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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3691 vom 29.08.2003, Kategorie Kolumne

Wien Open im Rathaus

Mit großem Erfolg verlief vom 16. bis 24. August das Wien Open 2003. 400 Teilnehmer aus über 25 Nationen, in drei Elo-Kategorien konnten die ausgezeichneten Bedingungen im großen Festsaal des Wiener Rathaus genießen. Dank der Sponsoren - Gemeinde Wien, Wiener Stadtwerke, Wien Holding, Wiener Tourismusverband und Schlossgold - erreichte der Preisfond 24.000 Euro. Für enormes Interesse sorgten im A-Turnier der jüngste GM aller Zeiten, der 13jährige Sergey Karjakin, und sein Gegenstück, die 72-jährige Schachlegende und Ex-Vize-Weltmeister Viktor Korchnoi. Überraschenderweise konnten die beiden Favoriten nicht ihre Stärken zeigen. Sie wirkten irgendwie müde und verloren die entscheidende letzte Partie.

Das Schicksal des Turniersiegs lag in der letzten Runde auf den beiden ersten Brettern. Brett eins zwischen Dizdarevic und Pavlovic war schell remis. Der alleinige erste Platz würde daher dem Sieger des zweiten Bretts winken. Dort kämpften der in Wien geborene GM Stefan Kindermann und der Urwiener IM Reinhard Lendwai. Doch nach drei Stunden Kampf wurden auch sie friedlich. Damit teilten sich am Ende acht Spieler den ersten Platz, die Zweitwertung fiel ganz knapp zu Gunsten von GM Emir Dizdarevic aus. Dritte GM Norm (und somit Großmeistertitel beim nächsten FIDE-Kongress) und vierter Platz für Niki Stanec, eine neue Bestätigung seiner Superform. Mit einem Sieg über Korchnoi erfüllte auch der slowakische IM Mikulas Manik eine GM-Norm und wurde Dritter. Nach seinem Debakel bei der Staatsmeisterschaft ist der achte Platz von Reinhard Lendwai einfach fantastisch. Der ausgezeichnete zehnte Platz und eine IM-Norm gingen an Harald Schneider-Zinner. Bemerkenswert ist die Leistung des 13-jährigen Burgenländers Johannes Heiny, der das B-Turnier mehr als überzeugend mit 8 aus 9 gewann. Großen Dank und Kompliment an die Veranstalter, Turnier-Direktor Mag. Gerhard Schroll und sein Team, für das großartig organisierte Turnier.

Endstände nach 9 Runden:

Hier finden Sie alle Ergebnisse, Tabellen, Fotos und Partien.

Weiß: Dizdarevic, E. (2486)

Schwarz: Petran, P. (2391)

14.Int. Wien Open, [A10]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.c4 f5 2.Sc3 g6 2...Sf6 wäre der normale Entwicklungszug, der mehr Optionen offen lässt. Der slowakische IM neigt aber dazu, den Springer über h6 auf f7 zu positionieren.

3.d3 Schlauer Zug! Weiß will schnell e2-e4 durchsetzen, was gegen die Leningrader Variante meistens stark ist.

3...Lg7 4.e4 d6 5.exf5 gxf5 Schwarz will unbedingt das Zentrum mit den Bauern kontrollieren, aber die Königsstellung und besonders die Diagonale h5-e8 werden damit geschwächt. Die Alternative war 5...Lxf5 und auf 6.Db3 könnte man den Bauern mit 6...Sc6 7.Dxb7 Sd4 opfern und erhält ausreichende Kompensation.

6.d4 Die Idee ist die schwarze Bauernstruktur mit d4-d5 zu fixieren, wodurch auch das Feld e6 sehr schwach wird. Die Stellung nach 6.Dh5+ Kf8 7.Sf3 Sf6 8.Dg5 c5 9.d4 cxd4 10.Sxd4 Se4 11.Sxe4 Lxd4 12.Sc3 Tg8 13.Dh6+ Tg7 ergibt weißen Vorteil.

6...e6 Das ist schon zu optimistisch. Die Idee ist, den Vorstoß d4-d5 mit e6-e5 zu begegnen. Gut gedacht, kostet aber Zeit. Besser war 6...Sf6 und auf 7.d5 sofort 7...e5 8.dxe6 Lxe6. Der f5-Bauer wäre dabei schwach, aber Schwarz kompensiert das mit seinem Figurenspiel.

7.Le2 Viel direkter wäre 7.Dh5+ Kf8 8.Sf3 Sf6 9.Dh4 nebst Lc1-h6 und langer Rochade.

7...Sf6 8.Lh5+ Kf8 Schwarz zeigt bei der Verteidigung wenig Fantasie. Besser wäre 8...Sxh5 9.Dxh5+ Kd7 gefolgt von Dd8-e8.

9.Lg5 Dd7 10.Le2 Df7 11.Sf3 Genauer wäre 11.Dd3 - verhindert Sf6-e4.

11...h6 Nimmt g5 unter Kontrolle und schwächt gleichzeitig das Feld g6. 11...Se4 könnte ein bisschen Entlastung für Schwarz bringen.

12.Lf4 Sc6 13.d5 Sd8 Weiß steht auch nach 13...Se7 14.dxe6 Lxe6 15.Sb5 Se8 klar besser.

14.Sh4 e5 15.Ld2 Die Stellung hat sich geklärt. Der bosnische GM demonstriert nun seinen Plan: lange Rochade und das schwarze Bauernzentrum mit den Hebeln f4 und g4 sprengen.

15...Kg8 16.Dc2 Se8 17.g3 Lf8 Die schwarze Stellung ist wirklich ein Jammer.

18.0-0-0 Le7 19.Sg2 Lf6 20.Se3 Sofort 20.f4 wäre auch gut.

20...Sg7 21.f4 De7 22.g4!

Damit werden die Linien geöffnet und der weiße Angriff läuft von selbst.

22...fxg4 Auf 22...exf4 folgt 23.Sxf5.

23.Sxg4 Lxg4 24.Lxg4 exf4 25.Se2 h5 26.Lf3 Le5 27.Tdg1 Sf7 28.h4 Kf8 29.Tf1 Df6 30.Le4 Te8 31.Sxf4 Kg8 Auf 31...Lxb2+ antwortet Weiß ruhig mit 32.Kb1

32.Se6 De7 33.Lg6 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog