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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3798 vom 21.11.2003, Kategorie Kolumne

Kasparov gegen X3D-Fritz: 2-2

Vom 11. bis 18. November trat die Nummer 1 der Welt, Gary Kasparov, in New York zum dritten Mal für die bescheidene Gage von 150.000 US-$ gegen ein Computer-Schachprogramm (nach Deep Blue und Deep Junior) an. Das Unentschieden brachte ihm noch zusätzlich 25.000 US-$ ein. Mit einem Triumph über die Maschine wurde leider wieder nichts. Gespielt wurden nur 4 Partien (bei einer Zeitkontrolle – 2 Stunden für 40 Züge, dann 1 Stunde für 20 Züge, danach 15 Minuten + 3 Sekunden pro Zug bis zum Ende) auf einem virtuellen Brett, das nur mit einer speziellen 3D Brille sichtbar war.

In der ersten Partie diktierte Kasparov mit Weiß eindeutig das Geschehen, gewann die Qualität, aber „Fritz“ verteidigte sich geschickt und hielt die Balance. In der zweiten „Begegnung“ beging Kasparov in ausgeglichener Stellung unter Zeitnot einen groben Fehler (siehe 1. Partie), den die Maschine gnadenlos ausnutze. Die Revanche ließ nicht lange auf sich warten. Im dritten Kampf (siehe 2. Partie) sorgte Kasparov dafür, dass der Computer nicht gut aussah. “Die Maschinen haben noch viel von uns zu lernen“ jubelte Gary nach dem Sieg. Die vierte Partie brachte wenig Spannung. Mit einer Heimanalyse glich Gary schnell aus und das Remis wurde fixiert. “Und der Wolf satt und das Lamm ganz“ sagt ein altes Sprichwort. Nur: Wer ist der Wolf und wer das Lamm und wie lang noch?

X3D-Fritz gegen Kasparov (2830)

X3D Match, 2. Runde

Anmerkung: GM I. Balinov

1...Tg7?? Unglaublich! Kasparov stellt den wichtigen e5-Bauern ein. 1...Tg8 wäre richtig und hätte die gleiche Idee wie der Textzug, h5-h4 vorzubereiten. 2.Sg3 Sxg3 (2...Se7 opfert einen Bauern und führt zu einer unklaren Stellung: 3.Dxb7 h4 4.Sf1) 3.hxg3 Tc8 oder 1...Tc8 war auch Alternative.

2.Txe5! dxe5 3.Dxf8 Die schwarze Position bricht schnell zusammen.

3...Sd4 4.Lxd4 exd4 5.Te8 Tg8 6.De7+ Tg7 Schwarz verliert in allen Varianten schnell: 6...Lg7 7.Txg8 Kxg8 8.Dxb7 d3 9.a6; oder 6...Dg7 7.De4+ Dg6 (7...Kh8 8.Te7) 8.Te7+ Tg7 9.d6 Dxe4 10.Txe4 d3 11.Td4 Td7 12.Sg3 Kg6 13.Txd3 Lf8 14.Se4 Kf5 15.f3.

7.Dd8 Tg8 8.Dd7+ es konnte noch folgen: 8.Dd7+ Tg7 9.Dc8 Tg8 10.Dxb7+ 1–0

Kasparov (2830) gegen X3D-Fritz

X3D Match, 3. Runde

1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 d5 4.d4 c6 5.e3 a6 In der ersten Partie geschah: 5...Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.g4 Lb4 8.Ld2 De7 9.Tg1 Lxc3 10.Lxc3 Se4 11.0–0–0 Df6 12.Le2 Sxf2 13.Tdf1 Se4 14.Lb4 c5 15.cxd5 exd5 16.dxc5 De7 17.Sd4 0–0 18.Sf5 De5 19.c6 bxc6 20.Lxf8 Kxf8 mit Vorteil für Kasparov.

6.c5 Zumachen ist gegen Computer meist ein gutes Rezept.

6...Sbd7 7.b4 a5 Positioneller Fehler. Ermöglicht den Vorstoß e6-e5, der a5 Bauer bleibt aber isoliert.

8.b5 e5 9.Da4 Dc7 10.La3 e4 Nachdem das Zentrum geschlossen ist, kann sich Weiß ruhig auf den Damenflügel konzentrieren. Besser wäre 10...exd4 11.exd4 Le7.

11.Sd2 Le7 12.b6 Und der a-Bauer ist nicht mehr zu retten.

12...Dd8 13.h3 Gegen Sf6-g4 gerichtet. 13...0–0 14.Sb3 Ld6

Was ist das? Das einzige Gegenspiel für Schwarz ist mit dem f-Bauern verbunden. Daher 14...Se8 mit der Idee f5 und danach f5-f4 vorzubereiten.

15.Tb1 15.cxd6?? Sxb6 und die Dame ist weg!

15...Le7 16.Sxa5 Ein Mehrbauer, und jetzt ist Zeit zum Umgruppieren und a2-a4-a5-a6 vorzubereiten. 16...Sb8 17.Lb4 Dd7 18.Tb2 De6 19.Dd1 Sfd7 20.a3 Dh6 21.Sb3 Lh4 Fritz spielt nur auf Tricks! Droht Dh6-e3.

22.Dd2 Sf6 23.Kd1 Natürlich steht der König viel sicherer am Damenflügel.

23...Le6 24.Kc1 Td8 "Gegenspiel suchen" ist für den Computer kein Thema!

25.Tc2 Sbd7 26.Kb2 Sf8 27.a4 Sg6 28.a5 Se7 29.a6 Der entscheidende Durchbruch. Den Bauern kriegt man früher oder später zurück.

29...bxa6 30.Sa5 Tdb8 31.g3 Lg5 32.Lg2 Damit der zweite Turm ins Spiel kommt.

32...Dg6 33.Ka1 Kh8 34.Sa2 Ld7 35.Lc3 Se8 36.Sb4 Kg8 37.Tb1 Lc8 38.Ta2 Lh6 39.Lf1 De6 40.Dd1 Sf6 41.Da4 Lb7 42.Sxb7 Txb7 43.Sxa6 Dd7 44.Dc2 Kh8 45.Tb3 Und die Aufgabe erspart uns den Rest dieser eher schwachen Vorstellung von Fritz! 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog