der Absicht 9. Se5 mit 9. ... Sd5 zu beantworten.

9. Sc3 0-0 10. d4 cxd4. Zu erwägen war 10. ... Ta7!? nebst 11. ... b5 und 12. ... Lb7.

11. Sxd4 Sb6. Elastischer war 11. ... Lc5 12. Td1 De7.

12. Td1 Dc7 13. Lg5 Ld7?!. Auch nach dem besseren 13. ... h6 14. Lxf6 Lxf6 15. Se4 Le5!? (15. ... Dxc2 gibt 16. Sxf6+ gxf6 17. Sxc2 deutliches positionelles Übergewicht.) 16. Dxc7 Lxc7 17. Tac1 bleibt Weiß am Drücker.

14. Tac1 h6. 14. ... Tac8 beantwortet Weiß stark mit 15. Db3! (drohend 16. Sd5) 15. ... Sc4 16. Dxb7 Dxb7 17. Lxb7 und nun:

A) 17. ... Sxb2 18. Lxc8 Txc8 19. Tf1 (Hingegen verbot sich 19. Td2?? wegen 19. ... Se4 20. Sxe4 Txc1+ 21. Kg2 Lxg5 usw.) und Weiß gewinnt.

B) 17. ... Tc7 18. Lxa6 Sxb2 19. Se4 bzw. 19. Lxf6, jeweils mit Vorteil für Weiß.

15. Lxf6. Schwach wäre 15. Sd5? wegen 15. ... Sbxd5 16. Dxc7 Sxc7 17. Txc7 Tad8, drohend ... Lc8 nebst ... e5.

15. ... Lxf6 16. Se4 Dxc2 17. Sxf6+ gxf6 18. Txc2. Zu erwägen war auch 18. Sxc2 nebst Td6. 18. ... Tab8 19. Tc7. Weißen Vorteil versprach das sofortige 19. Sb3! und hätte das folgende Gegenspiel hintangehalten.

19. ... e5 20. Sb3 Lb5 21. Txb7 Lxe2 22. Td6 Sc4 23. Txb8?! Txb8. Besser war 23. ... Sxd6! und nun nicht

A) 24. Tb6? Td8 25. Lf1?? Sc4 26. Lxe2 (26. Txa6 Td1) 26. ... Sxb6 27. Lxa6 Sa4 mit klarem Vorteil für Schwarz, sondern

B) 24. Txf8+ 24. ..Kxf8 25. Lf1 Lxf1 26. Kxf1 Sc4 27. Sc5 Sxb2 28. Sxa6, mit etwas besserem Spiel für Weiß.

24. Txf6 Td8 25. h3 Td1+ 26. Kh2 Sxb2. Auch andere Züge sind nicht besser, z.B.:

A) 26. ... a5 27. Txh6 a4 28. Sc5 Sxb2 29. Tb6 mit Gewinn.

B) 26. ... h5 27. Txa6 Sxb2 28. Tc6, mit klarem Vorteil für Weiß.

C) 26. ... Kg7 27. Txa6 und nun:

C1) 27. ... Se3 28. Tc6 Sxg2 29. Kxg2 e4 30. g4, bzw. 30. Tc1 jeweils mit entscheidendem Vorteil für Weiß.)

C2) 27. ... Sxb2 28. Tc6 mit klarem Vorteil für Weiß.

27. Txh6 Kg7. Nicht besser ist 27. ... Sd3 28. Txa6 Sxf2 29. Ta7.

28. Tc6! Sd3 29. Tc2 Lh5. Besser, jedoch ebenfalls vorteilhaft für Weiß war 29. ... Te1!? 30. f3 f5.

30. Le4! f5??. Ein gräßlicher Bock in beiderseitiger Zeitnot.

31. Lxf5 Se1. Nach 31. ... Lf3 schafft sich Weiß mit 32. g4 ein Luftloch.

32. Tc1. Völlig unklar war hingegen 32. g4? Sxc2 33. Lxc2 Te1 34. gxh5 Te2.

32. ... Sf3+ 33. Kg2 Se1+ 34. Kf1 Txc1 35. Sxc1 Sf3 36. Sb3 Lf7.

37. Lc2??.

Mit dem a tempo gespielten Textzug wirft Weiß die bereits gewonnene Partie weg. Nach 37. Ld3 Lxb3 38. axb3 Sd2+ 39. Ke2 Sxb3 40. Lxa6 wäre der Tag hingegen rasch für Weiß entschieden gewesen.

37. ... Lc4+ 38. Kg2 Se1+ und Weiß gab auf.


Damenstaatsmeisterschaft in Gallspach

Nach 8 von 11 Runden ist der Ausgang der im oberösterreichischen Gallspach zur Austragung gelandenden Damenstaatsmeisterschaft noch völlig offen.

Zwischenstand nach der 8. Runde

1.- 3. Horvath, Mira & Sommer, je 6½
4. Borek 5
5. Hackbarth 4
6.- 7. Hapala, Hennings, je 3½
10.-11. Hanel, Lukan, je 2
12. Hohendanner 1½ Punkte

ÖM Lothar Karrer