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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3726 vom 03.10.2003, Kategorie Kolumne

Kreta: Kasparov in Topform

Im Vorfeld des 19. European Club Cup (28. September bis 4. Oktober) fand in Kreta am 23. September ein Vergleichskampf zwischen der Nummer 1 Gary Kasparov und dem amtierenden Europameister Zurab Azmaiparashvili statt. Es wurden zwei Aktivschachpartien (25 Minuten + 10 Sekunden pro Zug) und vier Blitzpartien (5 Minuten + 3 Sekunden pro Zug) gespielt. Das Ergebnis fiel mehr als überzeugend für Kasparov aus: 2-0 und 3½-½. Dermaßen gestärkt tritt er in dieser Woche für die russische Mannschaft Ladya Kazan beim European Club Cup an.

Österreich ist durch drei Teams vertreten: Tschaturanga Wien, Austria Graz und Gleisdorf. Als Favoriten zählen Ladya Kazan (mit Kasparov, Bologan, Rublevsky, Smirin), NAO Chess Club (mit Grischuk, Svidler, Adams, Vallejo Pons, Lautier) und Bosna Sarajevo (mit Shirov, Bareev, Ivan Sokolov).

Die Auslosung des Turniers liegt fest in österreichischer Hand. Sie erfolgt durch den Linzer Schiedsrichter Werner Stubenvoll, der mit dem Auslosungsprogramm „Swiss-Manager“ unseres Schachkolumnisten Dipl. Ing. Heinz Herzog die Gegner von Kasparov und Co. ermittelt. Die aktuellen Ergebnisse finden Sie daher täglich bereits knapp nach Ende der Runde auf unseren Online Schachseiten.

Zwischenstand nach 4 von 7 Runden:

Hier finden Sie alle Details zum Turnier

Weiß: Azmaiparashvili (2702)

Schwarz: Kasparov (2830)

Aktivschach, Kreta [D11]

Anmerkung: GM I. Balinov

1.c4 c6 2.d4 d5 3.Sf3 Sf6 Die Slawische Verteidigung ist die neue schwarze Eröffnung in Kasparovs Repertoire. Früher bevorzugte er Grünfeld und Königsindisch.

4.e3 a6 Eine moderne Fortsetzung. Schwarz will mit b7-b5 gegen c4 kontern oder den weißfeldrigen Läufer nach f5 oder g4 entwickeln. In diesem Fall ist a6 eine wichtige Prophylaxe. Der Nachteil ist die Schwächung der schwarzen Felder.

5.Dc2 Auf 5.Sc3 wird mit 5...b5 fortgesetzt - die Hauptvariante.

5...Lg4 Jetzt ist 5...b5 nicht so gut, weil der weiße Springer von b1 über d2-b3 auf die Schwächen c5 und a5 Felder landen könnte.

6.Se5 In der Partie Bareev-Topalov, Amber-rapid 2003 erlangte Weiß nach 6.Sbd2 e6 7.Ld3 Sbd7 8.b3 c5 9.h3 Lh5 10.g4 Lg6 11.Lxg6 hxg6 12.g5 Sh5 13.dxc5 Lxc5 14.cxd5 exd5 15.Dd3 Vorteil.

6...Lh5 7.Db3 Ambitionierter Zug. Nach 7.Ld3 e6 8.Sd2 Sbd7 9.Sdf3 Sxe5 10.Sxe5 Sd7 11.Sxd7 Dxd7 12.0-0 Lg6 13.b3 Le7 14.Lb2 0-0 15.e4 dxe4 16.Lxe4 Lf6 17.Tad1 Tfd8 18.De2 Lxe4 19.Dxe4 Dc7 wurde es bald remis, Khalifman-Kasparov, FIDE GP Moskau 2002.

7...Dc7 8.cxd5 cxd5 9.Sc3 e6 10.Ld2 Ld6 11.Tc1 Sc6 12.Sa4 0-0 Eine interessante Möglichkeit ist 12...Lxe5 13.dxe5 Se4 (gutes Spiel für Schwarz verspricht auch 13...Sd7 14.Sc5 Sxc5 15.Txc5 0-0 16.f4 De7) 14.Db6 Dd7.

13.Sxc6 bxc6 14.Db6 De7 15.Ld3 Auf 15.Dxc6 ist 15...Se4 unangenehm.

15...Lg6 16.Lxg6 fxg6! 17.f3 17.0-0 wäre noch brandgefährlich: 17...Lxh2+ 18.Kxh2 Sg4+ 19.Kh3 (19.Kg3 Sxf2; 19.Kg1 Dh4 20.Dc7 e5) 19...Sxf2+ 20.Txf2 Txf2.

17...Se4!

Kasparov nutzt die Möglichkeit für einen Angriff, bevor Weiß zur Rochade kommt.

18.fxe4 Dh4+ 19.g3? Untypisch für Azmaiparashvilli, üblicherweise ein Meister der Verteidigung, einen solchen Fehler zu begehen. Richtig war 19.Kd1 Dg4+ 20.Kc2 Dxe4+ 21.Kd1. Der Versuch, mit 21...Dxg2 auf Gewinn zu spielen, birgt für Schwarz ein gewisses Risiko: 22.Te1 Dg4+ 23.Te2 Tf2 24.Sc3 Tb8 25.Dxc6 Txb2 26.Tc2 (aber nicht 26.Dxd6?? Tf1+ 27.Le1 Txe1+ 28.Kxe1 Dg1#) oder 21...Dg4+ 22.Kc2 mit Dauerschach.

19...Dxe4 20.Ke2 20.Tf1 verliert schnell: 20...Txf1+ 21.Kxf1 Dd3+ 22.Ke1 Tf8

20...Dg2+ 20...Dg4+ ist auch stark und führt ähnlich zum Sieg wie in der Partie: 21.Kd3 (21.Ke1 Df3) 21...Tf2 22.The1 (22.Thd1 Tb8) 22...Tb8 23.Da5 De4+ 24.Kc3 Lb4+ (Das Computerprogramm Fritz 7 macht es mit 24...e5! noch schmerzhafter) 25.Dxb4 Txb4 26.Kxb4 Txd2.

21.Kd3 Tf2 22.Da5 Tb8 23.a3 Lc7! Schwarz verfügt auch über 23...c5.

24.Dxc7 Txd2+ 25.Kc3 Tdxb2 0-1

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog