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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3713 vom 19.09.2003, Kategorie Kolumne

Die Russische Staatsmeisterschaft

Vom 3. bis 12. September wurde die Staatsmeisterschaft der stärksten Schachnation Russland in Krasnoyarsk in 9 Runden Schweizer-System ausgetragen. 80 Teilnehmer, darunter 57 GMs und 15 IMs, kämpften um den Preisfond von 100.000 USD. Mit Ausnahme von den drei großen K (Kasparov, Kramnik, Karpov) und Bareev, war die komplette Schachelite am Start. Nach einem spannenden Kopf an Kopf Rennen zwischen dem Favoriten Svidler und Morozevich entschied die Zweitwertung über den Turniersieg. Der frischgebackene Zwillingsvater Peter Svidler war der Glücklichere. Morozevich spielte wie gewohnt kompromisslos (6 Siege, eine Niederlage gegen Svidler), gewann sowohl Silber als auch einige Elopunkte und wird in der Oktober-Elo-Liste wieder im Klub der 2700er zu finden sein. Der dritte Platz von Malakhov, nach seinem zweiten Platz bei der heurigen EM in der Türkei, ist eine Bestätigung für seine gute Form.

Endstand:

Weiß: Svidler, P. (2723)

Schwarz: Sherbakov, R. (2555)

56th ch-RUS [B61]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lg5 Ld7 Weil sich Schwarz weigert 6....e6 zu spielen, nennt man diese Fortsetzung Antirauzer. Die Rauzer-Variante beginnt mit 6...e6.

7.Dd2 Tc8 8.f4 Sehr gefinkelte Reihenfolge, die das schwarze System in Frage stellt. Jahrelang wurde automatisch 8.0-0-0 gespielt. Das überlässt dem Schwarzen mehr Optionen: 8...Sxd4 9.Dxd4 Da5 10.f4 und nun das positionelle Opfer (Mit 10.Ld2 kann Weiß keinen Vorteil erlangen.) 10...Txc3 bringt dem Nachziehenden gute Gegenchancen. Z.B. eine frische Partie: (10...e6 11.e5 dxe5 12.fxe5 Lc6 führt zur Partie. Schwarz hat noch eine Alternative: 10...h6 11.Lh4 g5 12.e5 gxh4 13.exf6 e6 und Weiß sollte hier besser stehen.) 11.bxc3 (Schwarz kann nach 11.Dxc3 Dxc3 12.bxc3 Sxe4 13.Lh4 g6 zufrieden sein) 11...e5 12.Db4 Dxb4 13.cxb4 Sxe4 14.Td5 h6 15.Lh4 g5 16.fxg5 hxg5 17.Le1 Le7 18.Ta5 a6 19.b5 Ld8 20.bxa6 Lxa5 21.a7 Ke7 22.Lxa5 mit unklarem Spiel, Volotkin-Motylev Bermuda 2003.

8...Sxd4 9.Dxd4 Da5 10.e5 10.0-0-0 führt zur altbekannten Stellung. Der Textzug bewirkt das Gleiche, zwingt dabei aber Schwarz in die folgende Variante zu gehen, die eher als schlecht gilt.

10...dxe5 11.fxe5 e6 12.0-0-0 Lc6 Wenn Schwarz zu Sf6-d5 kommt, dann wäre alles OK.

13.Sb5! Ein starker Zug, der den Plan von Schwarz durchkreuzt!

13...Lxb5 Einziger Zug. 13...Dxa2 verliert schnell: 14.Sc7+ Txc7 15.Dd8#. 13...Sd5 scheitert an 14.Dxa7.

14.exf6 Lc6. Auf 14...La4 folgt das originelle 15.Ld2! und nach 15...Txc2+ 16.Kb1 Txd2 17.Txd2 gxf6 18.Ld3 steht Weiß besser. 14...g6 kann die Probleme auch nicht lösen: 15.De5 a6 (15...Txc2+ 16.Kb1) 16.Lc4! Da4 17.Lb3 Dg4 18.The1.

15.h4 g6 Die Variante 15...gxf6 16.Lc4 Tg8 17.The1 ist identisch mit; 15...Tg8 16.Lc4 gxf6 17.The1 fxg5 (17...Dc5 geht wegen 18.Lxe6 Dxd4 19.Lxc8+ nicht) 18.Lxe6 fxe6 19.Df6 Dxe1 20.Txe1 Tc7 21.Dxe6+ Te7 22.Dc8+ Kf7 23.Tf1+ Kg7 24.Dd8 und Weiß gewann bald, Lahno-Andreev Kramatorsk 2003.

16.Lc4 Dc5 Ein neuer Zug, der keine wirkliche Verstärkung ist. Bis jetzt wurde 16...Lc5 gespielt. Hier eine kurze Partie: 17.Dg4 h5 18.De2 0-0 19.Thf1 Lb4 20.Lh6 Tfe8 21.Kb1 Lxg2?? 22.Dxg2 Txc4 23.Dxg6+ 1-0, Z. Almasi-Miroshnichenko, EU-ch Ohrid 2001.

17.Dd3 Für das Computerprogramm Fritz 7 war es nur eine Frage von Sekunden 17.Lxe6! zu finden. 17...Dxd4 (17...fxe6 verliert leicht : 18.f7+ Kxf7 19.Df6+ Kg8 20.Dxe6+ Kg7 21.Lf6+ Kh6 22.Dxc8) 18.Lxc8 und Schwarz kann die Dame nicht retten, wonach er einfach mit einem Bauern weniger schlecht steht.

17...Df5 Ein anderer Versuch wäre 17...La4 18.Lb3 Lb5 19.Dd2 Db4 aber nach 20.c3 ist der Vorteil fest auf der weißen Seite.

18.Db3 Es wird langsam heiß um den Bauern e6. Das Motiv 18.Lxe6! funktioniert auch hier: 18...Dxd3 (18...Dxe6 19.The1; 18...fxe6 19.f7+ Kxf7 20.Thf1) 19.Lxc8.

18...Td8 19.Tdf1! Dg4 20.Lxe6!

20...fxe6 20...Dxe6 21.Te1 Le4 22.Da4+ b5 23.Dxb5+ Td7 24.Da4.

21.Tf4 Wichtiger Zwischenzug!

21...De2 22.f7+ Kd7 23.Td4+ Ld6 24.Thd1 Ld5 Das Endspiel nach 24...Kc7 25.Lxd8+ Txd8 26.Txd6 Txd6 27.Txd6 Df1+ 28.Td1 Dxf7 29.g3 wäre auch trostlos.

25.Txd5! exd5 26.Dxb7+ GM Sherbakov ersparte sich das schöne Finale: 26.Dxb7+ Lc7 27.Txd5+ Ke6 28.Dc6+ Ld6 29.Txd6+ Txd6 30.De8+ Kd5 31.Dxe2 1-0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog