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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 385 vom 22.08.1997, Kategorie Kolumne

Stanec verteidigt Titel erfolgreich (22. August 1997)

Herrenstaatsmeisterschaft in Mösern (Tirol):

Erst in der Schlußrunde konnte der bis dahin über sich hinausgewachsene IM Harald Casagrande (OÖ), der mit einer gediegenen Leistung aufwartete, von Titelverteidiger IM Niki Stanec (Wien) gestoppt werden, der damit seinen Erfolg von 1995 in Voitsberg (Sieger nach Stichkampf gegen Hölzl) wiederholen konnte. Mit FM Oliver Lehner (NÖ), der seine erste IM-Norm erbrachte, konnte sich ein weiterer Außenseiter mit einer imponierenden Leistung in den Spitzenrängen etablieren.

Enttäuschend verlief das Turnier für einige arrivierte Spieler, wie z.B. Vizestaatsmeister IM Franz Hölzl, IM Georg Danner, IM Dr. Walter Wittmann und IM Doz. Dr. Arne Dür (mangelnde Spielpraxis) und auch IM Egon Brestian, der zu den Top-Favoriten zählte, wird mit seiner Leistung kaum zufrieden sein.

Das von IS Gertrude Wagner geleitete Turnier verlief in prächtigem Rahmen, zu dem von Veranstalterseite der unermüdliche Einsatz von Peter Voglhofer und Harald Hahn zu erwähnen ist.


Endstand

Rg. Name 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Pkt. Wtg.
1 IM N.Stanec * 1 ½ ½ ½ 0 1 1 ½ ½ 1 1 1 ½ 1 1 11 77.75
2 IM H.Casagrande 0 * 1 ½ ½ 1 1 1 1 0 ½ 1 0 1 1 1 10½ 74.25
3 FM O.Lehner ½ 0 * 0 ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 1 ½ 1 1 64.75
4 IM R.Lendwai ½ ½ 1 * ½ ½ ½ 1 ½ 0 ½ ½ ½ 1 0 1 63.75
5 IM K.Mahdy ½ ½ ½ ½ * ½ 0 ½ ½ 1 1 1 ½ ½ ½ ½ 61.50
6 IM E.Brestian 1 0 0 ½ ½ * ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½ 1 ½ ½ 60.50
7 FM E.Weinzettl 0 0 ½ ½ 1 ½ * 0 ½ ½ ½ 0 1 1 1 1 8 53.25
8 IM Dr. M.Schlosser 0 0 ½ 0 ½ ½ 1 * ½ 1 0 1 ½ 0 1 1 50.75
9 FM DI. N.Sommerbauer ½ 0 0 ½ ½ ½ ½ ½ * 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 7 49.75
10 IM Mag. G.Schroll ½ 1 ½ 1 0 0 ½ 0 0 * ½ ½ ½ ½ 0 1 50.50
11 IM F.Hölzl 0 ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 ½ ½ * 0 ½ ½ ½ ½ 47.50
12 FM H.Kummer 0 0 0 ½ 0 0 1 0 ½ ½ 1 * ½ 1 1 ½ 41.50
13 IM G.Danner 0 1 0 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ * ½ ½ 0 6 45.50
14 IM Dr. W.Wittmann ½ 0 ½ 0 ½ 0 0 1 ½ ½ ½ 0 ½ * ½ ½ 40.00
15 IM Doz.Dr. A.Dür 0 0 0 1 ½ ½ 0 0 ½ 1 ½ 0 ½ ½ * 0 5 36.00
16 IM Doz.Dr.H.Rolletschek 0 0 0 0 ½ ½ 0 0 ½ 0 ½ ½ 1 ½ 1 * 5 32.25


Die Entscheidungspartie

Als hätte Altmeister Hitchcock selbst Regie geführt, ging die Entscheidungspartie in der Schlußrunde über die Bühne. Der Kampf stand auf hohem Niveau, in dem sich letztlich die Klasse des Titelverteidigers durchsetzt ...

Weiß: IM H. Casagrande

Schwarz: IM N. Stanec

Damenbauernspiel [D03]

Anm. GM L. Ftacnik

1. d4 Sf6 2. Sf3 g6 3. Lg5 Lg7 4. c3 0-0 5. Sbd2 d5 6. e3 Sbd7 7. Ld3 Te8 8. h3 e5 9. dxe5 Sxe5 10. Sxe5 Txe5 11. Sf3 Te8 12. 0-0 c6 13. Dc2. Bekannt ist 13. Te1 Db6 14. Lxf6 Lxf6 15. Dc2 Le6 16. Sd4 Ld7 17. a4 a5 18. Sf3 Dc5 19. Tad1 b5 20. axb5 cxb5 21. Dd2 b4 22. cxb4 Dxb4 23. Dxb4 axb4 24. Td2 Ta2 25. Tb1, Smyslow-Kamsky, Manila (izt) 1990.

13. ... Da5 14. Lxf6. Sonst erlangt Schwarz die Kontrolle über das Feld "e4", z.B. 14. Sd2 Se4 15. b4 Dc7 16. Lxe4 (Natürlich nicht 16. Sxe4 dxe4 denn nun scheitert 17. Lxe4? An 17. ... De5) 16. ... dxe4 17. Sxe4 De5 18. f3 Lf5 mit etwas besserem Spiel für Weiß.

14. ... Lxf6 15. a3 Ld7 16. Tfd1 Tad8 17. b4 Dc7 18. Tab1 Lc8 19. c4. Das Läuferpaar gibt in dieser halboffenen Stellung dem Nachziehenden das bessere Spiel. Keinen Vorteil versprach hingegen 19. Sd4!? b6 20. a4 a6 21. b5! c5 22. Sc6 Td7 23. e4 Lb7 24. exd5 Txd5 25. Te1.

19. ... dxc4 20. Dxc4. Nach 20. Lxc4 Lf5 21. Ld3 Txd3 22. Txd3 Lxd3 23. Dxd3 Td8 24. Dc2 Dd6 stünde eher Schwarz etwas besser.

20. ... De7 21. Db3. Nicht 21. b5? wegen 21. ... cxb5 22. Dxb5 Dxa3 und das schwarze Spiel ist klar vorzuziehen.

21. ... Td6 22. Lc4. Auch nach 22. b5 Ted8 steht Schwarz etwas besser.

22. ... Ted8 23. Txd6 Txd6 24. Td1 Txd1+ 25. Dxd1 a5 26. Db3. Oder 26. bxa5 Dxa3 27. Dd2 Kg7 mit etwas besserem Spiel für Schwarz.

26. ... b5 27. Ld3 Le6 28. Dc2 Ld7. Möglich war auch 28. ... axb4 29. axb4 Ld7 (Nicht aber 29. ... Dxb4? wegen 30. Dxc6 mit Vorteil für Weiß.) 30. Db3.

29. Db3. Nicht besser ist 29. bxa5 Dxa3 30. Dd2 Lc3 31. Dd1 Le8 und Schwarz hat deutlichen Vorteil.

29. ... axb4 30. axb4. 30. Dxb4? verbietet sich wegen 30. ... Dxb4 31. axb4 Lc3 und Schwarz gewinnt.

30. ... Dd6 31. Se1 Le6 32. Da3. Das einzige, da nach 32. Dc2? Dxb4 33. Dxc6 der Se1 einsteht.

32. ... Ld5. Nichts erreicht Schwarz mit 32. ... Le7 33. Sc2.

33. Le2. Auch nach 33. Sc2 h5 steht Schwarz etwas besser.

33. ... Le7 34. Sd3 Lc4 35. Dc3 Lf6. Vielleicht bot 35. ... Lxd3 36. Lxd3 Dxb4 37. Dxc6 De1+ 38. Kh2 Dxf2 39. De8+ Lf8 40. Lxb5 und Schwarz steht etwas besser, bessere Verteidigungschancen.

 

Diagramm (20 kB)

 

36. Dc2 Le7 37. Lf1 Df6 38. Db1. Schwächer ist 38. Le2 Da1+ 39. Kh2 Da3 40. Kg3 mit deutlichem Vorteil für Schwarz.

38. ... Dc3 39. g3 Kf8 40. h4 h5 41. Dd1 Kg8. Rascher gewann 41. ... Lxb4! 42. Sxb4 Dxb4 43. Dd8+ Kg7 44. Dd4+ Kh7 45. Lxc4 Dxc4 usw.

42. Db1 Ld6 43. Dd1. 43. Kg2 Kf8 ändert nichts am schwarzen Übergewicht.

43. ... Lxb4 44. Sxb4 Dxb4. Nach 44. ... Lxf1 45. Sxc6 Lc4 46. Dd8+ Kg7 47. Dd4+ Dxd4 48. exd4 f6 49. f3 steht Schwarz nur wenig besser.

45. Lg2. Falls 45. Dd8+, so 45. ... Kh7 46. Lxc4 Dxc4 und der Tag ist für Schwarz entschieden.

45. ... Dc5. Stark war auch 45. ... c5 46. Dd8+ Kg7 47. De7 De1+ 48. Kh2 Dxf2 49. Dxc5 Lf1 und Schwarz gewinnt.

46. g4. Auch 46. Dd8+ Kg7 47. De8 b4 48. Dxc6 Dxc6 49. Lxc6 b3 50. Le4 f5 51. Lb1 Ld5 und Schwarz gewinnt, vermag die Niederlage nicht abzuwenden.

46. ... hxg4 47. Dxg4 Le6 48. Dg3 Kh7 49. h5 Dxh5. Ebenso gewann 49. ... gxh5 50. Df4 b4 51. De4+ Kg7.

50. Lxc6 b4 51. Lf3 Dc5 52. e4 b3 53. e5 Dd4. Den Sieg aus der Hand gegeben hätte hingegen 53. ... b2? 54. Dh4+ Kg8 55. Dd8+ Df8 56. Db6. Weiß gab auf, denn nach 54. Le2 b2 55. Ld3 Dxd3 56. Dxd3 Lf5 geht der b-Bauer zur Dame.

 

Keine Schlacht, ein Schlachten war's

In der nachstehenden Partie kommt der Grazer "Schachprofessor" gegen Casagrande, der zweifellos zu seinen Angstgegnern zählt, arg unter die Räder ...

Weiß: IM H. Casagrande

Schwarz: IM W. Wittmann

Damenbauernspiel [A46]

Anm. IM H. Casagrande

1. d4 Sf6 2. Lg5 e6 3. Sf3 h6 4. Lxf6 Dxf6 5. c3 d6 6. Sbd2 Sd7 7. e4 g6 8. Ld3 Lg7 9. De2 e5 10. Sc4 0-0 11. Se3 Sb6?!. Natürlicher erscheint 11. ... c6. Weiß hat aus der Eröffnung nichts herausgeholt und verbraucht nun 40 Minuten auf der Suche nach einem Plan.

12. 0-0. Andere Möglichkeiten waren:

a) 12. dxe5 dxe5 und Spiel gegen den schlechten "Läufer" g7.

b) 12. d5 nebst 0-0 und Spiel am Damenflügel mit b2-b4 und c4-c5.

c) 12. h4 mit der Idee, nach h4-h5 den Punkt "f5" zu erobern.

12. ... h5!? 13. d5. Also Spiel am Damenflügel.

13. ... h4 14. g4!. Auf einen groben Klotz ...

14. ... h3. Um der Festung nach h2-h3 zuvorzukommen, aber ...

15. Kh1 ... nun droht Weiß selbst am Königsflügel anzugreifen.

15. ... Lh6?.

Diagramm (23 kB)

16. g5!. Hierauf ist es praktisch bereits aus.

16. ... Lxg5 17. Sxg5 Dxg5 18. Tg1. Weiß hat nun alle Figuren im Spiel, Schwarz jedoch nur die Dame.

18. ... Dh4 19. Tg3 Sa4 20. Lc2 Sc5. Nach 20. ... Sxb2 21. Db5 wäre der vorwitzige Rappe gefangen.

21. Sf5 Lxf5. Praktisch erzwungen, denn 21. ... Df6 22. Dh5 verhieß nichts Gutes.

22. exf5 Kg7 23. Tag1 Th8 24. fxg6 f5. Verzweifelte Suche nach Gegenspiel, 24. ... f6 25. Lf5 war nicht besser, da Schwarz wäre völlig gelähmt wäre.

25. Lxf5 Taf8 26. Txh3 Df4 27. Th7+! Txh7. Oder 27. ... Kf6 28. g7 usw.

28. gxh7+ Kh8 29. Dh5!. Hierauf ist Schwarz praktisch im Zugzwang, man sehe:

a) 29. ... Txf5 30. Tg8 matt.

b) 29. ... Dxf5 30. Tg8+ usw.

c) 29. ... Dxf2 30. Tg8+ Txg8 31. hxg8D+ Kxg8 32. Dg6+ Kf8 33. Df6+ nebst Damengewinn nach Läuferabzug.

29. ... Sa4 30. Tg3 Dd2 31. Df7! und Schwarz gab auf.

ÖM Lothar Karrer