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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3806 vom 05.12.2003, Kategorie Kolumne

Bundesligaauftakt in Graz

Die Saison 2003/2004 der höchsten österreichischen Spielklasse (früher Staatsliga) startete am 28. bis 30. November im schönen Ambiente des  Novapark-Hotels  in Graz. Die Trippelrunde begann gleich mit einer Sensation. Der Titelverteidiger Austria Graz verlor gegen Melk-Wachau mit 1-5. Eine weitere Überraschung folgte in der 2. Runde, wo der Titelfavorit Union Ansfelden (GM Gyimesi, GM Ftacnik, GM Babula, GM Stanec - Eloschnitt über 2500) dem schwächeren Hohenems mit 1½-4½ unterlag. Mit einem hohen Sieg gegen Wiener Neustadt übernahmen die Vorarlberger mit 2½ Punkten Vorsprung klar die Führung. Der Aufsteiger Wiener Neustadt verzichtete auf große Verstärkungen und fand sich nach zwei 1‑5 Niederlagen schnell am Tabellenende wieder.

Auf unseren Online-Schachseiten finden Sie dazu alle Details zur Bundesliga.

Zwischenstand nach 3 Runden :

Weiß: Rotstein, A (2535)

Schwarz: Boensch, U (2545)

Bundesliga 3. Runde

Anmerkung: GM I. Balinov [D36]

1.c4 e6 2.Sc3 d5 3.d4 Sf6 4.cxd5 exd5 5.Lg5 Le7 6.Dc2 c6 7.e3 Sbd7 8.Ld3 Sh5 GM Boensch hat schon öfters diese Variante gespielt. Der Hauptzug ist 8...0‑0.

9.Lxe7 Dxe7 10.Sge2 g6 Die b1–h7 Diagonale muss neutralisiert werden.

11.0–0 0–0 12.Tae1 Bereitet f2-f3 und e3-e4 vor. Der andere Plan ist mit b2-b4 am Damenflügel aktiv zu werden.

12...f5 Schwarz will den Plan mit f3 und e4 unterbinden. Der Preis dafür ist die Schwächung des Feldes e5, die GM Rotstein meisterhaft ausnutzt. In der folgenden Partie versuchte Schwarz, ohne diesen Zug auszukommen: 12...Sdf6 13.Sc1 Le6 14.f3 Tfd8 15.a3 b6 16.Df2 c5 17.Lb1 Tab8 18.g4 Sg7 19.Sd3 c4 20.Se5 Tbc8 21.Dh4 Te8 22.f4 mit weißer Initiative am Königsflügel, Drasko-Legky, Metz op. 2001.

13.a3 Weiß beginnt sich umzugruppieren, um die Felder c5 und e5 mit den Springern zu besetzen.

13...Sdf6 13...Sb6 sollte genauer sein, mit der Idee, das Manöver Sc3-a4-c5 zu erschweren.

14.Sa4 Le6 15.Sc5 Lf7 16.b4 a6 Gegen die positionelle Drohung b4-b5 gerichtet.

17.Sf4 Es ist Zeit für den zweiten Springer, in Richtung e5 aufzubrechen.

17...Sg7 Natürlich nicht 17...Sxf4 18.exf4, wodurch e5 noch schwächer wird und die e-Linie in die weißen Hände fällt. Schwarz kann wegen f2-f3 die Stellung nicht mit Sf6-e4 geschlossen halten.

18.Le2 Macht Platz für den Springer von f4 auf dem Weg nach e5.

18...Tfc8 19.Db2 Ein sehr guter stiller Zug! Die Dame wirkt von b2 viel besser, wie sich bald zeigen wir.

19...Sge8 Das Drama in solchen Stellungen ist, dass Schwarz kein Gegenspiel hat, und wenn er es trotzdem versucht, geht es meistens in die "Hose". 20.Sfd3 Sd6 21.Se5 Le8 22.f3 Weiß hat die optimale Aufstellung erreicht und bereitet den entscheidenden Durchbruch vor.

22...a5 Das ist der besprochene Gegenspiel-Versuch, der hier aber auch scheitern wird.

23.bxa5 Die richtige Entscheidung - die b-Linie ist wichtig für Weiß.

23...Txa5 24.Db4 Es droht auch 25.Sc5-b7.

24...Ta7 25.Ld3 Mit der Idee e3-e4. Gleich 25.e4 wäre verfrüht: 25...fxe4 26.fxe4 dxe4 27.Lc4+ Kh8 28.Sxe4 Sfxe4 29.Txe4 c5 30.Db6 Sxe4 31.Dxa7 Sd2 und Schwarz sollte mehr als zufrieden sein.

25...Tca8 25...b5 verdiente Beachtung. 26.e4 b6 GM Boensch findet eine interessante Idee, sich zu entfesseln. Die Stellung nach 26...Dd8 27.exf5 gxf5 28.Db1 wäre sehr schwer zu halten.

27.Dxb6 dxe4 28.fxe4 fxe4 29.Lxe4 Sdxe4 30.Sxe4 Sxe4 30...Sd5 funktioniert wegen 31.Sxc6! nicht. Z.B. 31...Sxb6 32.Sxe7+ Kg7 (32...Txe7 33.Sf6+ Kf8 34.Sxh7+) 33.Sd6 mit Gewinnstellung für Weiß.

31.Txe4 Tb7 Mit diesem Zug war vielleicht die schwarze Hoffnung verbunden. Auf 31...Dxa3 folgt 32.Sg4.

32.Sg4!

Dieser schöne Zug war für GM Boensch sicher nicht leicht vorauszusehen. Nach 32.Dc5 Dxc5 33.dxc5 Txa3 34.Sc4 Ta8 35.Sd6 Tbb8 36.h3 steht Weiß immer noch überlegen, aber Schwarz hat auch Chancen, sich zu retten.

32...Dxe4 32...Txb6 33.Txe7 und gegen die Mattdrohung Sg4-h6 und Tf8 ist Schwarz hilflos.

33.Dxb7 Dxd4+ 34.Kh1 Weiß gewinnt die Qualität und damit auch die Partie: 34.Kh1 Dxg4 35.Dxa8 De2 36.Tb1 1–0

Computer-WM

Gleichzeitig zur Bundesliga fand in Graz die Computer-Weltmeisterschaft statt. Shedder wurde nach einem dramatischen Stichkampf (1½-½) gegen Fritz Weltmeister, nachdem beide Programme nach 11 Runden 9½(!) Punkte hatten.

Auf unseren Online-Schachseiten finden Sie dazu alle Details zur Computer WM.

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog