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Aus dem Schacharchiv der Wiener Zeitung: Artikel: 3888 vom 20.02.2004, Kategorie Kolumne

Gibraltar Telecom Chess Festival

Mehr als die Hälfte der insgesamt 87 Teilnehmer des heurigen Gibraltar Open vom 26. Jänner bis 5. Februar waren Großmeister. Das garantiert natürlich ein hohes Maß an Qualität und Spannung. Seinen zweiten Turniersieg im heurigen Jahr (nach dem Common Health Turnier in Indien) verbuchte der in Athen lebende Engländer GM Nigel Short. Der ehemalige Herausforderer Kasparovs und seit kurzem in die 2700-Elo-Familie Aufgenommene gewann alle 5 Weißpartien und beendete den Bewerb als ungeteilter Sieger mit 8 Punkten aus 10 Partien.

Endstand:

Wells (2493) - Epishin (2633)

1...Tb7 2.Sxe6 Ein sehr starkes positionelles Opfer von dem für Austria Graz spielenden Briten.

2...fxe6 3.Dxe6 Kg7 Der König braucht mehr Luft: In diesem Fall das Feld h6.

4.Dxa6 Db8 Wieder einziger Zug. Schwarz darf die siebente Reihe nicht verlassen. Z.B. auf 4...Tb8 folgt 5.Tc7. 5.De6 Sf8 6.Dxd5 Weiß hat schon Material mehr: Vier Bauern sind im allgemeinen stärker als eine leichte Figur. Dazu kommt die Disharmonie im schwarzen Lager und die schwache Königsstellung.

6...b4 Der Textzug verhindert das Bilden eines Freibauern auf der a-Linie. Auf 6...Kh6 könnte 7.a4 bxa4 8.bxa4 folgen.

7.Tc6 Tb5 Verschlechtert die Stellung, es ist aber schwer, überhaupt einen vernünftigen Zug für Schwarz zu finden.

8.Dc4 Ta5 9.Tc8 Db5 10.e6+ 10.Tc7 gewinnt noch leichter: 10...Dxc4 11.Txe7+ Kh6 12.bxc4 Txa2 13.Te8

10...Kh6 11.Dc7 Dg5 12.f4 Dg3 13.Lg7+ Sehr wahrscheinlich war die Partie schon in der Zeitnotphase.

13...Kxg7 13...Kh5 ändert auch nichts: 14.Dxa5+ (oder 14.Dxe7) 14...Kh4 15.Kf1 Dxe3 16.De5.

14.Dxe7+ Kh6 15.Dxf8+ Kh5 16.Kh1 g5 17.Tc5 1–0

Short (2702) – Muir (2303)

1...Lxf6 2.Dxh7+ Sxh7 3.Txh7+ Kxh7 4.Th1+ und Matt im nächsten Zug. 1–0

Sandipan (2522) – Hebden (2549)

2.Sxg5! Mit dieser Ablenkung wird die Blockade-Figur von e7 weggelockt.

2...Lxg5 3.e7 Te8 4.Df5 Lh6 5.De6+ Kg7 Die schwarzen Figuren haben keine Koordination untereinander: der Springer ist nur Statist, der Turm blockiert den Bauern, die Dame muss sich um e8 und c6 kümmern, der Läufer hat keinen Zug und muss vom König gedeckt bleiben. Völlige Lähmung!

6.h4! Das ist kein Luftloch! Der Zug droht g2-g4-g5.

6...Db8 7.Dxc6 7.g4 wäre wegen 7...Dd6 (Schwarz gibt die Figur zurück) jetzt nicht so gut: 8.g5 Lxg5 9.hxg5 f3.

7...Sd6 8.Te6 Sf5 8...Sf7 wäre besser, aber trotzdem ist die Stellung kaum zu retten.

9.Dxd5 Sxh4 Auf 9...Sxe7 folgt 10.Dd7 mit Figurengewinn.

10.La3 b4 11.Lxb4 Sg6 Schwarz ersparte sich die Züge: 11...Sg6 12.Ld6 Db1+ 13.Kh2. 1–0

Dreev (2682) – Gallagher (2524)

1...Tf8 2.g4! Der für die Schweiz spielende Engländer rechnete angeblich nur mit 2.Ld3 Se5 3.fxe5 Lxf5, wonach er sogar die bessere Chancen haben hätte.

2...hxg3+ 3.hxg3 Txf5 4.Txh7! Kxh7 5.Ld3 Sf6 6.g4 c4 Schwarz verliert damit ein wichtiges Tempo. Richtig war sofort 6...Db6 7.Kf3 (7.Lxf5+ Lxf5 8.gxf5 Dxb2+ 9.Se2 Te8) 7...Dxb2 8.De1 Sxg4 9.De7+ Kg8 10.De8+ Kg7 11.De7+ Tf7 12.Dg5+ Kf8 13.Dd8+ Kg7 mit Dauerschach.

7.Lxf5+ Lxf5 8.gxf5 Db6+ 9.Kf3 Dxb2 10.De1 Tg8?? Der Verlustzug! Mit 10...Dh2 konnte GM Gallagher die Balance halten: 11.Dh1 (11.De7+ Kg8 12.Dxf6 Dh3+ 13.Kf2 Dh2+ 14.Kf3 Dh3+ ist nur Dauerschach.) 11...Dxh1+ 12.Txh1+ Kg7 13.Ke3 b5 14.Tb1 bxa4 15.Kd4 a3 16.Ta1 und Weiß steht eine Spur besser.

11.De7+ Tg7 12.Th1+ Kg8 13.Dd8+ Kf7 14.Dc7+ Kf8 15.Dc8+ Mit einem Dreieck landet die weiße Dame auf e6 und kassiert den f6 Springer mit Schach. Zeit zum Aufgeben. 1–0

GM Ilia Balinov / Heinz Herzog